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Deutsche reiten immer öfter hinterher

Stuttgart. Viele Jahre waren die deutschen Springreiter vom Erfolg verwöhnt und lösten sich an der Spitze oft gegenseitig ab. Das hat sich drastisch geändert.

Deutsche reiten immer öfter hinterher

Verlor in der Weltrangliste deutlich an Boden: Springreiter Christian Ahlmann. Foto: Maurizio Gambarini

Die Zahlen sind eindeutig. Vor einem Jahr ritt Christian Ahlmann beim Weltcup-Heimspiel in Stuttgart als Nummer eins der Welt ein. Zwölf Monate später ist er nur noch die Nummer 14 der Weltrangliste.

„Es ist hart, oben zu bleiben“, sagt der Springreiter vor dem Eröffnungsspringen an diesem Donnerstag. „Es ist nicht selbstverständlich, ganz vorne zu sein.“

Aber nicht nur Ahlmann ist im Ranking abgestürzt. In der Weltrangliste steht im zweiten Monat in Folge kein einziger deutscher Springreiter in den Top Ten - so schlecht waren die Platzierungen noch nie. „Die Listen spiegeln die Situation wider“, sagt Bundestrainer Otto Becker: „Wir waren verwöhnt.“

Vor einem Jahr lag ein deutsches Trio unter den besten Zehn - neben Ahlmann auch Daniel Deußer als Fünfter und Marcus Ehning als Siebter. Doch die viele Jahrzehnte vom Erfolg verwöhnten Deutschen reiten immer häufiger hinterher. Die Veränderung verläuft rasant und ist im Ranking abzulesen. Der Bundestrainer ist selber überrascht, „dass es so schnell geht“.

Ahlmann hatte im August vor einem Jahr den Franzosen Simon Delestre als Nummer eins überholt und die Position fünf Monate lang erfolgreich verteidigt. Abgelöst wurde der Reiter aus Marl von Deußer, der sich drei Monate an der Spitze hielt. Inzwischen ist der in Belgien lebende Hesse - wie der punktgleiche Ahlmann - auf Rang 14 abgerutscht.

Um in der Weltrangliste vorne mitzureiten benötigt ein Reiter mehrere Pferde auf Weltklasse-Niveau. Das lässt sich gut nachvollziehen bei Ahlmann, der von Dezember 2012 bis August 2013 schon einmal die Nummer eins der Welt war. „Meine beiden Flaggschiffe sind in die Jahre gekommen“, sagt der Doppel-Europameister von 2003. Daher setzt der 42-Jährige Codex one und Taloubet, mit dem er vor einem Jahr in Stuttgart das Weltcup-Springen gewann, deutlich weniger ein als in früheren Jahren.

„Meine Aufgabe ist es, den Generationenwechsel im Stall hinzukriegen“, sagt Ahlmann: „Das ist einfacher gesagt als getan.“ Epleaser ist sein derzeitiges Toppferd, aber „er war länger verletzt“. Die talentierte Nachwuchshoffnung Dolocia, mit der er Zweiter im Großen Preis von Monte Carlo wurde, hat seit Juli kein Turnier bestritten.

Andere Topreiter haben derzeit überhaupt kein Spitzenpferd im Stall, etwa Meredith Michaels-Beerbaum. Die erfolgreichste Springreiterin der Welt, die als erste Frau auf Platz eins der Weltrangliste sprang, ist innerhalb eines Jahres im Ranking von Platz 16 auf 144 abgestürzt. Nach dem Verkauf ihres Olympiapferdes Fibonacci steht die 47-Jährige aus Thedinghausen vor einem sportlichen Umbruch. Auf einen Start in Stuttgart hat sie verzichtet.

Mehreren deutschen Reitern fehlen derzeit passende Pferde, um wie früher ganz vorne mitzureiten. Die Konkurrenz hat „stark aufgeholt und gibt viel Geld aus“, erklärt Ahlmann. „Im Ausland wird mehr investiert“, sagt der Bundestrainer: „Wenn ein Pferd gut springt, ist sofort einer da, der es kaufen will.“ Einige Käufer gehen „sehr aggressiv zu Werke“.

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