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Fußball

Michael Gibas ist während der EM Kontaktmann in Danzig

DORTMUND Eine Parade bringt das Objekt der Begierde durch die Stadt: den Europameister-Pokal. Die Straßenbahnen fahren im Euro-Look, Geschäftsleute schmücken ihre Läden, die Marine schickt ein Schiff zur Feier. Und Michael Gibas weiß, dass jetzt die heiße Phase beginnt.

Michael Gibas ist während der EM Kontaktmann in Danzig

Inmitten der Kolleginnen und Kollegen freut sich Michael Gibas (links neben dem Pokal) vom Kirchhörder SC auf die Fußball-EM.

Der Abwehrspieler des Fußball-Bezirksligisten Kirchhörder SC ist nicht in einer Verteidigungsmission unterwegs. Im Gegenteil: Er öffnet Polen, das Land seiner Eltern, seinen Landsleuten. Er ist Kontaktmann der Stadt Danzig für die Deutsche Nationalmannschaft. „Und ich kann ihnen versichern, dass diese Stadt vor Fußball-Begeisterung nur so strotzt. Hier soll deutlich mehr los sein als in Warschau, wo sich die Euphorie noch in Grenzen hält.“ Es könnte ein perfekter Sommer werden.

Alles näher miterleben

Die UEFA-Champions-Trophy-Tour, als der Pokal die Städte besuchte, gab dem 22 Jahre alten Sportstudenten einen Vorgeschmack auf das, was seine Stadt bald erleben darf: „Das war schon ziemlich cool. Ich habe da einiges mitorganisieren dürfen.“ Seine Tante lebt in Danzig, und so erfuhr er, dass die Stadt einen Praktikanten suchte, der sich um die Deutsche Mannschaft kümmert. „Als ich das hörte, war ich Feuer und Flamme. Ich bin Fußballer durch und durch, studiere Sportmanagement und habe einen wichtigen neuen Punkt in meinem Lebenslauf“, sagt er. Michael Gibas hatte selbst Karten für ein Viertelfinale per Los erhalten, da ahnte er noch gar nichts von dem bezahlten Praktikum, das bis zum 15. Juli läuft. Seit 15. April ist er schon vor Ort. Jetzt erlebt er alles viel näher. „Meinen Plan ändere ich gerne. Als ich den Zuschlag bekam, war ich einfach nur glücklich. Dass ich Polnisch und Deutsch spreche, hat meine Bewerbung deutlich nach vorne gebracht“, erzählt er.

"Atmosphäre einatmen"

Und Gibas darf dies neben der langen Arbeitszeit auch genießen. „Nicht viele erhalten die Chance, so nah dabei zu sein. Daher bin ich immer in Bereitschaft. Aber jeder soll auch die Zeit erhalten, die Atmosphäre einzuatmen. Unser Team arbeitet nur auf dieses Ziel hin. Aber Zeit für die besondere Atmosphäre bleibt.“ Die Deutschen können kommen. Wie weit seine Aufgaben gehen, weiß er noch nicht. „Auch die UEFA stellt einen Kontaktmann. Mal abwarten, welche Aufgaben er erhält.“ Gibas weiß jedenfalls, dass er nicht nur die Champions-Trophy-Tour organisieren darf. Er kümmert sich um die Kartenverteilung für die öffentlichen Trainingseinheiten der Mannschaft. „Freikarten gehen an Schulen und andere Organisationen. Ich möchte dafür sorgen, dass sie an diejenigen gehen, die sich besonders darüber freuen.“ Er erlebt jede Pressekonferenz. Er hilft den Gästen, sich in der Stadt zurechtzufinden. Wenn die 300 Journalisten oder die Familien der Spieler Hilfe, Übersetzungen oder Tipps benötigen, wo sie ausgehen oder einkaufen können, weiß Michael Gibas es. „Sopot“ heißt ein Tipp.

Großes Hallo

„Hier zeigt sich Danzig ganz anders als in den deutschen Köpfen. Hier sind die schicken Hotels, die angesagten Restaurants und Geschäfte.“ Aber auch die Bodenständigen schickt er an ihr Ziel. „Ich bin sehr kontaktfreudig, möchte mit den Gästen reden und ihnen helfen.“ Wenn die Volunteers nicht weiter wissen, tritt Michael Gibas in Erscheinung. Er kennt die Wege. Den Deutschen, versichert er, mangelt es an nichts: „Die Leute sind hier Touristen aus dem Nachbarland gewöhnt. Daher kommt jeder auch mit Deutsch durch.“ Und wer dann noch erwähnt, er komme aus Dortmund, darf sich über ein besonders großes Hallo freuen. „Jeder, dem ich erzähle, wo ich wohne, fällt mir ins Wort und spricht von der Borussia und ihren drei Nationalspielern. Das ist schon nett.“ Gespannt sind die Polen jedoch auf ein anderes Team. „Sie sind völlig heiß auf die Spanier, die ja auch hier in der Nähe wohnen.“ Gibas aber hält es dann eher mit Schwarz-Rot-Gold.

Wie Podolski

Womöglich kommt er auch demjenigen sehr nahe, dem er sich verbunden fühlt. Angesprochen auf seine Fußball-Vorlieben, sagt er: „Ich bin wie Lukas Podolski. Da schlagen eindeutig zwei Herzen in meiner Brust.“ Und wenn beide Teams aufeinander treffen? „Dann tendiere ich eher zu Deutschland.“ Podolski muss er nicht viel erklären, vielleicht aber bringt er dem einen oder anderen Teamkollegen Polen näher. Was er dem Land seiner Familie, deren Sprache er perfekt beherrscht, wünscht, hat auch mit seiner Heimat zu tun. „Die WM 2006 war bombig, einfach unvergesslich. Wenn ich mir Danzig vorstelle mit den vielen Gästen, die Sonne scheint, die Menschen vergnügen sich an der Ostsee und denken an Fußball, dann könnte auch Polen ein Sommermärchen erleben.“ Einen Wunsch an die Kollegen in Dortmund hat er auch. „Ich bin immer auf dem Laufenden und wünsche mir den Aufstieg des Kirchhörder SC in die Landesliga.“ Wie sein Team in Danzig sei der KSC eine tolle Truppe. Es könnte wirklich ein perfekter Sommer werden für den Dortmunder Kontaktmann im Fokus des europäischen Fußballs.

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