Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

160. Geburtstag

Der einmalige Schatz von Vincent van Gogh

ESSEN Vor genau 160 Jahren wurde Vincent van Gogh geboren. Jeder weiß, dass sich dieser Künstler in geistiger Umnachtung den Teil eines Ohres abschnitt. Nur Kunstfreunde dagegen wissen, dass das Essener Folkwang-Museum einen einmaligen Schatz von vier Gemälden des Künstlers bewahrt.

/
Vincent van Gogh malte das Porträt des Armand Roulin 1888.

Selbst-Porträt von Vincent van Gogh.

In unserer Region sind es die einzigen Van-Gogh-Werke. In ganz Deutschland ist ein ähnlich großer Bestand nur noch in München zu finden. Vier berühmte Gemälde des Künstlers und ebenso viele Zeichnungen hütet Mario-Andreas von Lüttichau, Kurator des Museums Folkwang.Viele Anfragen "Wir bekommen ständig Ausleihanfragen", sagt der promovierte Kunstfachmann. "Es gibt weltweit ein bis zwei Van-Gogh-Ausstellungen pro Jahr." Und die meisten davon möchten die Bilder aus Essen präsentieren: die "Rhonebarken" von 1888, "Die Ernte" von 1889, den "Irrenhausgarten in St. Remy" von 1889 und das vielleicht berühmteste von allen, das "Bildnis des Armand Roulin" von 1888.

Ausleihe muss Sinn machen

"Wir leihen die Bilder nur aus, wenn es kunsthistorisch Sinn macht, wenn uns die Idee der Ausstellung überzeugt", betont von Lüttichau. "Und nicht, wenn ein solches Bild nur die Petersilie auf der Suppe ist." Vom konservatorischen Standpunkt her ist er zwar vorsichtig. Aber er weiß: "Van Gogh war ein solider Künstler. Er hat die Leinwände gut grundiert, durch seinen Bruder Theo hatte er gute Farben zur Verfügung."

Karl-Ernst Osthaus legte den Grundstein Doch wie kam es überhaupt, dass das Folkwang-Museum derart viele, heute unbezahlbare Bilder besitzt? Von Lüttichau weist auf den Gründer des Folkwang-Museums hin: "Karl-Ernst Osthaus hat sich früh dafür interessiert, anders zu sammeln." Der Mäzen, der das Museum Folkwang in Hagen gründete, war außerdem durch den Architekten Henry van de Velde bestens beraten.Frühe Ernte Schon 1902 erwarb Osthaus Van Goghs Gemälde "Die Ernte" - ein typisches Meisterwerk des Holländers mit einem Schnitter im sonnengelben Kornfeld. "Das erste Bild von Van Gogh, das überhaupt für ein deutsches Museum erworben wurde", betont von Lüttichau. Osthaus kaufte es Johanna van Gogh-Bonger ab, Kunsthändlerin und Witwe von Vincents Bruder Theo.Klassische Moderne Und während anderswo in Deutschland noch heftig über Van Gogh gestritten wurde, erwarb Osthaus zum kleinen Preis wahre Inkunablen der Klassischen Moderne: 1902/03 den Armand Roulin, 1905 den Irrenhausgarten. Folkwang-Direktor Ernst Gosebruch war nicht weniger klug und kaufte 1912 die "Rhonebarken" dazu - bevor van Gogh ab 1918 richtig berühmt wurde. Seit über 100 Jahren sind die vier Bilder ununterbrochen im Besitz des Hauses.

Van Gogh verkaufte zu Lebzeiten wenig Bilder Die Frage, warum Vincent van Gogh zu Lebzeiten kaum Bilder verkaufte, wird Mario-Andreas von Lüttichau oft gestellt: "Er war seiner Zeit weit voraus." In Frankreich zum Beispiel hatten die Akademie-Künstler das Sagen, die den Realismus pflegten. Der Kunsthandel, wie wir ihn heute kennen, bildete sich gerade erst heraus.Moderner Maler

Von Lüttichau weist auf das "Bildnis des Armand Roulin" hin, das durch den Kontrast der gelben Jacke und dem grünlichen Hintergrund von großer Könnerschaft zeugt: "Eines der modernsten Bilder, die Van Gogh jemals gemalt hat." 

/
Vincent van Gogh malte das Porträt des Armand Roulin 1888.

Selbst-Porträt von Vincent van Gogh.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Buchkritik

Stina Lund „Preiselbeertage“

Arianes Leben gerät aus den Fugen, als ihr Vater in Schweden stirbt und ihr ein Manuskript hinterlässt. Das es aber gar nicht geben soll – behauptet ihre Mutter.mehr...

Buchkritik

Jürgen Domian: „Dämonen – Hansens Geschichte“

Hansen, der Held in Jürgen Domians Roman „Dämonen“, hat das Leben satt. An seinem 60. Geburtstag, am 21. Dezember, will er in Lappland sein, eine Flasche Whisky trinken, sich nackt ausziehen, in den Schnee legen und durch Erfrieren sterben.mehr...

Lehmbruck-Museum

Rebecca Horn lässt Kunst hämmern

DUISBURG Die Bildhauerin Rebecca Horn ist ein Weltstar, in Duisburg erhält sie nun den Wilhelm-Lehmbruck-Preis als erste Frau. Sie bedankt sich mit einer Ausstellung, in der es aber auch Stille zu entdecken gibt.mehr...

Buchkritik

Michel Bussi: „Fremde Tochter“

Korsika im Sommer 2016 – Clothilde will mit ihrem Mann und ihrer Tochter Ferien auf der Insel machen. Und zugleich mit ihrer Vergangenheit abschließen.mehr...

Buchkritik

Peter Handke: „Die Obstdiebin“

Der Erzähler schlendert eines Sommertages barfuß über die Wiese seines Gartens – und wird von einer Wespe gestochen. In Peter Handkes Erzählung „Die Obstdiebin“ natürlich ein Zeichen, um sich auf den Weg zur titelgebenden Obstdiebin ins Landesinnere, genauer in die französische Picardie zu machen. mehr...