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Neu im Kino

"Mother!" jagt Kinogänger durch emotionale Hölle

DORTMUND Filme von Darren Aronofsky gehen oft an die Schmerzgrenze und darüber hinaus. So das Drogendrama „Requiem For A Dream“ und der Ballett-Psychothriller „Black Swan“. Die sind aber zahm im Vergleich zu „Mother!“, einem Aronofsky-Werk, das radikal verstört und provoziert.

"Mother!" jagt Kinogänger durch emotionale Hölle

Zwischen Panik und Entgeisterung: Jennifer Lawrence spielt eine Mutter, deren Heim bald in Trümmern liegt.

Jennifer Lawrence (Mutter) und Javier Bardem (Er) spielen ein Paar in einem abgelegenen Herrenhaus. Der Dichter kämpft mit einer Schreibblockade, die Frau renoviert das Familiennest. Ein ungebetener Besucher (Ed Harris) schneit herein, später seine Frau (sehr gut: Michelle Pfeiffer mit Zügen einer Hexe).

„Mutter“ (die noch keine Mutter ist) reagiert unwirsch auf die Eindringlinge und deren Dreistigkeiten. Der Autor jedoch blüht auf durch die Fremden, er sagt, sie würden ihn inspirieren. Einen Todesfall und eine Schwangerschaft später hat der Dichter ein neues Buch fertig. Bewunderer rennen ihm die Bude ein.

Buhrufe für "Mother!" in Venedig

In einem Rausch aus Hysterie und Raserei demolieren die Jünger das Haus des verehrten „Messias“ – es kommt zu einem Akt schockierender Barbarei, als sie das Kind ihres Meisters zu Gesicht bekommen.

Bei den Filmfestspielen von Venedig gab es Buhrufe nach der Vorstellung. Was nicht überrascht, weil der Film es darauf anlegt, das Publikum durch eine emotionale Hölle zu jagen, ohne sich um Logik, Realität, Wahrscheinlichkeit zu scheren. Man kann Aronofsky wahlweise eine Riesen-Chuzpe bescheinigen oder sich fragen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat.

Definitiv macht er es dem Kinogänger nicht leicht mit diesem schwer verdaulichen Psychothriller, der sich im Fundus des Horrorfilms bedient, um dann ins Metaphysische und Metaphorische zu kippen. Wobei der Stoff für viele Deutungen offen ist: Eine Allegorie über das männliche und das weibliche Prinzip?

Thriller ist ein Schlechtfühl-Film

Eine Parabel über Kreativität und Schöpfertum, die aus Tod und Zerstörung Honig saugen? Oder nur ein Schauermärchen mit plump aufgetragener pseudo-philosophischer Tünche? In seiner Grusel-Ouvertüre mit Anleihen beim Spukhaus-Motiv und „Rosemaries Baby“ baut der Film einiges an Spannung auf.

Atmet das Haus? Ist das ein Herz dort im Klosett? Sind etwa Satanisten zu Besuch? Die finale Gewaltorgie wirft schließlich alles über Bord, was nach Genre riecht. Dafür definiert Aronofsky ein neues Genre – den auf Skandal getrimmten, mächtig selbstergriffenen Schlechtfühl-Film. Unser Fazit: ärgerlich.

 

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