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Gurlitt-Sammlung

Es liegen dunkle Schatten über der Kunst

Bonn Geheimnisse umwittern die Sammlung Gurlitt. Nun wird der „Schwabinger Kunstfund“ in Bonn und Bern gezeigt. Ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte – und viele Fragen bleiben offen.

Es liegen dunkle Schatten über der Kunst

Auch die Zeichnung „Paar in Landschaft“ aus dem Jahr 1921 von Conrad Felixmüller (1897–1977) gehört zum Nachlass von Cornelius Gurlitt. Die Provenienz (Herkunft) wird noch abgeklärt. Foto Vincenz/Bundeskunsthalle

Es ist wie ein Gang durch die Kunstgeschichte der vergangenen 500 Jahre. Hier ein Cranach, dort Albrecht Dürer, Carl Spitzweg, ein Meeres-Gemälde von Édouard Manet, Claude Monets „Waterloo Bridge“, Zeichnungen von Adolph von Menzel, Edvard Munch, Edgar Degas, Eugène Delacroix.

Und dann die Expressionisten wie Otto Dix oder Karl Schmidt-Rottluff. Tausende Bilder gingen durch die Hände von Hildebrand Gurlitt (1895-1956), der einer der wichtigsten Kunsthändler Adolf Hitlers war.

Ein Teil der beschlagnahmten Sammlung wird gezeigt

Erstmals wird ein Ausschnitt der Sammlung Gurlitts, die 2012 unter zweifelhaften rechtlichen Umständen bei dessen Sohn Cornelius Gurlitt (1932-2014) beschlagnahmt worden war, nun der Öffentlichkeit präsentiert.

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Nach Eröffnung des ersten Teils in Bern mit von den Nazis als „entartet“ verfemter Kunst sind nun rund 250 Werke in der Bonner Bundeskunsthalle zu sehen. Der Bonner Teil ist umstrittener: Die Bonner Ausstellung spürt der Verbindung Hildebrand Gurlitts zum Kunstraub der Nationalsozialisten nach.

Ausstellung ist eine der spektakulärsten der letzten Jahre

Die Doppelausstellung „Bestandsaufnahme Gurlitt“ in Bern und Bonn ist eine der spektakulärsten der letzten Jahre. Es geht dabei aber nicht um ihren finanziellen Wert – die meisten Werke sind ohnehin Papierarbeiten.

Vielmehr will diese weltweit auf immenses Interesse stoßende Schau versuchen, Licht in ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte zu bringen. Für Kulturstaatsministerin Monika Grütters sind beide Ausstellungen „ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“.

Musikverleger Hinrichsen wurde in Auschwitz ermordet

Etwa die Zeichnung „Das Klavierspiel“ von Carl Spitzweg: Sie stammte aus der Sammlung des Leipziger Musikverlegers Henri Hinrichsen. Gurlitt hatte sie Anfang 1940 für 300 Reichsmark von Hinrichsen gekauft, bevor dieser nach Brüssel flüchtete und später im NS-Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurde.

Die Familie Hinrichsen fragte nach dem Krieg nach dem Verbleib. Gurlitt antwortete per Brief, das Bild sei verbrannt. Es war eine Lüge. 2012 tauchte der Spitzweg im „Schwabinger Kunstfund“ auf. Das alles wird mit Dokumenten aus dem ebenfalls bei Cornelius Gurlitt gefundenen Archiv des Vaters dokumentiert.

Spitzweg-Bild ist als NS-Raubkunst identifiziert worden

Das Spitzweg-Bild ist eines von sechs Werken, die bisher als NS-Raubkunst identifiziert wurden. Doch erst gut 40 Prozent der insgesamt rund 1500 Werke des Bestandes sind bislang auf ihre Provenienz untersucht worden. „Die Herkunft von mehr als 50 Prozent der Werke ist noch nicht geklärt“, sagt die Kuratorin Agnieszka Lulinska.

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Das bedeutet allerdings nicht, dass das alles Raubkunst ist. Unter jedem Bild steht eine Provenienz-Legende, und sehr oft ist der Satz zu lesen: „Aktuell kein Raubkunstverdacht.“ Die Arbeit der Provenienzforscher stößt an Grenzen. „Jedes Werk, das geklärt wird, ist ein großer Gewinn, jedes Werk, das nicht geklärt werden kann, ist ein Schatten der Vergangenheit“, sagt Lulinska.

Gurlitt, der selbst eine jüdische Großmutter hatte und seine Museumsposten unter den Nazis verlor, verkaufte nicht nur ganz legal die in den Museen beschlagnahmte sogenannte „entartete Kunst“, sondern er wurde auch Einkäufer für Hitlers in Linz geplantes „Führermuseum“. „Wir versuchen, nicht zu bewerten, aber es ist klar: Gurlitt hat die Möglichkeiten genutzt und davon profitiert“, sagt Lulinska. „Da flossen richtig hohe Summen.“

Der Blick geht immer in das Kleingedruckte

So kommt es, dass man in der Bonner Ausstellung die teils wunderbaren Bilder nicht als große Kunst auf sich wirken lassen kann und soll. Der Blick geht immer in das Kleingedruckte: Woher kam der Tiepolo? Wann kaufte Gurlitt den Manet?

Mit der Doppelschau, die auch im Berliner Gropiusbau gezeigt werden soll, verbinden die Forscher die Hoffnung auf Klärung weiterer Fälle. „Die Vorstellung, dass bestimmte Dinge sich nicht klären lassen, ist schwer auszuhalten“, sagt Lulinska. „Aber Fragen werden auch hier bleiben. Damit muss man sich abfinden.“

Wer sich weiter informieren möchte: Das Projekt „Provenienzrecherche Gurlitt“ des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste dokumentiert seine Arbeit im Internet. Außerdem gibt es eine offizielle deutsche Datenbank zur Dokumentation von Raub- und Beute kunst unter dem Titel Lost Art. .www.kulturgutverluste.de
wwww.lostart.de

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