Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

Neu im Kino

Nicht er, sie hat hier die Hosen an

„Lady Macbeth“ ist ein meisterliches Kinodrama mit listigem Frauenzimmer.

Nicht er, sie hat hier die Hosen an

Florence Pugh spielt die Frau, die nicht daran denkt, bloß herumzusitzen wie ein Möbelstück. Foto: Koch Films Foto: picture alliance / -/Koch Films/

Katherine (Florence Pugh) hat geheiratet. Wurde geheiratet, muss man sagen. Sie soll dem Sohn eines Minenbesitzers den Erben gebären, bläut der Schwiegervater ihr ein. Katherines Mann (Paul Hilton) aber rührt sie nicht an, lieber demütigt und schikaniert er sie mit Grausamkeit und Kälte. Armes Mädchen, schutzlos, allein und ausgeliefert. William Oldroyds „Lady Macbeth“ hat die Zutaten für eine Passionsgeschichte gequälter Weiblichkeit, doch es kommt anders.

Die Geschichte spielt im England des 19. Jahrhunderts, irgendwo im rauen Hochland. Es könnte ein Setting für einen Film nach Jane Austen sein, aber Katherine ist aus anderem Holz als Austens schöngeistige Sensibelchen – sie entpuppt sich als durchtriebenes Biest.

Russische Novelle
Oldroyd und seine Autorin Alice Birch haben eine russische Novelle von 1865 adaptiert, die sich ihr Menschenbild von Shakespeare borgt, nämlich die schwarzen Seelen aus „Macbeth“. Die schwärzeste gehört Katherine, die über Leichen geht und alle aus dem Weg räumt, die ihr gefährlich werden. Das ist mal eine (Anti-) Heldin: ein amoralisches Frauenzimmer, eine Figur wie aus japanischen Rachefilmen („Lady Snowblood“), ohne Schwert, aber bewaffnet mit skrupelloser Entschlossenheit.

Katherines Mann, der Kotzbrocken, verlässt für Wochen das Haus. Sie holt sich den Stallburschen (Cosmo Jarvis) ins Bett und kämpft bis aufs Blut für ihren Liebhaber. Shakespeare, „Lady Chatterley“ und das Räderwerk griechischer Tragödien finden ein Echo in diesem meisterlichen Psychodrama, das enorme Spannung aufbaut.

Riot Girl von 1850
Die Bilder sind komponierte Tableaus von einer Strenge, die auch den Sittenkodex von damals spiegelt. Die von Florence Pugh großartig gespielte Katherine pfeift auf Moral und Anstand: ein listiges „Riot Girl“ von 1850, schlauer als die Kerle, die ihr auf der Nase herumtanzen wollen.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Buchkritik

Christian Pokerbeats Huber: „7 Kilo in 3 Tagen“

Wer kennt das nicht? Zu Weihnachten fährt man nach Hause und kehrt dann mit ein paar Kilo mehr auf den Rippen dank Braten, Stollen, Plätzchen, Torten wieder heim. mehr...

Buchkritik

Monika Maifeld: „Morgen ist es Liebe“

Drei Tage vor Weihnachten verunglückt die junge Ärztin Alexandra in den Weinbergen an der Mosel. Kurz bevor ihr Auto in Flammen aufgeht, zieht ein Mann sie aus dem Wrack. mehr...

Buchkritik

Irene Dische: „Schwarz und Weiß“

„Schwarz und Weiß“ heißt der große neue Roman der deutsch-amerikanischen Schriftstellerin Irene Dische. Darin geht es um Rassenkonflikte – auch.mehr...

Buchkritik

Annette Pehnt: „Lexikon der Liebe“

Nach dem „Lexikon der Angst“, das 2013 erschien, hat Annette Pehnt nun das „Lexikon der Liebe“ verfasst. Darin spielt die in Köln lebende Autorin alle Facetten der Liebe in Mini-Geschichten durch, erzählt von Glück und Schmerz, Hingabe und Verzweiflung.mehr...

Buchkritik

Thomas Elbel: „Der Todesmeister“

Es ist schon ein ungewöhnliches Trio, das da gemeinsam in einem brutalen Mordfall in der Bundeshauptstadt ermitteln soll. Der Halb-Asiate Ken, die türkischstämmige Begüm und der geheimnisvolle Viktor müssen sich zusammenraufen.mehr...