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Härtere Strafen gefordert

Bundesgerichtshof urteilt über Kölner Raser

Karlsruhe/Köln Zwei Raser liefern sich in Mönchengladbach ein Rennen, ein Unbeteiligter stirbt. Der Unfall vom Wochenende hat die Debatte um illegale Autorennen neu entfacht. Am Donnerstag steht eine Revisionsverhandlung am Bundesgerichtshof an - es geht um das Urteil gegen zwei Raser aus Köln, bei deren Rennen 2015 eine junge Radfahrerin getötet worden war.

Bundesgerichtshof urteilt über Kölner Raser

Die obersten Strafrichter des Bundesgerichtshofs prüfen ein Urteil des Landgerichts Köln, das im April 2016 zwei junge Raser wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen verurteilte hatte. Bei einem illegalen Rennen starb eine 19-Jährige.

Entsetzen, Betroffenheit und Unverständnis herrschen nach dem schrecklichen Unfall, bei dem in der Nacht von Samstag auf Sonntag ein Unbeteiligter durch ein Raserrennen in Mönchengladbach ums Leben gekommen ist. Zwei Autos rasten dabei mit viel zu hoher Geschwindigkeit durch die Innenstadt. Einer der Fahrer verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug und erfasste einen Fußgänger.

Fahndung nach zweitem Fahrer

Fußgänger bei illegalem Autorennen getötet

MÖNCHENGLADBACH Zwei Autofahrer liefern sich in der Nacht zu Samstag ein Rennen in Mönchengladbach, sind viel zu schnell - bei einem riskanten Überholmanöver wird ein Fußgänger erfasst und tödlich verletzt. Einer der Fahrer wird gefasst, doch ein anderer rast davon.mehr...

Ebenfalls für große Betroffenheit hatte vor mehr als zwei Jahren der Tod einer jungen Radfahrerin in Köln gesorgt: Bei einem verbotenen Autorennen in Köln war die 19-Jährige ums Lebens gekommen. Die Staatsanwaltschaft fordert in diesem Fall eine Verschärfung der Strafen gegen die beiden Raser - in dieser Woche soll der Bundesgerichtshof (BGH) eine Entscheidung fällen.

Staatsanwaltschaft fordert Neuentscheidung über Strafmaß

Das Landgericht Köln habe die Männer rechtsfehlerhaft auf Bewährung verurteilt, sagte Bundesanwältin Annette Böringer in der Revisionsverhandlung am BGH im Anfang Juni in Karlsruhe. Sie will erreichen, dass die obersten Strafrichter die Urteile teilweise aufheben und zur Neuentscheidung über das Strafmaß an eine andere Kammer zurückverweisen. Das Urteil soll am 22. Juni verkündet werden.

Die damals 21 und 22 Jahre alten Männer hatten sich im April 2015 in der Stadt ein spontanes Rennen geliefert. Bei Tempo 95 schleuderte eines der getunten Autos aus der Kurve. Auf dem Radweg traf es mit Wucht eine 19 Jahre alte Studentin, die wenige Tage später starb.

Studentin starb an den Unfallfolgen

Die Vorsitzende Richterin Beate Sost-Scheible wies darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft die Verurteilungen wegen fahrlässiger Tötung nicht grundsätzlich infrage stelle. Darauf stehen maximal fünf Jahre Haft. Der Spielraum der BGH-Richter sei auch begrenzt. Es gehe nur darum, ob die Strafe Bestand habe und ihre Aussetzung zur Bewährung.

Der Fahrer des Unfallwagens war zu zwei Jahren und der zweite Raser zu eindreiviertel Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden' id='2994460' tag='' type='Artikel. Die beiden Verteidiger betonten, dass das Kölner Urteil aus ihrer Sicht alles angemessen berücksichtige.

Auch die jungen Männer hatten Revision eingelegt. Wie Sost-Scheible sagte, hat der Senat diese aber bereits vor zwei Tagen als unbegründet verworfen. (Az. 4 StR 415/16)

Erste Verurteilung stieß auf heftige Kritik 

Der Fall hatte überregional für Entsetzen gesorgt, zumal es im Frühjahr 2015 gleich mehrere schlimme Raser-Unfälle in Köln gegeben hatte. Aber auch die Verurteilung lediglich zu Bewährungsstrafen für die Angeklagten war in der Bevölkerung auf viel Kritik gestoßen. 

Immer wieder ereignen sich auf deutschen Straßen  schwere Unfälle durch illegale Autorennen. Erst in der Nacht zu Samstag endete ein illegales Rennen in der Innenstadt von Mönchengladbach tragisch für einen unbeteiligten Fußgänger. Erfasst und getötet hatte den 38-Jährigen ein 28-jähriger Autofahrer, der sich mit einem weiteren Mann nach dem aktuell noch gefahndet wird, ein Rennen lieferte.

Der Dortmunder Wall ist traditionell eine beliebte Rennstrecke für Raser - und deshalb auch immer wieder Schauplatz von Großkontrollen der Polizei. Bei einer Großkontrolle am Samstag wurden 130 Autos kontrolliert. Zwölf von ihnen durften nicht weiterfahren. Für das meiste Aufsehen sorgte jedoch ein besonderer Polizeiwagen.mehr...

Der 28-Jährige stellte sich der Polizei. Der andere Fahrer suchte das Weite. Die Polizei geht nach Zeugenaussagen davon aus, dass sich die beiden Männer über eine längere Strecke ein Rennen durch Mönchengladbach geliefert hatten. Immer wieder sollen sie wechselseitig versucht haben, sich zu überholen oder den anderen am Überholen zu hindern. Bei einem solchen Überholversuch wurde den Ermittlungen zufolge der Fußgänger erfasst, der gerade die Straße überqueren wollte. 

Zahlreiche Hinweise werden ausgewertet

Bisher gingen laut Polizei zahlreiche Hinweise bei der Ermittlungskommission ein. Die Hinweise führten bisher jedoch nicht zum gesuchten Fahrzeug. Am Samstag wurden weitere Zeugen vernommen. Hierdurch kommen nun Zweifel auf, dass es sich, entgegen einer ersten Mitteilung, bei dem gesuchten zweiten Seat um ein Fahrzeug mit MG-Kennzeichen handelt.

Es ist durchaus möglich, dass es sich um einen silbernen Seat Ibiza mit VIE oder KK Kennzeichen handelt. Das Kennzeichen ist auf jeden Fall kurz, d.h. es weist eine verkleinerte Version eines normalen Kennzeichens auf. Vermutlich handelt es sich auch um ein Kennzeichen mit nur einer Zahl.

Die Polizei sucht dringend weitere Zeugen bzw. Hinweise zu solch einem Fahrzeug. Es liegen nunmehr auch zahlreiche Videoaufnahmen vor, die noch ausgewertet werden müssen. Die Aufnahmen einer sogenannten Dashcam befinden sich aktuell noch in der Aufbereitung und könnten Klarheit über das gesuchte Fahrzeug geben.

BERLIN Die Teilnehmer an illegalen Autorennen müssen sich auf Haftstrafen von bis zu fünf Jahren gefasst machen. Und auch Rasern drohen bald bis zu zwei Jahre Gefängnis: Union und SPD haben sich auf die Ergänzung einer entsprechenden Bundesratsinitiative geeinigt.mehr...

Von dpa

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