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Konzerthaus Dortmund

Currentzis machte „Lo Bohème“ zum emotionalen Ereignis

Dortmund Dirigent Teodor Currentzis ist auch eine Art von Bohemien – so wie die Protagonisten in Puccinis Oper „La Bohème“. Im Konzerthaus Dortmund führte das zu einem Abend der emotionalem Überwältigung.

Currentzis machte „Lo Bohème“ zum emotionalen Ereignis

Zarina Abaeva im Duett mit Davide Giusti in der „Bohème“ von Teodor Currentzis in Dortmund.Foto: Pascal Amos Rest Foto: Pascal Amos Rest

Bislang hat Teodor Currentzis in Dortmund damit Eindruck gemacht, dass er konzertante Opern umgekrempelt und zu wilden Ereignissen gemacht hat. Der 45-jährige Grieche aus Perm kann aber auch anders. Am Sonntagabend präsentierte er zum ersten Mal eine romantische Oper im Konzerthaus Dortmund: Puccinis „La Bohème“, die im Mai in Perm Premiere gefeiert hatte. Das musikalische Fest der Freundschaft wurde zum Überwältigungs-Musiktheater.

Große musikalische Qualität

Ruhiger als sonst, aber als emotionaler Perlenfischer dirigierte Currentzis ein exzellentes Sängerensemble und sein MusicAeterna-Orchester und Chor. Dazu sang der WDR-Kinderchor Dortmund, der seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte.

Statt wilden Körperbewegungen setzte Currentzis auf animierende Mimik, zeigte den Solisten, mit welchen Gefühlen sie singen sollten und stachelte immer wieder an. So emotional, zum Mitweinen schön, und in einer so großen musikalischen Qualität wird man diese Oper in der Region so schnell nicht wieder hören können.

Eleganz und Drama

Die Eleganz von Puccinis Partitur stellte Currentzis heraus, und zwischendurch mit schroffen Klängen – vor allem im sehr präsenten Blech – das Drama der tragischen Geschichte. Und mit Garry Agadzhanyan als Vermieter Benoit im Feinripp-Unterhemd hatte die Aufführung auch einen trefflichen Komödianten.

Durch offene Saaltüren ließ Currentzis effektvoll musizieren und Dortmunder Philharmoniker als Spielmannszug im zweiten Bild durchs Parkett laufen. So eine Riesenbesetzung mit mehr als 90 Musikern findet in keinem Orchestergraben Platz. Das Orchester war der zehnte Solist, forderte die Sänger in den aufbrausenden Passagen stimmlich heraus, konnte aber auch so zart und sanft wie mit einer Puderquaste gemalt begleiten.

Festspiele in Baden-Baden

Die Russin Zarina Abaeva war eine großartige Mimi mit einer Stimme wie die Seide, die das Pariser Mädchen bestickt. Davide Giusti war ihr als Rodolfo ein großartiger Geliebter mit starkem, biegsamen Tenor. Und Nadezhda Pavlova war mal endlich eine Musetta mit runder, großer Stimme und nicht mit einer Soubrette besetzt.

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Andeutungen von Kostümen vermittelten das Pariser Bohème-Leben der Künstler. Ein paar Requisiten wie Mimis rosa Häubchen oder der Muff, mit dem sie stirbt, hätten die konzertante Aufführung perfekt gemacht.

15 Minuten Ovationen für eine Sternstunde im Konzerthaus Dortmund. Freitag und Samstag bringt Currentzis diese „Bohème“ szenisch bei den Herbstfestspielen in Baden-Baden auf die Bühne, der künftigen Wirkungsstätte des Dortmunder Konzerthaus-Intendanten Benedikt Stampa.

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