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Schauspiel Bochum

Mechthild Großmann brilliert im "Besuch der alten Dame"

BOCHUM Rache, Macht und die Korrumpierbarkeit des Menschen – Dürrenmatts Themen in „Der Besuch der alten Dame“ sind zeitlos. Anselm Weber hat in dessen Werk denn auch eher ein antikes Drama als einen Komödienstoff gesehen. Eine neue Sichtweise auf den berühmten Bühnenklassiker lieferte seine Inszenierung am Schauspielhaus Bochum nicht.

Mechthild Großmann brilliert im "Besuch der alten Dame"

Mechthild Großmann verfolgt als Milliardärin Claire Zachanassian fast heiter ihre Rachepläne.

Hervorragend gelungen ist das Bühnenbild, das Alex Harb lediglich aus schwarzen, schäbigen Brettern gebaut hat. Es erinnert an eine antike Arena.

Hier bläst Claire Zachanassian zur Jagd auf den früheren Geliebten Alfred Ill, den sie in ihrer Jugend einen schwarzen Panther nannte. Und der sie verriet. Eine Milliarde für die Stadt und ihre Bewohner gegen sein Leben – ihr Angebot ist so unmoralisch wie unwiderstehlich.  

Großmann ist großartig  

Mechthild Großmann hat als Milliardärin ihren großen Auftritt, wenn sie auf einer Sänfte auf die Bühne getragen wird. Mit rauer, tiefer Stimme und wilder Lockenmähne ist sie die perfekte Besetzung für die Frau, die als Klara aus der Stadt gejagt wurde und als Claire zurückkehrt.

Fast heiter verfolgt sie ihre Rachepläne. Und doch zeigt sich in ihrem Gesicht die Verbitterung über das erlittene Unrecht und auch eine große Verletztheit. Sie wird ihre Rache bekommen, aber Gewinnerin ist sie nicht.  

Jagdthema als roter Faden

Das Jagdthema zieht sich durch den Abend. Boby (Daniel Stock), Claires Mann für alles, bläst die verschiedenen Signale von der Begrüßung der Jäger bis zum finalen „Die Sau ist tot“. Da hat Ill sich mit seinem Schicksal schon abgefunden.

Matthias Redlhammer zeigt den Wandel eines Mannes, der sich anfangs seines Charmes sehr sicher ist und langsam Angst bekommt, als er erleben muss, dass sich alle, auch die eigene Familie, vom greifbar nahen Reichtum einwickeln lassen.  

Leicht modernisiert

Aus der Menge der Stadtbewohner ragt Roland Riebeling heraus, der als Lehrer die humanistischen Werte hochhält und doch weiß, dass er sie verraten wird. Marco Massafra ist der kühle, smarte Bürgermeister, der alles tut, um den Reichtum in seine Stadt zu holen. Anselm Weber hat das Stück nur leicht modernisiert. Obwohl er den Text auf 100 Minuten gekürzt hat, fehlt Schwung. Immer wieder stehen die Stadtbewohner statisch im Halbrund über der Arena. Und auch der wiederholte Chorgesang, mit dem die Bürger sich ein friedliches Mäntelchen umhängen, hemmt den Spielfluss. Etwas mehr Komödie hätte der Inszenierung gut getan.

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