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Dortmunder Philharmoniker

Orchester wurde zur Kraftmaschine

Dortmund Die Dortmunder Philharmoniker spielten ihr zweites Philharmonisches Konzert am Dienstag live im Radio. Und auf der Bühne stand auch ein verstimmtes Klavier.

Orchester wurde zur Kraftmaschine

Der Dortmunder Generalmusikdirektor Gabriel Feltz dirigierte das vorletzte Philharmonische Konzert in diesem Jahr. Foto: Menne Foto: Dieter Menne Dortmund

Der russische Pianist Nikolai Tokarev ist in Dortmund zurzeit ganz schön gefordert: Der 34-Jährige spielt mit dem Dortmunder Ballett Rachmaninows drittes Klavierkonzert; am Dienstag war er mit den Dortmunder Philharmonikern im Konzerthaus live auf WDR3 (noch 30 Tage in der Mediathek verfügbar) und auf Deutschlandfunk als Solist in Liszts „Totentanz“ zu hören.

Ein glänzender Virtuose

Tokarev ist ein glänzender Virtuose. Mit einer fabelhaften Technik jagte er durch die teuflisch schweren Läufe, und obwohl perkussive Wildheit diese Bravourviertelstunde am Klavier dominiert, stellte der Russe sehr schön das morbide Glitzernde und Musikalische dieser „Dies irae“-Paraphrasen heraus. Mit Bachs h-Moll-Prelude in der Bearbeitung von Liszts Schüler Alexander Siloti hatte er eine kluge Zugabe gewählt.

Ein Herzenswunsch von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz am Pult war die Aufführung von Thomas Adès‘ Orchesterwerk „Asyla“. Klar ist das ein farbiges Werk – allein schon durch die Besetzung mit Kuhglocken, verstimmtem Klavier, Bassoboe, Kontrabassklarinette und Kontrabassfagott. Und interessant war das halbstündige, von 93 Philharmonikern aufmerksam und sorgfältig gespielte Werk auch. Aber Melodien eingeprägt haben wird sich das Publikum nicht. In Mahler-Tradition hat Adès komponiert. Im dritten Satz überrascht er mit einem originellen „Ectasio“, Techno-Klängen, bei denen das Orchester zur Kraftmaschine wurde. Ob das im Radio ankam?

Wagner ist Muttermilch für die Dortmunder Philharmoniker

Mehr nach dem Geschmack des Publikums war der Rahmen des Konzerts, die „Tannhäuser“-Ouvertüre sowie Vorspiel und Liebestraum aus dem „Tristan“ von Liszts Schwiegersohn Wagner (nicht Schwiegervater, wie im Programmheft stand). Wagner ist Muttermilch für die Dortmunder Philharmoniker, die in seinen Werken einen wunderbaren runden, satten Klang haben. Feltz strukturierte die „Tannhäuser“-Ouvertüre ganz fantastisch, und stellte in den „Tristan“-Szenen leise Zauberklänge in den Saal, zu denen Emily Newton den Liebestod zwar mit viel Vibrato, aber berührend innig singen konnte.

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