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Zahlen bleiben konstant

640 Menschen haben sich 2016 in NRW mit HIV angesteckt

Düsseldorf 640 Menschen haben sich im vergangenen Jahr laut Modellrechnungen in Nordrhein-Westfalen mit HIV angesteckt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl konstant geblieben. Ob das ein positives oder negatives Zeichen ist, darüber sind sich Experten uneinig.

640 Menschen haben sich 2016 in NRW mit HIV angesteckt

640 Menschen haben sich nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts 2016 in NRW mit HIV angesteckt. Foto: dpa

Etwa 640 Männer und Frauen in Nordrhein-Westfalen haben sich nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) im vergangenen Jahr mit HIV angesteckt. Demnach hätten sich 510 Männer und 130 Frauen neu infiziert, teilte das Institut am Donnerstag in Berlin mit und verwies auf neue Modellrechnungen. Diese Zahlen sind nicht zu verwechseln mit den tatsächlich erfassten HIV-Diagnosen, da diese oft erst Jahre nach der Infektion erfolgen.

Das RKI veröffentlichte die Berechnungen zu den HIV-Infektionen in Deutschland vor dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Bundesweit steckten sich laut RKI 2500 Männer und 570 Frauen im vergangenen Jahr mit HIV an. Die Zahl der Neuinfektionen bleibe damit im Vergleich zu 2015 konstant.

19.200 Menschen leben in NRW mit HIV

Ende 2016 lebten in NRW 19.200 Menschen mit HIV. Nach den Schätzungen sind aber etwa 2600 Menschen unwissentlich HIV-positiv. Das RKI erklärte, es sei ein wichtiges Ziel, diese Zahl zu senken. Vor allem Heterosexuelle seien betroffen, weil bei ihnen oft nicht an HIV gedacht werde. Test und Diagnose kommen bei dieser Gruppe verhältnismäßig spät. Solange besteht auch die Gefahr, dass das Virus unwissentlich weiter übertragen wird.

In vielen Fällen wird HIV den Angaben nach erst diagnostiziert, wenn bereits ein fortgeschrittener Immundefekt vorliegt. Ist Aids erstmal entstanden, bedeutet das erhöhte Behandlungskosten und auch ein höheres Sterberisiko. Im vergangenen Jahr starben laut RKI in NRW 120 Menschen an Aids. Seit Beginn der Epidemie sind es 6500.

In NRW - wie bundesweit - war im vergangenen Jahr Sex zwischen Männern der häufigste Infektionsweg: Etwa 430 Männer steckten sich so an. Aus heterosexuellen Kontakten entstanden laut RKI 160 Ansteckungen, durch Drogengebrauch 45.

Minister lobt die Zahlen, Deutsche Aids-Hilfe kritisiert

„Deutschland gehört zu den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten in Europa“, erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Die Daten zeigten, dass man mit Prävention und Behandlungsangeboten „auf dem richtigen Weg“ sei.

Anders wertet das die Deutsche Aids-Hilfe: „Die HIV-Infektionszahlen könnten sinken, wenn Deutschland alle verfügbaren Schutzmethoden zum Einsatz bringen würde“, erklärte Vorstand Sven Warminsky. Um die Zahlen zu senken, gebe es durchaus Spielraum: Wer HIV mit Medikamenten vorbeugen will, kann bislang nicht mit einer Kostenübernahme durch die Krankenkassen rechnen. Auch müssten drogenabhängige Häftlinge Zugang zu sauberen Spritzen erhalten, forderte die Aids-Hilfe. Und für Menschen ohne Papiere müsse es „endlich einen anonymen Zugang zur HIV-Therapie“ geben. Noch scheuten diese Menschen den Gang zum Arzt - wegen drohender Abschiebung.

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