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Buchkritik

Juli Zeh: „Leere Herzen“

Mit ihrem Bestseller „Unterleuten“ zeichnete Juli Zeh ein Gesellschaftsporträt unserer Zeit. In ihrem neuen Roman „Leere Herzen“ entwirft sie eine Dystopie. Und wieder geht es um gesellschaftliches Engagement abseits von Eigeninteressen.

Juli Zeh: „Leere Herzen“

Diesmal ist ihr Personal reduzierter, und die düstere Geschichte spielt in naher Zukunft, im Jahr 2025. Die Demokratie ist in Gefahr, doch ihre pragmatischen Protagonisten mit den titelgebenden leeren Herzen stört das anscheinend nicht.

Die rechtsnationale BBB (Bewegung besorgter Bürger) ist an der Macht und dabei, nach und nach die Demokratie abzuschaffen. Aber für Politik interessieren sich die Menschen nicht mehr, nur noch für ihr privates Glück.

Terrorbranche
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei „Einkindeltern“. Britta ist – im Gegensatz zu ihrem Ehemann – erfolgreiche Unternehmerin in der Terrorbranche. Sie ermittelt Selbstmordkandidaten und vermittelt sie an Organisationen für Terroranschläge weiter. Zum Beispiel an Green Power (wer hier an Greenpeace denkt, liegt richtig) oder an Da-Esh, Daesh ist die hierzulande eher ungebräuchliche Bezeichnung für den sogenannten Islamischen Staat.

Ihre Freundin wiederum ist ganz altmodisch, das zeigt sich in der Schulwahl für das Kind und auch in dem Wunsch, ein Häuschen auf dem Land zu kaufen. Allerdings braucht sie dazu Brittas finanzielle Unterstützung, denn sie und ihr Mann leben vor allem vom bedingungslosen Grundeinkommen. Brittas Geschäft floriert, doch dann gibt es einen Anschlag auf den Leipziger Flughafen, mit dem ihre Firma nichts zu tun hat. Sie wittert Konkurrenz...

Das finstere Szenario, das Juli Zeh ersonnen hat, spiegelt aus der Zukunftsperspektive auch unsere Gegenwart wider. Und ihre Botschaft ist eindeutig: Es lohnt sich, für die Demokratie zu kämpfen!

Juli Zeh: Leere Herzen, 345 S., Luchterhand, 20 Euro, ISBN 978-3-6308-7523-1.

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