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Neue Dauerausstellung

Museumsteam reißt im Dortmunder U-Turm die Wände ein

DORTMUND Zu kleine Räume, vieles nicht mehr aktuell: Gegen das Museum Ostwall im Dortmunder U-Turm gab es Vorbehalte. Jetzt hat ein neues Team umgeräumt.

Museumsteam reißt im Dortmunder U-Turm die Wände ein

Fransje Killaars aus Holland hat den Eingang des U-Turms mit ihrer Textilinstallation „Farbenfest“ völlig verwandelt. Foto: Abegg Foto: Foto: Tilman Abegg

Der Effekt ist verblüffend, durchschlagend und ziemlich berauschend. So modern wirkte das Museum Ostwall im Dortmunder U seit der Eröffnung im Jahr 2010 nicht mehr. An der problematischen Lage der Sammlung in der 4. und 5. Etage des einstigen Brauereiturmes konnten Kuratorin Nicole Grothe und ihr Team zwar nichts ändern. Alles andere haben sie unter der Leitung des neuen U-Turm-Intendanten und Museumschefs Edwin Jacobs angepackt. „Wir sind einer der wichtigsten kulturellen Spieler in Dortmund, im Ruhrgebiet und in NRW“, sagte Jacobs am Freitag und wies auf den herrlichen Kunstbesitz des Hauses hin.

Eingang zur Mitte verlegt

Den Eingang dazu haben die Museumsleute vom hinteren Bereich in die Mitte der 5. Etage verlegt, damit die Besucher den Zugang auf allen Etagen an der gleichen Stelle finden. Betritt man die Sammlung, fällt überall auf dem Boden Klebeband mit der Schrift „in progress“ (in Bearbeitung) ins Auge. Dieses Band beweist, wie viele Wände das Team eingerissen hat. Die Markierungen werden erst verschwinden, wenn 2018 ein Designer noch einmal alles überarbeitet hat. Aber die Räume sind schon jetzt luftiger, offener und schöner. Es gibt neue Bilderklärungen und alle Infos auch in englischer Sprache.

Max Beckmann trifft auf Dieter Roth

„Fast wie im echten Leben“ heißt die neue Dauerausstellung, bei der Kuratorin Grothe Kunstwerke aller Epochen munter gemischt und in vier Kapiteln neu geordnet hat. Spannend, wie im Bereich „Du und ich“ Max Beckmanns berühmtes „Selbstbildnis mit Zigarette“ (1947) zwanglos auf den „Löwenselbst-Turm“ (2008) aus Schokolade von Dieter Roth trifft – ein Aktionskünstler, der sich selbst gern mal als Löwe sah.

Museumsteam reißt im Dortmunder U-Turm die Wände ein

Der „Quintenzirkel“ von Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt ist vom Eingang des Dortmunder U-Turms ins Museum umegzogen. Nimmt man auf dem grünen Rondell Platz, ertönen Klänge. Foto: Abegg Foto: Foto: Tilman Abegg

„Was hat Kunst mit unserem Alltag zu tun?“, fragte Grothe. Ein Beispiel dafür ist der Bereich „Ausflug ins Grüne“, wo August Mackes Zoo-Triptychon (hat jetzt mehr Platz!) gegenüber einem Foto hängt, auf dem der Phoenix-See noch Baustelle ist. Interessant ist auch der Bereich „Freund und Feind“. Hier finden sich jene „Sonnenblumen mit welker Kresse“, die die Nazis dem Museum entrissen haben und die Freunde des Museums 2015 zurückkaufen konnten.

Fluxus-Schwerpunkt ist geschrumpft

In der 4. Etage ist der Fluxus-Schwerpunkt geschrumpft und hat überraschende Nachbarn bekommen. So hockt Ernst Barlachs „Singender Mann“ neben der beständig drippelnden „Tropfenstudie“ des Künstlers Albert Mayr. An neun Aktionspunkten darf der Besucher selber zeichnen.

Gesamter U-Turm steckt in der Transformation

Auch der Rest des U-Turms transformiert sich. Endlich schlüpft dieses (zugegeben ziemlich große) Küken aus dem Ei. Edwin Jacobs hat die niederländische Künstlerin Fransje Killaars gebeten, für das Erdgeschoss, den „Lautsprecher“ und die Mediathek Textil-Installationen zu schaffen. Mit indischen Druckplatten sowie prächtigen Stoffen aus Italien und Frankreich schuf die Holländerin Wandverkleidungen, die dem kühlen Gebäude unter dem Titel „Farbenfest“ plötzlich eine warme, fröhliche, sympathische Atmosphäre geben. Außerdem wuchern überall – sogar auf den Toiletten – Kunstwerke von Jáchym Fleig wie Pilze aus den Wänden. Sehenswert!

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