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BVB gegen S04: „Heißestes Revierderby des Jahrzehnts“

Dortmund. Es gilt als die Mutter aller deutschen Derbys. Wann immer sich der BVB und Schalke duellieren, ist Brisanz garantiert. Dem 151. Aufeinandertreffen der Erzrivalen könnte besondere Bedeutung zukommen - vor allem für den Dortmunder Trainer.

BVB gegen S04: „Heißestes Revierderby des Jahrzehnts“

Dortmunds Trainer Peter Bosz lacht vor einem Spiel. Foto: Bernd Thissen/Archiv

Einen Großteil der Vorbereitung auf das Revierderby verbrachten die Dortmunder Profis nicht auf dem Trainingsplatz, sondern auf der heimischen Couch. Ungeachtet der großen Brisanz gewährte ihnen Peter Bosz kurz vor dem Duell mit dem FC Schalke 04 einen freien Tag. Auch in großer Not blieb der Fußball-Lehrer seinem Prinzip einer überschaubaren Belastungssteuerung treu - und erntete reichlich Medienschelte. Dieses Echo gilt als weiteres Indiz für die wachsenden Zweifel an seiner Arbeit. Bei einer Niederlage gegen den Erzrivalen am Samstag (15.30 Uhr) dürften die Tage des Niederländers nach nur viereinhalb Monaten beim BVB gezählt sein.

Nach eigenem Bekunden geht er jedoch ohne Ultimatum in die Partie. „Nein“, antwortete Bosz am Freitag kurz und knapp auf die Frage, ob die Vereinsführung an ihn eine entsprechende Forderung gestellt habe. Sorgen um seine Zukunft würden ihn nur vom Wesentlichen ablenken: „Ich habe keine Angst um meinen Job. Damit beschäftige ich mich nicht. Ich bin Fußballtrainer und weiß, dass so etwas passieren kann.“ In gewohnt ruhiger Manier fügte er an: „Ich beschäftige mich nur mit dem Spiel. Wir müssen alles geben, um zu gewinnen - auch ich.“ Abnutzungserscheinungen sieht er nicht: „Die Stimmung in der Mannschaft ist trotz der schwierigen Situation gut.“

Weniger gelassen reagierte er auf Kritik an dem freien Tag für seine Profis: „Es gibt einen Plan. Diesen Plan macht man für sechs Wochen. Wir haben eine englische Woche. Da muss man sich auch mal erholen. Das ist meine Verantwortung.“

Die desaströse Bilanz aus den vergangenen neun Spielen mit nur einem Sieg kostete Bosz all jenen Kredit, den er sich beim besten Saisonstart der Vereinsgeschichte erworben hatte. Mehr noch als der Sturz von Rang eins auf fünf wurmt es viele BVB-Anhänger, dass der ungeliebte Nachbar aus Gelsenkirchen in der Tabelle mittlerweile vorbeigezogen ist und allein in den vergangenen fünf Partien unglaubliche zwölf Punkte auf die Dortmunder gutmachte. Eine klare Auskunft, ob Bosz wirklich zur Disposition steht, blieb Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke jedoch schuldig: „Mit dieser Frage laufen Sie bei mir ins Leere.“

Ähnlich ausweichend reagierte Michael Zorc auf die anhaltenden Spekulationen. „Natürlich wissen wir um unsere Situation. Wir sind ja nicht von der Welt abgeschottet. Aber es gilt jetzt, unsere Kraft für das Derby aufzubringen“, sagte der Sportdirektor den „Ruhr Nachrichten“ (Freitag). Es sei eine weitere Chance, „die Stimmung wieder zu drehen“.

Dass die 151. Auflage des Revier-Klassikers für ihn die ultimative Chance zur Wiedergutmachung ist, bekam Bosz schon am Dienstag beim Champions-League-Aus gegen Tottenham Hotspur (1:2) zu spüren. „Am Samstag zählt es: Alle für den Derbysieg“, war auf einem großen Banner zu lesen, das die Fans nach dem Schlusspfiff auf der Südtribüne vor den Augen der Spieler entrollten. Kommt das Team dieser Aufforderung nicht nach, dürfte auch ihre Geduld ein Ende haben.

Die knifflige Situation von Bosz sorgt beim ohnehin stets brisanten Kräftemessen für zusätzliche Zündstoff. „Es ist vielleicht das heißeste Derby dieses Jahrzehnts“ urteilte der ehemalige Schalke-Profi Olaf Thon bei „t-online.de“.

Unterschiedlicher könnte die Ausgangslage bei den beiden Clubs vor dem 151. Derby nicht sein. Frustrierte Dortmunder treffen auf euphorisierte Schalker, die sich mit unspektakulärem, aber effizientem Fußball auf Platz zwei vorgearbeitet haben. Der Traum der königsblauen Anhänger von einem Machtwechsel im Revier treibt die Profis an. „Ein Prickeln liegt in der Luft. Unser Herz brennt“, kommentierte Torhüter Ralf Fährmann.

Bei aller Freude über die ungewohnte Tabellenkonstellation warnte Trainer Domenico Tedesco seine Profis: „Wir dürfen nicht meinen, wegen der Tabellenstände übermütig zu werden. Im Fußball gibt es Höhen und Tiefen in schnellen Zeitfenstern. Vor einigen Wochen hat sich noch ganz Deutschland gefragt, wie Borussia Dortmund zu stoppen ist.“

Die wahrscheinliche Rückkehr von Nationalspieler Leon Goretzka, der mehrere Wochen wegen einer knöchernen Stressreaktion im Unterschenkel pausieren musste, schürt die Zuversicht der Schalker. Doch auch die Dortmunder dürfen auf das Comeback von Leistungsträgern hoffen. Flügelflitzer Christian Pulisic und Abwehrchef Sokratis könnten dabei helfen, die ersehnte Trendwende zu erzwingen.

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