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Im Kino

Clooneys „Suburbicon“ ist eine halbgare Politparabel

Dortmund George Clooneys „Suburbicon“ scheitert am Spagat zwischen Farce und Parabel.

Clooneys „Suburbicon“  ist eine halbgare Politparabel

Matt Damon spielt den Familienvater Gardner Lodge, Julianne Moore seine Schwägerin Margaret. Foto: Concorde

Von Kai-Uwe Brinkmann
Eine blitzsaubere amerikanische Vorstadt in den 50ern. Der Rasen getrimmt, die Häuser adrett, die Autos gewaschen. Das perfekte Heim für Familie Mustermann, die in „Suburbicon“ Lodge heißt. Matt Damon spielt den Vater Gardner Lodge, dessen weiße Weste im weiteren Verlauf übel besudelt wird. Und er ist nicht der Einzige, der eine hässliche Fratze zeigt.

Der Film basiert auf einem Skript von Joel und Ethan Coen

Als eine schwarze Familie in der Nachbarschaft einzieht, ist der Postbote von den Socken, und die Anwohner gehen auf die Barrikaden. Was haben die hier verloren? Die „Neger“ müssen weg. Ein Mob lärmt vor dem Haus der Schwarzen, sie werden schikaniert und drangsaliert, Nachbarn ziehen Zäune hoch, um die angebliche Schande nicht sehen zu müssen.

„Suburbicon“ basiert auf einem frühen Skript von Joel und Ethan Coen. Man erkennt Parallelen zu ihrer Kriminalfarce „Fargo“ und deren von William H. Macy gespieltem Schwerenöter: schwarzer Humor, bissiger Sarkasmus, Biedermänner mit Abgründen.

Auf den Krimiplot sattelt Clooney eine Politparabel auf, mit der der erklärte Linksliberale seinem Land die Leviten liest und Amerikas Vorstadtbürger zu bigotten Rassisten stempelt.


Die politische Agende wirkt wie ein Fremdkörper

Clooney wird schon wissen, wovon er spricht, doch im Film nimmt sich die politische Agenda wie ein Fremdkörper aus, plakativ ausgestellt und grell angeleuchtet. Lose angebunden laufen diese Episoden neben der Familiengeschichte her, in der die Lodges von zwei Kerlen überfallen werden.

Die betäuben den Vater, seine Frau Rose (die im Rollstuhl sitzt) und deren Zwilling Margaret, beide von Julianne Moore verkörpert. Eine der drei Personen wird das Chloroform leider nicht überleben.

George Clooney zeigt eine Häutung der Figuren

Sohn Nickey (Noah Jupe) war Zeuge des Vorfalls. Er fragt sich, warum der Vater bei einer Gegenüberstellung die Schurken nicht identifiziert und klein bei gibt. Nun, der Alte hat seine Gründe. In den Häutungen der Figuren schimmert die Handschrift der Coens durch.

Doch ihr makabrer Witz wirkt wie eine Pflichtübung, aufgepfropft auf einen Film, der Sittenbild, Satire, Thriller, Farce, Parabel sein will und dabei zu halbgarem Allerlei verunfallt.

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