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Brandschutzmängel in Wiens Belvedere

Wien. Das erste Jahr hat sich die neue Leitung des Wiener Belvedere anders vorgestellt. Bei genauer Prüfung wurden „skandalöse“ bauliche Mängel des Weltkulturerbes gefunden.

Brandschutzmängel in Wiens Belvedere

Die Kunstschätze des Belvedere in Wien sind nach Ansicht der neuen Museumsleitung durch gravierende bauliche Mängel schwer gefährdet. Foto: Christian Bruna

Die immensen Kunstschätze des für seine Klimt-Sammlung berühmten Belvedere in Wien waren nach Ansicht der neuen Museumsleitung durch gravierende bauliche Mängel extrem gefährdet.

So seien Kälteanlagen im mit viel Holz gebauten Dachgeschoss des Schlosses, das zum Weltkulturerbe zählt, ohne Baugenehmigungen installiert und betrieben worden, berichteten die Museumsdirektorin Stella Rollig und der Geschäftsführer Wolfgang Bergmann am Mittwoch.

Vor Brandgefahr warnende Prüfberichte aus dem Jahr 2013 seien ohne Reaktion seitens der bis 2016 amtierenden Direktorin Agnes Husslein-Arco geblieben. „Es geht hier um Milliardenwerte. Wir finden hier einen Zustand vor, der skandalös ist“, sagte Bergmann. So seien auch Brandschutztüren aus ästhetischen Gründen ausgebaut worden. „Wir befinden uns hier noch immer in der Gefahr-in-Verzug-Phase, alle laufend erkannten Mängel rasch zu sanieren“, so Bergmann.

Auch die Frage der Fluchtwege für die vielen Besucher sei nachlässig behandelt worden. „Es ist ein Grundmuster der Haltung, auf die wir überall stoßen, dass gesetzliche Vorschriften in den Wind geschlagen worden sind“, meinte Bergmann. Das Belvedere ist mit rund 1,4 Millionen Besuchern im Jahr das am stärksten frequentierte Kunstmuseum Österreichs. Es hat mit 24 Werken die weltweit größte Sammlung an Ölgemälden des Jugendstil-Malers Gustav Klimt („Der Kuss“). Der Vertrag von Husslein-Arco, die seit 2007 das Haus leitete, war nach Querelen um die angebliche Vermischung privater und dienstlicher Interessen nicht verlängert worden.

Neben dem baulichen Zustand des Hauses gelte es, die Präsentation der Werke und dabei insbesondere die Kunstvermittlung zu verbessern, kritisierte Rollig ihre Vorgängerin. „Viele Fragen zum Haus bleiben unbeantwortet, künftig wird man Antworten finden“, kündigte sie überfällige Überblickstexte zu den jeweiligen Epochen und „pointierte Beschreibungen“ einzelner Werke an. „Derzeit haben wir eine Sammlungspräsentation, die es in erster Linie ermöglicht, den Besuch schnell abzuhaken. Wir wollen deshalb die Aufenthaltsdauer verlängern und qualitativ verbessern“, hatte Rollig schon in einer ersten Zwischenbilanz der Nachrichtenagentur APA gesagt.

Für 2018 hat das Haus unter anderem Sonderschauen zu Gustav Klimt („Klimt ist nicht das Ende. Aufbruch in Europa“) und Egon Schiele („Egon Schiele. Wege einer Sammlung“) im Programm. Beide Künstler, deren 100. Todesjahr im kommenden Jahr begangen wird, sollen unter neuen Gesichtspunkten ausgestellt werden. So werde bei Klimt auch die Kunst in anderen Zentren der Donaumonarchie ausgestellt, um den Wunsch nach Umbruch in den politisch bewegten Zeiten zu veranschaulichen, hieß es. Eine Schau sei dem „völlig unterschätzten“ österreichischen Zeichner Klemens Brosch (1894-1926) gewidmet, der in nur 16 Schaffensjahren knapp 1000 Werke hinterlassen habe.

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