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Museum Folkwang Essen

Wer war die Malerin Maria Lassnig – und wie viele?

ESSEN Alt werden ist nichts für Feiglinge. Bei Maria Lassnig kommt erschwerend hinzu, dass sie sich immer wieder dabei gemalt hat. So sehen wir den körperlichen Zerfall einer Frau, bis sie im Alter von 86 Jahren im Krankenbett liegt. Im Ölgemälde "Krankenhaus" von 2005 ist ihr Körper nur noch eine Ruine. Das dreifache Gesicht verzieht sich zu einer Fratze des Schmerzes, als hatte Edvard Munch hier den Pinsel geführt.So bestürzend und bewegend sind fast alle 41 Bilder und fünf Filme der österreichischen Malerin, die das Folkwang-Museum Essen als Übernahme aus der Tate Liverpool zeigt.

Wer war die Malerin Maria Lassnig  – und wie viele?

Im Gemälde „Krankenhaus“ hat sich Maria Lassnig gleich dreifach dargestellt.

Die 1919 in Kärnten geborene Volksschullehrerin Lassnig war erst mit über 60 Jahren richtig bekannt geworden, erhielt viele Preise und zeigte ihr Werk bei der documenta. Das MoMa in New York stellte sie in seinem Ableger PS1 aus - und doch ist Lassnig nicht so berühmt, wie sie es verdient hätte.

"Das ist eine Künstlerin, deren Bedeutung noch nicht abzusehen ist", sagt Peter Pakesch, der Vorstand der Lassnig-Stifung in Wien, von der viele Leihgaben kommen. Maria Lassnig war kurz nach der MoMa-Schau im Jahr 2014 gestorben. Pakesch: "Man hatte den Eindruck, sie wollte die Ausstellung noch abwarten."

Lassnig war mit Arnulf Rainer, Friederike Mayröcker und Paul Celan befreundet, künstlerisch aber eine Einzelgängerin. Und sie hatte ihr Leben lang nur ein Thema - den eigenen Körper.

Erforschung des Körpers

"Körperbewusstseinsbilder", "Beweinungsbilder" nach dem Tod der Mutter 1964, schließlich "Krankheitsbilder" - so heißen die Werkgruppen, in denen wir Maria Lassnig bei der unbarmherzigen Erforschung ihrer selbst zuschauen. Der Buchtitel "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?" von David Precht könnte auch das Motto dieser Retrospektive sein.

Denn die Spannweite reicht vom naturalistischen "Selbstporträt mit Stab" (Foto) von 1971 bis zu erschreckenden Bildnissen mit Maulkorb, als Blinde oder als Dame, der das Gehirn aus dem Kopf quillt. In der "Kriegsfurie" (1991) verschmilzt die wütende Frau mit einer Waffe, im Werk "Gynäkologie" (1963) schauen wir in die blutroten Tiefen des weiblichen Köpers.

Zu wenig Worte

Ja, das ist harte Kost. Aber es spiegelt sehr gut nachvollziehbar menschliche Empfindungen. Die Werke erreichen große Wahrhaftigkeit, führen auch den Betrachter zur Selbsterkenntnis. Lassnig hat einmal gesagt: "Es gibt zu wenig Worte, deswegen male ich ja."

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