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AOK: Psychische Erkrankungen nehmen überproportional zu

Berlin (dpa) Eine schwere Krankheit oder der Tod des Partners: Eine Lebenskrise kann schwerwiegende Folgen haben - auch für den Job. Und die Krisen nehmen mit dem Alter zu. Unternehmen sollten sich darauf einstellen.

AOK: Psychische Erkrankungen nehmen überproportional zu

Arbeitsausfall durch psychische Erkrankungen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegene. Foto: Oliver Berg/Illustration

Die Zahl der Arbeitsausfälle wegen psychischer Probleme ist in den vergangenen zehn Jahren überproportional stark gestiegen. Unternehmen sollten daher ihr Gesundheitsmanagement für Mitarbeiter in Lebenskrisen weiter verbessern, rät der AOK-Bundesverband.

Denn "aufgrund des demografischen Wandels werden sie künftig verstärkt mit älter werdenden Belegschaften und den damit verbundenen häufigeren Krisen der Mitarbeiter konfrontiert werden". Das erklärte der stellvertretende Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), Helmut Schröder, bei der Vorstellung des Fehlzeiten-Reports 2017.

Kritische Lebensereignisse können die Gesundheit belasten und damit die Arbeit beeinflussen. So berichten laut Report 58,7 Prozent von körperlichen und 79 Prozent von psychischen Problemen durch Lebenskrisen. In der Folge fühlten sich mehr als die Hälfte (53,4 Prozent) der Befragten in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt.

Knapp die Hälfte (48,8 Prozent) ging demnach trotzdem zur Arbeit. Mehr als ein Drittel (37,3 Prozent) fühlte sich aufgrund eines solchen Ereignisses unzufrieden mit der Arbeit oder meldete sich häufiger krank (34,1 Prozent).

Laut der Befragung des WIdO führen am häufigsten Konflikte im privaten Umfeld (16 Prozent), eine schwere Erkrankung von Angehörigen (zwölf Prozent) und finanzielle Probleme (elf Prozent) zu Krisen. Mit zunehmendem Alter steige der Anteil der Betroffenen: Etwas mehr als ein Drittel (37,6 Prozent) der Beschäftigten unter 30 Jahren berichtet demnach über kritische Lebensereignisse, bei den 50- bis 65-Jährigen sind dies schon fast zwei Drittel (64,7 Prozent).

Allerdings gibt es durchaus Angebote der Unternehmen für ihre Mitarbeiter in persönlichen Krisensituationen. Gut jeder zweite Befragte (52,4 Prozent) nennt hier "klärende Gespräche mit dem Vorgesetzten". Jeder Dritte (33,9 Prozent) führt "flexible Arbeitszeiten" an und nahezu jeder Vierte (22,2 Prozent) Sonderfreistellungen wie "unbezahlten Urlaub".

So bietet die Deutsche Bahn ihren Mitarbeitern professionelle, anonyme Hilfen in Krisensituationen an. Sie konzipierte etwa ein umfassendes Betreuungsprogramm insbesondere für Lokführer, die in Personenunfälle - häufig Selbsttötungen - verwickelt sind.

Etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeitet in Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten, die sich in aller Regel solche Gesundheitsprogramme gar nicht leisten können. Allerdings gebe es auch hier Möglichkeiten zur betrieblichen Prävention, sagte der Chef des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch.

So gebe es ein Projekt der AOK Rheinland/Hamburg, bei dem Unternehmen Betriebspartnerschaften bilden könnten, unabhängig von Branche oder Größe. Unter Anleitung der AOK führten sie ihr betriebliches Gesundheitsmanagement gemeinsam durch, in dem sie etwa Dienste einkaufen, an die sich Mitarbeiter in Krisensituationen wenden können.

Angesichts des Fachkräftemangels sei es wichtig, gesunde und leistungsfähige Mitarbeiter an sich zu binden. Kritische Lebensereignisse bei Beschäftigten könnten dabei eine Art "Stresstest" für die Stabilität der Beziehung zwischen Unternehmen und Mitarbeiter sein, argumentierte Schröder.

Eine besondere Herausforderung für die Gesundheitsprävention in Unternehmen sind in der Tat Arbeitsausfälle durch psychische Erkrankungen. Sie stiegen laut Report in den vergangenen zehn Jahren um 79,3 Prozent. Mit 25,7 Tagen je Fall lagen die Ausfallzeiten 2016 an der Spitze aller Erkrankungen und dauerten mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,7 Tagen je Fall.

Der Krankenstand der AOK-Versicherten blieb im vergangenen Jahr mit 5,3 Prozent auf demselben Niveau wie im Vorjahr. Damit hat jeder Beschäftigte im Durchschnitt 19,4 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Betrieb gefehlt. Fehltage ohne ärztliche Bescheinigung sind nicht eingerechnet.

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