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Das Interview

Die Revolution des Lando van Herzog

Dortmund Lando van Herzog ist es satt, dass Musik illegal rumgereicht wird – und die Künstler leiden. Darum hat er das „Project Fair Play“ ins Leben gerufen und viele Promis ins Boot geholt. Im Interview zusammen mit Youtuberin Joyce Ilg sagt er klipp und klar, was sich ändern muss.

Die Revolution des Lando van Herzog

Lando van Herzog setzt auf Emotionen – nicht auf den erhobenen Zeigefinger. Foto: Horst Galuschka

Wenn die Schöpfer geistiger Werke nicht angemessen entlohnt werden, sagt der Künstler Lando van Herzog, dann gerät die Existenz der Kreativschaffenden in Gefahr. „Dies stellt eine Bedrohung der kulturellen Werte unserer Gesellschaft dar.“ Und das betreffe jeden Einzelnen. Mit dem Internet sei die Musikwelt in Schieflage geraten. Gewaltig. Und das will van Herzog nicht länger hinnehmen.

Seine Waffe im Kampf für die Kultur: eine CD. Darauf ist auch Joyce Ilg zu hören, eine der erfolgreichsten Youtuberinnen Deutschlands, oft an der Seite von Comedystar Luke Mockridge zu sehen. Im Interview sagen van Herzog und Ilg deutlich, was sich ändern muss.

Wie ist die Idee für das „Project Fair Play“ entstanden?

Lando van Herzog: Ich bin von Haus aus Künstler, Musiker. Und ich habe früher viel mit der Internet-Plattform Myspace gearbeitet, hatte dort eine große Fanbase. Meine Musik war um 2010 herum sehr präsent im Netz – aber die Zahl der legalen Downloads war mäßig. Vieles geschah illegal. Ein erstes Schlüsselerlebnis. Dann rief mich Kosho, Gitarrist der Söhne Mannheims, an. Er bat mich eine Petition zu unterschreiben, mit dem Titel „Wir sind Urheber“. Und da dachte ich mir: Es braucht mehr! Warum organisieren wir Künstler uns nicht und äußern uns mit unseren ureigenen Argumenten, der Musik und den künstlerisch verwobenen Worten, gegen die Umsonstunkultur?

Was genau kritisieren Sie, Lando?

Lando van Herzog: Ich sehe die Zukunft des Schutzes geistigen Eigentums nicht besonders rosig. Mit der Digitalisierung, fehlender Haptik von Downloads und einer aufkommenden Copy-Paste-Mentalität hat die Wertschätzung von Musik stark abgenommen. Im Jahrbuch 2016 des Bundesverbandes der Musikindustrie ist festgehalten: Fast die Hälfte der 30- bis 39-Jährigen ist bereit, für Musik zu zahlen. Das ist erschreckend! Scheinbar denken viele, dass Musik vom Himmel fällt. Sie sehen nicht, wie viel harte Arbeit hinter einem Song steckt.

Auch Sie sind beim „Project Fair Play“ dabei, Joyce. Was hat Sie dazu bewegt, mitzumachen?

Joyce Ilg: Ich finde es enorm wichtig, über den Wert von Kultur zu reden – und jetzt ist ein guter Zeitpunkt, mit so einem Projekt zu starten. Es gibt gerade zwei Fronten. Die einen sagen: Geiz ist geil, und Massentierhaltung ist spitze, weil sie unseren Geldbeutel schont. Die anderen setzen auf Fairtrade und sind bereit, für Gutes einen angemessenen Preis zu zahlen. Hier wird Bewusstsein für den Wert von Waren geschaffen – und dieses Bewusstsein wünsche ich mir auch im Bereich der Kultur.

Wie schafft man ein solches Bewusstsein?

Lando van Herzog: Wir fordern keine Unterlassungserklärungen, keine strafrechtlichen Maßnahmen. Wir gehen nicht auf die Gerichte, sondern auf die Menschen zu. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern auf emotionaler Ebene.

Joyce Ilg: Es ist in Zeiten des Internets geradezu selbstverständlich geworden, dass Kultur umsonst ist. Viele hinterfragen es nicht. Da ist es wichtig, ins Gespräch zu kommen und Denkanstöße zu geben.

Lando van Herzog: Unser Projekt wird von Dieter Overath unterstützt, dem Gründer von Fairtrade. Vor 25 Jahren hatte er die Idee, dass es einen fairen Handel geben muss – und wurde kaum wahrgenommen. Heute sind alle Supermärkte voller Fairtrade-Produkte. Das macht Mut, auch wenn man weiß, dass da ein langer Weg vor einem liegt.

Warum nimmt der empfundene Wert von Musik ab, wenn die Haptik fehlt?

Joyce Ilg: Ich weiß noch, wie ich als Kind im Laden stand, die großen Kopfhörer auf den Ohren, und mich in Songs verliebt habe. Als ich dann von meinem Taschengeld eine CD gekauft habe, war ich überglücklich. Es war ein emotionales Erlebnis. Diese CD hatte einen viel höheren Wert, als ihr Preis war.

Lando van Herzog: Wer Musik nur streamt, verpasst solche Momente.

Joyce Ilg: Man denke nur daran, wie unsere Eltern vorm Radio saßen und Songs aufgenommen haben. Sie haben gebangt, dass kein Moderator in ihren Lieblingssong reinquatscht. Heute ist jeder Song jederzeit hör- und downloadbar. Das nimmt der Musik viel. Was mich freut: Dass Schallplatten wieder hip geworden sind. Da ist dann plötzlich wieder Haptik.

Sie sind Youtuberin, Joyce, haben aber auch schon mal einen Song veröffentlicht – „Summerhill“. Was haben Sie damals, 2015, für Eindrücke gesammelt?

Joyce Ilg: Es war ein Spaßprojekt, das mir gezeigt hat, wie viel Arbeit hinter einem Song steckt. Ich hatte mir das alles irgendwie einfacher vorgestellt. Da sind mir die Dimensionen erst einmal bewusst geworden. Ideenfindung, Produktion, Videodreh, Vermarktung – das sind nur einige Aufgaben, die zu erfüllen sind.

Auf Youtube kann man sich das Musikvideo und Ihre anderen Clips anschauen, ohne dafür zu zahlen. Geld kommt zum Beispiel über Product Placement rein, indem Sie Markenprodukte einbinden – und das finden viele Youtube-Nutzer ziemlich uncool.

Joyce Ilg: Kaum ein Youtuber kann von seinen reinen Youtube-Einnahmen leben, deswegen machen viele Youtuber viele Product Placements – und werden oft harsch kritisiert. Selbst wenn sie es transparent machen. Was die Zuschauer oft vergessen: Wir arbeiten sehr, sehr hart für unsere Clips. Unser Job macht unglaublich viel Spaß, aber es ist auch ein Job. Ich investiere mindestens fünf Tage die Woche in meine Videos und möchte dann auch davon leben können. Dass Firmen dafür zahlen, dass ich ihre Produkte in meine Clips einbinde, ermöglicht mir, meine Zeit in Ideensuche und Dreharbeiten zu stecken.

Lando van Herzog: Und genauso ist es bei der Musik! Musiker stehen für gewöhnlich nicht um elf Uhr auf, pfeifen eine Melodie, schütteln einen Text aus dem Ärmel und nehmen dann rasch einen tollen Song auf. Sie schreiben sich viel mehr die Finger wund, durchleben Schaffenskrisen, arbeiten Nächte durch. Ihre Werke dann am Ende illegal zu verbreiten, ist einfach unfair.

Aber die Stimmen der Künstler waren lange leise. Kaum einer hat sich lautstark über mangelndes Fair Play beklagt

Lando van Herzog: Es war am Anfang gar nicht so einfach, Künstler ins Boot zu kriegen. Sich offensiv zu dem Thema Fair Play im Bereich der Kultur zu äußern, ist ein Wagnis. Viele Stars befürchten, mit kritischen Worten ihre Fans zu vergraulen. Die erste Künstlerin, die mir sagte, dass sie beim Project Fair Play dabei ist: Marianne Rosenberg. Und es gab einige, von denen ich wusste, dass sie folgen.

Joyce Ilg: Es ist traurig, dass so viele nicht die Eier dafür haben, für das Gute zu kämpfen.

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