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Der mit dem Schlag

Berlin. Hinnerk Schönemann spielt mal wieder einen Antihelden: Der ZDF-Film „Der mit dem Schlag“ handelt von einem gutherzigen, leicht verschrobenen Typen, der auf fiese Weise in der Psychiatrie landet.

Der mit dem Schlag

Felix Grünler (Hinnerk Schönemann) während einer Stromtherapie, von der man sich Heilung verspricht. Foto: Andreas Wünschirs/ZDF

„Mein Name ist Felix Grünler. Und um das gleich klarzustellen: Ich bin nicht verrückt.“ So stellt sich der Starkstrom-Elektriker dem Publikum vor, direkter Blick in die Kamera. Und da ahnt der Zuschauer schon, dass mancher das anders sehen wird.

Die Komödie „Der mit dem Schlag“, die das ZDF am Mittwochabend (20.15 Uhr) zeigt, beleuchtet einen Ausschnitt aus dem Leben von Grünler: Nach dem Tod seiner Mutter beginnt der Streit ums Erbe. Und seine Schwägerin tut alles dafür, den leicht schrulligen Felix in die Psychiatrie zu bringen. Vor einem Gerichtsverfahren dealt die Lehrerin daher mit einem psychiatrischen Gutachter und einer Richterin im Gegenzug für die Einweisung Noten für deren Kinder aus.

Mit Hinnerk Schönemann ist die Hauptrolle ideal besetzt. Oft braucht er nicht mal Worte, um sein Befinden zu veranschaulichen. Ein leerer Blick drückt Ratlosigkeit aus, eine leichte Mundbewegung Verständnis, ein Stirnrunzeln Zweifel. Der 42-Jährige wurde für die Darstellung mit dem Deutschen Schauspielerpreis in der Kategorie „Schauspieler in einer komödiantischen Rolle“ geehrt. „Da dieser Preis von Schauspielern vergeben wird, die die Arbeit eines Schauspielers bewerten, freut mich diese Auszeichnung besonders“, sagt Schönemann.

Er verkörpert immer wieder diese leicht spleenigen Typen, etwa Kommissar Jürgen Simmel an der Seite von Marie Brand in der gleichnamigen ZDF-Serie. „Ich mag diese kleinen Antihelden und ich spiele sie gern“, sagt Schönemann. Grünler beschreibt er als „großes Kind, das nicht so richtig in die Welt der Vernunft hineinpasst und mit Trotz reagiert“ - und am Ende „Kraft seines Herzens“ siegt.

Grünler hat im Alter von zwölf Jahren einen Stromschlag erlitten - was zu seinem Schicksal werden soll, seine Karriere bestimmen und Autor Christian Jeltsch offensichtlich zum Wortspiel im Filmtitel animierte. Der Elektriker will mit einem revolutionären Lichtkonzept seinen Heimatort in der Weihnachtszeit festlich illuminieren - scheitert aber Jahr für Jahr am Bürgermeister. Während Bestatter seine tote Mutter im Sarg aus der Wohnung tragen, versucht er am Telefon einen Toaster umzutauschen - wegen fehlender Auftaufunktion. Seine Freundin trennt sich, nennt ihn einen „krassen Träumer“. „Das Wichtigste war, nicht in Klamauk abzudriften“, erklärt Schönemann. „Man muss seine Figur ernst nehmen und ernst spielen.“

Im Prozess um seine Einweisung in die Psychiatrie wird ihm jedes Wort im Mund umgedreht. Er kann einem richtig leid tun. In der Klinik dann blüht er nach einigen Abwehrversuchen auf. Er sieht, was für die Patienten gut ist: Einer Frau, die ihr Kind verloren hat und die sich seither um ein verlassenen Vogelnest sorgt, hilft er. Einem Mann, der nicht zu einem Schulauftritt seiner Tochter darf, organisiert er eine Live-Übertragung via Smartphone. Im Grunde seines Herzen wolle er für alle nur das Schöne und Gute, fasst es Schönemann zusammen.

Auch über ihn hinaus hat Regisseur Lars Becker eine namhafte Besetzung bekommen: Neben Peter Lohmeyer als Gutachter und Armin Rohde als Bürgermeister sticht vor allem Sophie Rois als Psychiaterin hervor. Zwischen ihr und Grünler entwickeln sich amüsante Schlagabtausche: Er: „Ich bin nicht verrückt.“ Sie: „Mit diesem Begriff arbeiten wir hier nicht.“ Über das Gutachten über ihn sagt er: „Das ist weder gut, noch achtet es irgendjemanden.“

Der Film hat nach einem etwas langsamen Anlauf viele komische Momente. Um seinen Plan einer leuchtenden Innenstadt umzusetzen, gelingt Grünler sogar die Flucht aus der Psychiatrie. Wie sich am Ende alles fügt, mag je nach Geschmack etwas kitschig sein - ist aber familiengerecht und passt zur Weihnachtszeit, in der der Film spielt.

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