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Die Sportgroßmacht Russland ist verletzt und uneinsichtig

Moskau. Die olympische Bewegung bestraft Russland wegen systematischen Dopings. Doch soll die gekränkte Sportgroßmacht deshalb die Winterspiele boykottieren? Der Streit verläuft zwischen Politik und Sport.

Die Sportgroßmacht Russland ist verletzt und uneinsichtig

Die olympische Bewegung hat Russland wegen systematischen Dopings abgestraft. Foto: Jean-Christophe Bott

Am Tag danach ist die stolze Sportnation Russland am Boden zerstört. Das Nationale Olympische Komitee ausgeschlossen von den kommenden Winterspielen in Südkorea. Keine russische Hymne, keine russische Flagge für Sportler, die im Februar eventuell doch in Pyeongchang starten könnten.

Doch will man sie überhaupt fahren lassen? Kein Wort vom sonst so redseligen Multifunktionär Witali Mutko - der Cheforganisator der Fußball-WM 2018 in Russland ist als Doping-Drahtzieher lebenslang für Olympia gesperrt.

„Kein Russland, keine Spiele!“, twittern verärgerte Russen nach dem Beschluss des Internationalen Olympischen Komitees: #NoRussiaNoGames. „Russland soll aus der internationalen Sportwelt verdrängt werden“, klagt das Außenministerium. Der Kreml drückt sich um klare Worte. Man dürfe nicht emotional reagieren, müsse die Lage in Ruhe analysieren, sagt Dmitri Peskow, der Sprecher von Präsident Wladimir Putin.

Dass zwei IOC-Kommissionen und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA die russischen Manipulationen rund um die Winterspiele in Sotschi 2014 detailliert belegt haben - geschenkt. Die Russen sprechen weiter von einem Angriff auf ihr Land. „Eine widerliche Entscheidung“, schreibt der erfahrende Außenpolitiker Konstantin Kossatschow. „Das gehört zur allgemeinen Linie des Westens, Russland zurückzudrängen.“ Der Triumph von Sotschi habe um jeden Preis geschmälert werden müssen.

Kossatschow fordert „persönliche Konsequenzen“ für die russischen Sportfunktionäre - nicht etwa, weil sie ein Dopingsystem geschaffen haben. Sie hätten ihr Land nicht energisch verteidigt. „Sie haben den Start der Kampagne verschlafen, und sie waren mit dem Finish überfordert.“ Das geht erstmals gegen unantastbare Leute wie Mutko oder den Präsidenten des russischen NOK, Alexander Schukow.

Der Zeitpunkt der IOC-Entscheidung passt dem Kreml politisch nicht in den Kram. An einem dieser Tage will Putin seine Kandidatur für eine weitere Amtszeit bekanntgeben. Negative Schlagzeilen stören da nur. Bei einem Auftritt vor jubelnden Ehrenamtlern am Mittwoch in Nischni Nowgorod lässt Putin die Gelegenheit verstreichen. Die Mutko-Sperre droht als großer Schatten über der Fußball-WM hängenzubleiben, die doch eine Visitenkarte für sein Russland werden soll.

Sollen russische Sportler nach dem Schlag ins Gesicht überhaupt noch nach Pyeongchang fahren? Da steht einstweilen Politik gegen Sport. Nationalistische Scharfmacher fordern einen Boykott. „Für mich ist es unannehmbar, dass eine russische Mannschaft ohne eigene Flagge und Hymne antritt“, sagt der Parlamentsvize Pjotr Tolstoi. Und sein Kollege Igor Lebedew ruft enge Verbündete wie Weißrussland oder Kasachstan auf, die Spiele ebenfalls zu boykottieren.

Von den Sportlern kommen andere Signale. „Wer jetzt absagt, kneift“, sagt Eishockey-Nationalstürmer Ilja Kowaltschuk. Seine Kameraden und er haben Putin in einem Brief gebeten, dass sie spielen dürfen. Auch Ex-Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa, nun Funktionärin mit feiner Nase für die kommende sportpolitische Linie, hat das Kleingedruckte in dem IOC-Beschluss gelesen. „Wenn bei der Siegerehrung gesagt wird, dass ich aus Russland bin, dann würde ich teilnehmen“, sagt sie.

Offiziell soll eine Versammlung der potenziellen russischen Olympioniken am 12. Dezember entscheiden. Auch NOK-Präsident Schukow hat das IOC-Papier gelesen: Bei der Abschlussfeier in Südkorea könnte die russische Fahne wieder wehen, tröstet er seine Landsleute.

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