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Banker Weimer wird neuer Börsenchef

Frankfurt/Main. Neuanfang für die Deutsche Börse: Der Aufsichtsrat macht den Banker Theodor Weimer zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Damit kann der Konzern die Insideraffäre um Vorgänger Kengeter hinter sich lassen.

Banker Weimer wird neuer Börsenchef

Carsten Kengeter hatte Ende Oktober die Konsequenz aus einer Affäre um möglichen Insiderhandel gezogen und seinen Rücktritt zum 31. Dezember angekündigt. Foto: Boris Roessler

Nach der Insideraffäre bei der Deutschen Börse übernimmt HVB-Chef Theodor Weimer den Chefposten bei dem Dax-Konzern. Der 57 Jahre alte Banker löst zum 1. Januar 2018 Carsten Kengeter ab und bekommt einen Vertrag über drei Jahre, wie der Frankfurter Marktbetreiber mitteilte.

Weimer führt seit 2009 die HypoVereinsbank (HVB) in München, die zur italienischen Großbank Unicredit gehört. Vor zwei Jahren war der Manager schon als möglicher Nachfolger für Commerzbank-Chef Martin Blessing gehandelt worden.

Nachfolger von Weimer bei der HVB wird Michael Diederich. Er übernimmt den Posten ebenfalls zum Beginn des neuen Jahres, wie Unicredit mitteilte. Er leitet bisher das deutsche Investmentbanking bei der Konzernmutter.

Kengeter hatte Ende Oktober nach quälenden neun Monaten die Konsequenz aus laufenden Ermittlungen wegen möglichen Insiderhandels gezogen und seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt. Seit Februar ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Investmentbanker wegen eines Aktiengeschäfts.

Kengeter hatte Mitte Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro 60 000 Deutsche-Börse-Aktien gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Der Konzern packte in dem eigens für den Manager geschnürten Vergütungsprogramm weitere 69 000 Anteilsscheine drauf.

Gut zwei Monate nach dem Aktiendeal machten die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) ihre - inzwischen gescheiterten - Fusionspläne öffentlich, was die Kurse trieb. Die Ermittler werfen Kengeter vor, schon im Sommer 2015 mit der LSE-Führung Gespräche über einen Zusammenschluss geführt und das lukrative Aktiengeschäft in diesem Wissen getätigt zu haben. Aufsichtsrat, Vorstand und Kengeter persönlich wiesen die Vorwürfe wiederholt zurück.

Der Versuch, eine Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße zu erreichen, war im Oktober gescheitert. Daher ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter - Ausgang offen.

Als Kengeter am 1. Juni 2015 den Chefposten vom glücklosen Reto Francioni übernahm, blühte die Deutsche Börse zunächst auf. Kaum im Amt, zog der Manager zwei Übernahmen für mehr als 1,3 Milliarden Euro durch, krempelte den Vorstand um, gab dem Aktienhandel wieder ein stärkeres Gewicht und legte ein Effizienzprogramm mit dem bezeichnenden Namen „Accelerate“ („Beschleunigen“) auf.

Der gebürtige Franke Weimer, der wie Kengeter einst bei der Wall-Street-Größe Goldman Sachs arbeitete, übernimmt einen Dax-Konzern im Umbruch. Im dritten Quartal blieb die erhoffte Belebung der Märkte aus, die Deutsche Börse sah sich gezwungen, die Prognose für 2017 in Frage zu stellen. Nach der erneut gescheiterten Großfusion ist zudem offen, wie das Unternehmen auf Dauer der starken Konkurrenz aus den USA und Asien Paroli bieten will.

Im Zuge des Vorstandswechsels teilte die Deutsche Börse mit, dass die Verträge von Vize-Chef Andreas Preuß und Vorstand Jeffrey Tessler um je ein Jahr verlängert wurden.

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