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China öffnet Tore zum Finanzsektor

Peking. Die Reformen sind schon lange in Arbeit. China nutzt den Abschluss des Besuches von US-Präsident Trump, um eine größere Öffnung seines Finanzmarkes in Aussicht zu stellen. Erste Reaktionen sind positiv, wenn auch vorsichtig. Vieles hängt von der Umsetzung ab.

China öffnet Tore zum Finanzsektor

US-Präsident Donald Trump sagte, er habe in Peking direkt mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping über „unfaire Handelspraktiken“ gesprochen. Foto: Anthony Wallance

China will Ausländern mehr Zugang zu seinem bisher weitgehend verschlossenen Finanzmarkt erlauben.

Nach Abschluss des China-Besuches von US-Präsident Donald Trump kündigte der chinesische Vizefinanzminister Zhu Guangyao in Peking an, dass bestehende Beschränkungen abgeschwächt werden oder auslaufen sollen.

Ausländische Unternehmen sollen bis zu 51 Prozent an Joint Ventures von Wertpapierhäusern, Fonds und im Terminhandel übernehmen können. Diese Grenze soll dann in drei Jahren ganz aufgehoben werden.

Gegenwärtige Hürden bei Banken und Anlageverwaltungen von 20 Prozent für einzelne Beteiligungen und 25 Prozent insgesamt sollen ebenfalls beseitigt werden. Ausländische Investoren sollen ferner in drei Jahren auch 51 Prozent an Gemeinschaftsunternehmen in der Versicherungsindustrie übernehmen können, kündigte Zhu Guangyao an. Nach fünf Jahren soll es gar keine Grenze mehr geben. Die Behörden arbeiteten gerade die Details der neuen Regelungen aus. Diese sollten dann bald veröffentlicht werden, sagte der Vizefinanzminister.

Nach seiner Weiterreise nach Vietnam sagte Trump in einer Rede auf einem Wirtschaftsforum beim Asien-Pazifik-Gipfel (Apec) in Da Nang, er habe in Peking direkt mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping über „unfaire Handelspraktiken“ gesprochen. Die USA wollten fairen Wettbewerb und mehr Marktzugang. Er erwarte, dass andere Länder ihre Märkte so weit öffneten wie es die USA tun. „Wir werden es nicht mehr zulassen, dass die USA ausgenutzt werden.“

Experten sahen in der Öffnung eine Reaktion auf ausländischen Druck, bezweifelten aber, dass die Entscheidung während des China-Besuches von Trump gefallen sei. Die Reformen waren schon lange diskutiert worden. Ausländische Experten begrüßten die Öffnung, warnten aber, dass ausländische Finanzkonzerne auf dem chinesischen Markt auf starke Konkurrenz staatlicher chinesischer Mitspieler stoßen werden.

„Es ist ein großer Durchbruch für Wertpapierunternehmen, die wirklich nur mit Mehrheitsanteilen funktionieren. 51 Prozent öffnet ihnen die Tür“, sagte Jörg Wuttke, früher Präsident der EU-Handelskammer in China der Deutschen Presse-Agentur. „Aber wie immer, wird China sehr selektiv sein, wenn es darum geht, Lizenzen zu vergeben, und amerikanische Firmen bevorzugen.“

Die US-Handelskammer in China (AmCham) begrüßte die Ankündigung vorsichtig und wartet auf Details. Die Öffnung des Finanzsektors könnte Finanzressourcen für Chinas Entwicklung bereitstellen, sagte der Vorsitzende William Zarit. „Diese Beschränkungen und viele andere, die noch nicht angegangen worden sind, haben die Wirtschaftsaktivitäten in China viel zu lange behindert.“

Bislang waren Ausländer darauf beschränkt, die Rolle des Juniorpartners bei Gemeinschaftsunternehmen im chinesischen Finanzsektor zu übernehmen: Sie durften maximal 49 Prozent halten. Aus diesem Grund hatte sich etwa die größte US-Bank JPMorgan Chase im Dezember aus einem Investmentbanking-Joint Venture in China zurückgezogen. Als einzige ausländische Bank hält in China nur noch die HSBC einen Anteil von 19 Prozent an der Bank of Communications.

Mit der schrittweisen Öffnung des Finanzmarktes reagiert China auf eine alte Forderung ausländischer Investoren. Ihnen wird aber in anderen Bereichen wie der Autoindustrie oder dem Flugzeugbau weiter Mehrheitsbeteiligungen verweigert. Analysten der HSBC erwarten von dem Schritt mittelfristig „positive Auswirkungen auf ausländische Direktinvestitionen“ - so auch auf wichtige Reformvorhaben wie die Umschuldung und Entwicklung der Aktien- und Anleihenmärkte.

In den vergangenen Jahren war Ausländern erst schrittweise mehr Zugang zu Chinas Aktienmärkten gewährt worden. In Frankfurt sollen Kapitalanleger ab 2018 an der deutsch-chinesischen Börse Ceinex in chinesische Aktien investieren können. Dafür hätten chinesische Aufsichtsbehörden ihre Zustimmung erteilt, erfuhr die „Wirtschaftswoche“ von Ceinex. Die Deutsche Börse stellt ihre Technik zur Verfügung und ist mit 40 Prozent an dem 2015 gegründeten deutsch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmen beteiligt.

Ceinex will in Frankfurt sogenannte D-Shares (D für Deutschland) listen lassen. Zunächst sollen laut „Wirtschaftswoche“ Bau-, Bahn- und Energieunternehmen an die Börse kommen, die an Chinas Initiative für eine „neue Seidenstraße“ beteiligt sind. Für das ehrgeizige, geostrategische Projekt neuer Wirtschaftskorridore von China nach Europa will Staatschef Xi Jinping viele Milliarden investieren.

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