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Ausstellung Haus Opherdicke

Dressler malte das Berliner Leben einfach schön

HOLZWICKEDE Aus der großen Kraft eines Künstlers erwächst oft eine große Schlichtheit. August Wilhelm Dressler hat die „Poesie des Alltags“ in scheinbar einfachen Motiven erfasst – zu sehen auf Haus Opherdicke.

Dressler malte das Berliner Leben einfach schön

Sachlich und trotzdem stimmungsvoll: Den „Hutsalon“ malte August Wilhelm Dressler 1937. Foto Sammlung Karsch/Nierendorf

Die Ausstellungsmacher des Kreises Unna sind zufrieden. Rund 6000 Besucher strömten 2017 in jede ihrer Ausstellungen im historischen Herrenhaus Opherdicke in Holzwickede. Die neue Schau „Die Poesie des Alltags“ mit über 100 Gemälden von August Wilhelm Dressler (1886-1970) und einigen seiner Freunde und Zeitgenossen dürfte da ab Sonntag keinen Unterschied machen. Denn dieser Künstler der „Neuen Sachlichkeit“ hielt die 1920er und 1930er Jahre in Berlin mit Zurückhaltung, aber zugleich mit großem Charme in Bildern fest.

Akte im Kaminzimmer

Das liegt an den Motiven, die sich – sauber nach Themen geordnet – in den Kabinetten entfalten. Das Kaminzimmer ist zum Beispiel den Akten vorbehalten. Das „Römische Modell“ von Dressler mit der entblößten Brust trifft auf eine „Liegende“ von Ernst Fritsch im zu kurzen Hemd. In Schaukästen liegen Zeichnungen Dresslers, die sich den intimen Momenten einer Frau widmen, etwa beim Umkleiden. Alles unaufgeregt und sehr natürlich.

Das Volumen entsteht durch Licht und Schatten

Anders die Gemälde. Hier erreicht der Maler scheinbare Einfachheit durch technische Raffinesse. Auf Hintergründe verzichtete er, die Kleidung vereinfachte er, das Volumen der Körper arbeitete er mit Licht und Schatten virtuos heraus. Liebespaare oder die Mutter-Kind-Bilder sind reduziert auf jene entscheidende Geste, die ihre Zuneigung ausdrückt. So bekommen die Bilder eine zeitlose Modernität. Das ungewöhnlichste Exponat ist ein elegantes Porträt von Dresslers Lehrer Max Liebermann, das mit großem Aufwand von der Ostdeutschen Galerie Regensburg nach Holzwickede geschafft wurde.

Von den Nazis als „entartet“ gebrandmarkt

Rätselhaft bleibt, warum die Nazis den Maler als entartet brandmarkten und seine Karriere nachhaltig zerstörten. Auch die Biografie des Künstlers, der mit der Bildhauerin Käthe Knorr eine Tochter namens Charlotte hatte, ist weitgehend unbekannt. „Da haben wir Pionierarbeit geleistet“, sagte Sigrid Zielke-Hengstenberg, die die Schau gemeinsam mit Arne Reimann kuratiert hat. Im Deutschen Kunstarchiv in Nürnberg entdeckte der Dortmunder Historiker Georg Eggenstein einen freundschaftlichen Briefwechsel zwischen Dressler und Otto Dix.

Schau im April führte zur Wiederentdeckung von Scharl

Bleibt zu hoffen, dass diese Schau in Holzwickede den gleichen Erfolg hat wie die Wiederentdeckung des Malers Josef Scharl im April 2017. Inzwischen plant sogar das renommierte Paula-Modersohn-Becker-Museum in Bremen eine Scharl-Schau.

Haus Opherdicke in Holzwickede: „August Wilhelm Dressler - Die Poesie des Altags “, 3.12.2017 (Eröffnung 11.30 Uhr) -8.4.2018, Di-So 10.30 bis 17.30 Uhr, Eintritt 4 (erm. 3) Euro.

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