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"Zeit-Räume Ruhr"

Riesige Mitmach-Aktion zum Thema Ruhrgebiet gestartet

ESSEN Die "Zeit-Räume Ruhr" gehen an den Start. So heißt eine riesige Mitmach-Aktion zum Thema Ruhrgebiet. Alle Bürger des Reviers sind aufgerufen, ihre persönlichen Erinnerungsorte zu beschreiben und Fotos im Internet hochzuladen. Die Aktion läuft ein Jahr lang. Danach sind ein Kongress und ein Buch zu den Ergebnissen geplant.

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Dieses Plakat wird überall im Ruhrgebiet für die Aktion werben.

Theo Grütter (v.l.) Dieter Nellen, Karola Geiß-Netthöfel und Stefan Berger stellten das Projekt am Mittwoch auf dem Welterbe Zollverein vor.

Veranstalter der Aktion sind der Regionalverband Ruhr (RVR), das Ruhr Museum in Essen und das Institut für soziale Bewegungen (ISB) in Bochum. Damit die "Zeit-Räume Ruhr" funktionieren, wird werbetechnisch geklotzt und nicht gekleckert. Ab Mittwoch, 18. Januar 2017, weisen 1000 Plakate auf die Aktion hin, zudem werden 100000 Flyer versendet. Die Internet-Seite ist ebenfalls seit Mittwoch freigeschaltet, hinzu kommen Seiten bei Facebook, Twitter und Instagram. Alles ist per Laptop oder Smartphone einfach anzusteuern.

Aber wozu? Die "Zeit-Räume Ruhr" erfragen Geschichte und Geschichten von unten. Die Bewohner des Ruhrgebiets beschreiben das Schicksal des Reviers selbst, indem sie die Frage beantworten: Was sind unsere Erinnerungsorte? "Wir wollen das nicht einengen auf physische Orte", sagte gestern RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel. Erwünscht sind auch Erfahrungen aus sechs Bereichen: Landschaft und Stadt, Menschen und Typen, Industrie und Arbeit, Kultur und Freizeit sowie Krisen und Konflikte.

Nichts wird geschönt

"Das wird keine geschönte Ruhrgebietsgeschichte", betonte Theo Grütter, Direktor des Ruhr Museums. Es soll um bittere Arbeitskämpfe wie in Rheinhausen oder die Erlebnisse im Bombenkrieg gehen. Aber auch um Themen wie legendäre Kneipen, den Fußball, die Currywurst, Einkaufen bei Aldi... Grütter wies darauf hin, wie sehr sich die Erinnerungsorte wandeln: "Ein Treffpunkt meiner Generation ist das Bermuda-Dreieck, für meine Patenkinder ist es eher die Oase im CentrO."

300000 Euro kostet die pfiffige Aktion. 120000 Euro trägt der RVR, 90000 gibt das Kulturministerium NRW dazu, je 45000 Euro übernehmen das Ruhr Museum und das Bochumer Institut für soziale Bewegungen. Das Konzept der Erinnerungsorte stamme aus Frankreich, erläuterte gestern dessen Direktor Stefan Berger. Pierre Nora erforschte 1978 als erster das "kollektive Gedächtnis" der Menschen.

Beiträge werden zuerst gesichtet

Bergers Team wird die hochgeladenen Texte und Fotos sichten. Erst danach werden die Beiträge ins Netz gestellt. Die Fachleute helfen auch, wenn Teilnehmer Fotos nur auf Papier haben. Bis zum 31. Dezember 2017 soll eine Rangfolge der meistgenannten Erinnerungsorte entstehen. Die fünf ersten werden es in das geplante Buch schaffen, das Ende 2018 erscheinen soll.

Dass die Zeit-Räume Ruhr wohl funktionieren werden, bewies am Mittwoch gleich die erste Mitwirkende Doris. Sie erzählte im Netz, dass der Schnee rund um die Kokerei Prosper in Bottrop früher nicht weiß war, sondern immer schmutzig.

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Dieses Plakat wird überall im Ruhrgebiet für die Aktion werben.

Theo Grütter (v.l.) Dieter Nellen, Karola Geiß-Netthöfel und Stefan Berger stellten das Projekt am Mittwoch auf dem Welterbe Zollverein vor.

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