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Theater Oberhausen

Mitleid für die arme Antigone

OBERHAUSEN Babett Grube und Lucie Ortmann interessieren sich am Theater Oberhausen nicht wirklich für die Tragödie des Sophokles, sondern nur für dessen Titelheldin.

Mitleid für die arme Antigone

Antigone (Christian Bayer) in der Inszenierung am Theater Oberhausen

Was treibt sie an, diese Antigone, die den aufständischen Bruder bestattet, obwohl sie damit ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt? Für Babett Grube, die neue Hausregisseurin am Theater Oberhausen, und Dramaturgin Lucie Ortmann, die die Tragödie „nach Sophokles“ am Freitag herausbrachten, handelt sie in erster Linie als Privatperson, als Familienmensch.

Politische Beweggründe, die Antigone – wie bei ihnen am Ende König Kreon – zur „Urmutter der Zivilcourage“ hochstilisieren, seien ihr nur angedichtet. Zwar stimmen auch Grube und Ortmann ein Loblied auf Loyalität und Widerstand an, wozu sie plakativ Videobilder von den Unruhen 2013 auf dem Istanbuler Taksim-Platz zeigen und das Publikum aufstehen und sich solidarisch an den Händen fassen lassen.

Privates Leid

Ins Zentrum der Inszenierung aber rückt das private Leid „des“ Titelhelden, denn infolge eines fast für alle Figuren konsequent durchgehaltenen Geschlechtertauschs wird Antigone von einem Mann gespielt. Christian Bayer mit langem blondem Haar, eingeführt als hektischer Laptop-User mit dem Willen zur Vernetzung, findet stammelnd in die alte Zeit zurück.

Dort will er erst mal essen und Sirtaki tanzen – eine überflüssig lange Sequenz. Flehentlich bettelt er im Publikum um Mitstreiter für das Begräbnis des Bruders, zu dem er in einem langen Trauerzug aufbricht.

Familienaufstellung

Spätestens, als Schauspielerin Susanne Burkhard mit einem „Hallo“ und gespielter Betroffenheit die Bühne stürmt, steigt die Inszenierung vollständig aus dem Sophokles-Stück aus. Um Antigone zu helfen, leitet sie eine Familienaufstellung an, bei der die Arme mit den toten Eltern Iokaste und Ödipus sowie Schwester Ismene konfrontiert wird. Leider bringt auch das keinen wirklichen Erkenntnisgewinn.


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