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Theater Dortmund

Tanzfest ist ein Traum

DORTMUND Vor 14 Jahren kam Xin Peng Wang als Ballettchef nach Dortmund. Jetzt krönt er diese Ära mit einem einzigartigen, sehr persönlichen Tanzabend.

Tanzfest ist ein Traum

Lucia Lacarra und Marlon Dino im Tschaikowsky-Teil Foto: Stöß Foto: Bettina Stoess

Der Kontrast zwischen den beiden Teilen von Xin Peng Wangs neuem Ballettabend in Dortmund könnte kaum größer sein: Zu Rachmaninows drittem Klavierkonzert erobern in Yves-Klein-blauen Spiderman-Trikots gehüllte Wesen den Raum. Nach der Pause, zu Tschaikowskys „Pathétique“, folgt der klassische Spitzentanzteil – ein Ballettfest, das man in dieser Perfektion nur an allerersten Häusern zu sehen bekommt.

Ästhetisch vollendet

Das Premierenpublikum sah am Samstag im Dortmunder Opernhaus ein Ballett-Wunder, einen traumhaft schönen Abend und etwas ganz Neues. Ein Klavierkonzert als Ballettmusik, und ausgerechnet das so vertrackte dritte von Rachmaninow, live gespielt neben den Tänzern ist etwas Neues. Der russische Pianist Nikolai Tokarev meisterte das trotz der großen Entfernung (zehn Meter!) zu Dirigent Gabriel Feltz im Graben grandios und nahezu perfekt im Zusammenspiel mit den Dortmunder Philharmonikern.

18 Tänzer rutschen und klettern über eine goldene Rampe auf die leere Bühne, setzen das, was Pianist und Orchester ihnen an Rhythmen vorgeben, in Soli, Pas-de-deux und Pas-de-trois, in gymnastischen, sehr geschmeidigen Bewegungen und originellen Posen und Hebefiguren um. Im Finale, wenn die Musik impulsiver wird, werden die blauen Wesen zu einer Tanz-Armee, die kraftvoll den Raum erobert. Dieser erste Teil des Abends, der Tanzgeschichte schreiben wird, lässt staunen und ist große Ballettkunst in ästhetischer Vollendung.

Tschaikowskys Leben

Der zweite Teil ist ein Traum auf Spitzenschuhen, der das Publikum in einen Gefühlskessel schubst, aus dem man nie wieder aussteigen möchte. Wang erzählt zur „Pathétique“ das Leben von Tschaikowsky – nach jenem Programm, das dem Komponist, der neun Tage nach der Uraufführung des Werks gestorben ist, vorschwebte, das er aber nie veröffentlicht hat.

Den einsamen Komponisten, den Zwangsverheirateten, der mit einer Frau kurz glücklich werden durfte, den sehnsuchtsvollen Gefühlsmenschen und den homosexuellen Mann, der seine Gefühle im Russland des 19. Jahrhunderts nicht ausleben durfte, zeigt Wang. Und am Schluss den Tschaikowsky, der unter Last eines großen Steins, der von der Bühnendecke schwebt, stirbt.

Eleganz der Weltstars

Startänzer Marlon Dino ist dieser Tschaikowsky, Lucia Lacarra seine Gefährtin. Für so einen leichtfüßigen, eleganten, ausdrucksstarken Tanz, wie ihn das Spitzenpaar in drei großen Pas-de-deux zeigt, fahren die Ballettfreunde sonst nach London, Moskau oder St. Petersburg. Das ist einfach fantastisch. Ebenso das Dortmunder Ballett und das NRW-Juniorballett, das im dritten Satz mit 24 Tänzern in feuerroten Kostümen rasante Lebenslust versprüht.

Dieser traumhafte Abend macht einfach nur glücklich.

Termine: 24.11., 3.12., 17./ 27.1., 23.2., 4./24.3.; Karten: Tel. (0231) 5027222.

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