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Beckfelds Briefe

Brief an Luis Riu Güell

Luis Riu Güell ist immer auf Reisen. Ihm gehört ein riesiges Hotel-Imperium. In seinem Brief an den Unternehmer lobt Hermann Beckfeld seinen Führungsstil.

Brief an Luis Riu Güell

Luis Riu Güell

Sehr geehrter Luis Riu Güell,

in diesem Brief möchte ich mit Ihnen auf eine Reise gehen. Sie wird uns nach Venezuela, Mallorca, zu den Kanaren und schließlich in alle Welt führen; aber vor allen Dingen zur Geschichte Ihrer Familie. Es ist eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen, auf die Ihr Großvater, Ihr Vater, Ihre Schwester und Sie mächtig stolz sein dürfen. In dritter Generation führen Sie mit Schwester Carmen heute ein Imperium mit mehr als 100 Hotels in 19 Ländern, mit 28.000 Mitarbeitern und 42.000 Zimmern, in denen jährlich vier Millionen Menschen Urlaub machen.

Es liest sich wie ein Familienroman. Großvater Juan Rio, aufgewachsen in einem Kaff in Katalonien, ist ein spanischer Gemüsehändler. 1950 wandert er nach Venezuela aus, betreibt dort ein Hotel. Drei Jahre später kehrt er nach Spanien zurück, kauft an der Playa de Palma das Hotel San Francisco mit gerade mal 80 Betten, ein rechteckiges Haus, Schuhkarton genannt.

Es ist die Geburtsstunde Ihres Unternehmens, wohl auch der Auslöser des Tourismusbooms auf Mallorca. Damals war es eine heile Urlaubswelt: Die Strände sind einsam; Betonburgen gibt es noch nicht, und Ballermann, Mega-Park und saufende Teutonen sowieso nicht. Großmutter Maria putzt selbst, die Post wird mit dem Pferdewagen transportiert. Ihr Großvater fährt Hotelgäste mit uralten Bussen zum Orangenstehlen zu den Plantagen; das Obst hat er dem Bauern vorher bezahlt.

Propellermaschine mit 36 Sitzplätzen

Sohn Luis, ebenso sympathisch-schlitzohrig wie geschäftstüchtig, nutzt die Hochzeitsreise mit seiner Frau Pilar Güell, um in Wuppertal Pauschalreise-Pionier Dr. Hubert Tigges zu überreden, ihm Chartergäste auf die Insel zu fliegen: Die Vickers Viking, eine Propellermaschine mit 36 Sitzplätzen, muss in Lyon zwischenlanden.

Der Ehrgeiz und die Kreativität Ihres Vaters kennen keine Grenzen. Er macht das 17. deutsche Bundesland zum Ganzjahresziel, baut immer mehr Hotels auf der Insel, intensiviert den Kontakt zum Marktführer TUI. In den 80er Jahren expandiert RIU auf den Kanaren. Bei der Eröffnung des RIU Palace Maspalomas auf Gran Canaria lernte ich Ihren Vater kennen. Er war stolz auf das erste Haus der hochwertigen Palace-Kategorie, aber mehr noch schwärmte er von seinen neuen Plänen.

Als er 1998 stirbt, übernehmen Sie und Ihre Schwester die Geschäftsführung und Verantwortung. Mir imponiert, dass Sie anders handeln als viele Erben, die das Unternehmen nur verwalten, häufig auch in den Sand setzen. Carmen kümmert sich um die Finanzen, Sie sind mehr als 220 Tage im Jahr unterwegs, um Ihre Hotels zu besuchen, mit den Mitarbeitern zu sprechen, neue Standorte unter die Lupe zu nehmen. „Für mich ist es wie eine Droge, Häuser zu planen und zu bauen.“ Sie investieren unter anderem in der Karibik, auf den Kapverdischen Inseln und im Herzen der Neuen Welt, mitten in New York mit dem Stadthotel Riu Plaza am Times Square.

Untergebracht im schlechtesten Zimmer

Wenn Sie in einem eigenen Hotel übernachten, bekommen Sie immer das schlechteste Zimmer. „Das hat Tradition. Die Direktoren wollen mir zeigen, dass es stets etwas zu verbessern gibt.“ Ihre Philosophie hat sich in den vergangenen 60 Jahren nicht verändert. Im San Francisco haben Ihr Vater und Großvater erfahren, dass Urlauber, besonders aus Deutschland, pingelig sind. „Perfekter Service ist wichtig, alles muss sauber sein, das Restaurant pünktlich öffnen.“

Ihre Vorgänger sprachen immer am Sonntagnachmittag über die Ergebnisse der Gästebefragungen; heute beginnt jede Chefsitzung mit der Kritik der Kunden. Eine transparente Kritik. In der Konzernzentrale in Playa de Palma kann jeder auf Tafeln ablesen, welches Hotel Gäste und damit auch die RIU-Chefs zufriedenstellt. Wer grundlos im roten Bereich liegt, bekommt Besuch vom touristischen Rollkommando, intern die „Gruppe der 50“ genannt; es ist ein Expertenteam, das alles auf den Prüfstand stellt. „Das sind vielleicht unsere wichtigsten Mitarbeiter“, sagen Sie.

Sehr geehrter Luis Riu Güell,

unsere gemeinsame Reise endet hier. Sie aber reisen weiter, werden immer ein Leben aus dem Koffer führen. Im Gepäck haben Sie, was Sie von Ihrem Vater und Großvater geerbt haben. Es ist die Leidenschaft für Ihre Hotels, für Ihre Aufgabe.

Mit besten Grüßen

Hermann Beckfeld

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