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Die „Männer des Jahres“ und die Sexismus-Debatte

Berlin. Was sollte einen Mann ausmachen? Die Frage ist bei der „Männer des Jahres“-Gala in Berlin eifrig diskutiert worden. Auch die prominenten Gäste stellten sich der Debatte über Alltagssexismus und sexuelle Belästigung.

Die „Männer des Jahres“ und die Sexismus-Debatte

Arnold Schwarzenegger wurde als „Legend of the Century“ geehrt. Foto: Jens Kalaene

Moderatorin Barbara Schöneberger gab gleich die Richtung vor: „Bill Cosby hat mehr Frauen eingeschläfert als der Sandmann“, sagte sie zu Beginn der Gala - und wollte gleich von Ehrengast Arnold Schwarzenegger wissen, was denn da los sei in den USA.

In Berlin wurden am Donnerstagabend wieder die „Männer des Jahres“-Awards des Lifestyle-Magazins „GQ“ verliehen. Die Debatte über sexuelle Belästigung und Missbrauch sorgte allerdings auch für nachdenkliche Stimmung statt reiner Champagner-Laune.

Nun, was ist da los in Hollywood? Schauspieler Til Schweiger hat dort lange gelebt - und auch bei einem Besuch vor kurzem habe er mit vielen Insidern gesprochen: „Alle sagen unisono, dass es eigentlich ein offenes Geheimnis war und dass es verlogen ist, dass jetzt alle so erschüttert tun.“ Schweiger betonte: „Generell sollten die Männer die Frauen mit sehr viel Respekt behandeln und umgekehrt.“

Und Regisseur Simon Verhoeven, dessen Film „Willkommen bei den Hartmanns“ einen Ehrenpreis bekam, stellte fest, man dürfe keine Hexenjagd veranstalten, aber es gebe ihm „ein Gefühl der Genugtuung“, wenn jemand wie Hollywoodmogul Harvey Weinstein überführt worden sei. Selbst er, der nur ganz selten in Hollywood gewesen sei, habe „das offene Geheimnis mitbekommen“. Er hoffe, dass in Zukunft eine Frau immer „Nein“ sagen könne und dies der Mann respektiere. Für ihn sei es wichtig, schon dem Nachwuchs früh beizubringen, wie man sich gegenüber anderen richtig verhalte.

Die Preisverleihung gilt als eine besonders glamouröse. Und so zeigten sich Frauen wie Männer im edlen Outfit. Fußballweltmeister Philipp Lahm erschien im silbergrauen Anzug mit gewebter schwarzer Krawatte. „Ich habe mich vorhin auf dem roten Teppich, ja, puh, wohl gefühlt, aber auf dem grünen Rasen war es für mich einfacher“, betonte er unter Beifall auf der Bühne. Beim Zielschießen in geöffnete Waschmaschinen war er allerdings genauso erfolglos wie andere, die es versuchten. „Dass man miteinander respektvoll umgeht, sollte die Normalität sein“, sagte er zur Debatte um Alltagssexismus.

Eine klassische schwarze Anzugkombination mit Weste und Krawatte hatte Matthias Schweighöfer gewählt. Er verurteilte Machtmissbrauch „in jedem Bereich, ob durch Frauen oder Männer“. Musiker Mark Forster eröffnete die Gala mit seinem Hit „Chöre“ im dunkelblauen Smoking. Einen weiteren Auftritt hatte er mit seinem aktuellen Titel „Kogong“ - und den Preis als bester Musiker durfte er sich auch abholen. Ausgezeichnet wurden auch Jazz-Musiker Gregory Porter im Bereich internationale Musik und „Fack Ju Göhte 3“ als bester deutscher Film.

Und auch die Modewelt wurde reichlich bedacht mit Awards: Der US-Amerikaner Thom Browne wurde als „Designer of the Year“ ausgezeichnet, das britische Männermodel David Gandy als „Stilikone“. Die Debatte um sexuelle Belästigung und Missbrauch werde bald auch die Mode erreichen, zeigte sich sein Kollege Johannes Huebl sicher. Der Deutsche, der als „Influencer of the Year“ ausgezeichnet wurde, sagte: „Ich glaube, in Amerika gibt es Journalisten, die da etwas vorbereiten.“ Für Fehlverhalten von Männern gebe es keine Entschuldigung. „Es ist gut, dass sich viele Menschen nach vorne wagen und Mut haben.“

Die Debatte freute Moderatorin Janin Ullmann: „Ich finde es toll, dass man jetzt darüber spricht, dass man sich nicht komisch dabei vorkommt.“ Jeder Mensch habe einfach persönliche Grenzen, die man respektieren müsse. „Niemand muss mit Samthandschuhen angefasst werden, aber man sollte immer sein Gegenüber respektieren.“ Einigen Männern gehöre „gehörig der Kopf gewaschen“, sagte Schauspielerin Jessica Schwarz, „es geht oft um Macht und verschiedene Hierarchien, die ausgenutzt werden“. Man dürfe aber nicht vergessen, dass es „auch viele tolle Männer“ gebe.

Einen besonderen Auftritt hatte der Schauspieler und frühere kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der für sein Lebenswerk geehrt wurde. „So etwas kann nur einmal im Leben passieren“, stellte er zu der Auszeichnung als „Legende des Jahrhunderts“ treffend fest. Seine Dankesrede hielt der 70-Jährige dann auf Englisch. Die größte Ehre sei es ihm immer gewesen, der Öffentlichkeit zu dienen. Und er rief zum Mitmachen auf: „Sitz' nicht vor dem Fernseher und reg' Dich auf über bestimmte Dinge“, forderte er unter Beifall. „Steh auf und tu' was!“

Für die Gäste war das auch das Signal, aus dem Zuschauersaal der Komischen Oper ans Buffet zu stürmen. Bei der After-Show-Party wurde lange gefeiert - und bei Steinbutt-Tartar, Risotto und Falafel auch darüber weiterdiskutiert, wie sich denn der moderne Mann richtig verhält.

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