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Buch-Kritiken

Drei Bücher über die Schönheit des Fußballs

NRW Aller guten Dinge sind drei … Bücher über die schönste Nebensache der Welt. Eine Autobiografie, eine Kolumnensammlung und eine Melange aus historischen Fotos und persönlichen Texten drehen sich um den Fußball. Allen gemein ist eine Sicht auf den Sport, die nichts mit 1:0-Berichterstattung oder Popstar-Hype zu tun hat.

Drei Bücher über die Schönheit des Fußballs

Drei Bücher über die schönste Nebensache der Welt: „Ballverliebt“ von Jochen Schmidt und Jochen Raiß, „Wenn ich du wäre, wäre ich lieber ich“ von Ansgar Brinkmann und Peter Schultz sowie „Mein Spiel“ von Johan Cruyff.

Eine Liebeserklärung in Schwarz und Weiß ist der Bild- und Textband „Ballverliebt“ von Jochen Schmidt und Jochen Raiß. Seinen Charme bezieht das Buch aus der Anonymität der Abgelichteten, die Raiß auch aus Flohmarktkisten befreite, sowie den sehr persönlichen Texten von Jochen Schmidt. Teils unscharfe Aufnahmen von Allerweltskicks stehen neben biografischen und fiktiven Text-Miniaturen.

Wald- und Wiesenkicks mit Cheerleader-Pionierinnen in Schwarz und Weiß

Die Schwarzweiß-Motive zeigen Spielfelder vor Eisenbahntrassen, Fußball am Waldrand, frühzeitliche Formen von Cheerleadern. In den Texten sprechen Paare mit- und aneinander vorbei, kindliche Fußballerinnerungen werden wach, oder es kommt ein Rollstuhlfahrer zu Wort, der Nachbarskindern den verloren gegangenen Ball zurückwirft.

Das Bedeutende dieses Bandes manifestiert sich in der Belanglosigkeit des einzelnen Ereignisses. Ort, Zeit und Namen können nicht verblassen, da sie nicht belegt sind. Oder, wie Schmidt es schreibt: Er interessiere sich mit jedem gesehenen Spiel mehr „für das Geschehen am Rande“. Für den „Elfmeterschützen, der das Luftloch des Balls sucht, genau wie ich das kleine Loch, durch das der Bäcker die Marmelade in den Pfannkuchen [Berliner, Anm. d. Verf.] gespritzt hat“.

„Fußball spielen, selbst wenn die ganze Welt brennt“

Ansgar Brinkmann kann mit Worten nicht so elegant umgehen wie Jochen Schmidt oder wie er selbst mit dem Ball. Und dennoch hat der Ex-Profi es zu einer Kolumne bei 1Live gebracht, dem Jugendsender des WDR. Peter Schultz sei Dank. Der Medienschaffende und Radiomann vermittelte den als „weißen Brasilianer“ gerühmten Brinkmann Ende 2012 an die Rundfunkanstalt.

Nur deshalb sind Brinkmanns Weisheiten inzwischen einem noch größeren Publikum bekannt, jetzt liegen sie als „Wenn ich du wäre, wäre ich lieber ich“ gesammelt und gedruckt vor. Was wäre unser Leben ohne die Anekdote, dass halbnackte Fußballer schon einmal gefesselt und mit Nutella beschmiert einen Hotelaufzug hoch- und runterjetten?! Derlei Dinge tragen sich zu, wenn Interna von Fußballprofis ihren Weg aus der Umkleidekabine zu den Boulevardmedien finden. Die Rache der Teamkollegen ist einer süßer Brotaufstrich.

Ja, es gibt Tabus, Dinge, die man nicht tut. Klingt kurios bei einem wie Brinkmann, der sein Herz auf der Zunge trägt und durchzechte Nächte, Ausschweifungen und Provokationen liebte. Dass er lieber ein „Mangelhaft“ im Spielerzeugnis der „Bild“ riskierte, als mit dem Blatt gemeinsame Sache zu machen, ist ein Standpunkt. Der fast so stark ist wie seine Haltung zu Fußball und Terror, die nach dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus weiter Gültigkeit besitzt – wie schon nach den Attentaten von Paris, als er formulierte: „Fußball ist ein Stück Freiheit und das lassen wir uns nicht nehmen. Ich würde immer Fußball spielen, und wenn die ganze Welt brennt.“

Cruyff hat der Welt den „Totaalvoetbal“ hinterlassen

Dass Fußball ein ästhetisches Spiel sein kann, dafür bürgen einige wenige Namen: Pelé, Maradona, Messi. Und der des Niederländers Johan Cruyff (1947-2016), der vor etwas mehr als einem Jahr einem Krebsleiden erlag. Seine Idee vom „Totaalvoetbal“ hat nicht allein Ajax Amsterdam und die Oranje-Nationalelf groß gemacht, sondern inspiriert noch heute den Konzeptfußball solcher Trainer wie Pep Guardiola. Von Guardiola, dem Ex-Coach der Bayern und Barcelonas, stammt auch die Botschaft: „Johan hat die Kathedrale erbaut. Wir halten sie nur instand.“

Cruyffs Autobiografie „Mein Spiel“, zu Papier gebracht von Ghostwriter Jaap de Groot und postum veröffentlicht, zeichnet die Stationen des Mannes nach, dem als Spieler mit der Rückennummer 14 lediglich der Titel des Weltmeisters verwehrt blieb. Als Vereinsfußballer und -trainer gewann er mehrfach den Europapokal der Landesmeister und die daraus hervor gegangene Champions League.

Das Buch bietet die Gelegenheit, aus erster Hand jene Philosophie des Fußballs erklärt zu bekommen, die allen Spielern im Gefüge eine außerordentlich wichtige Bedeutung für das Spiel nach vorne und in der Rückwärtsbewegung beimisst. Obwohl Cruyff als Ausnahmetechniker über allen zu stehen scheint, beschwört er die Abhängigkeit des Individualisten vom Kollektiv.

Jeder hervorragende Rechtsverteidiger sei besser als er selbst auf dieser Position, keinem Mittelfeldstrategen könne er auf dessen Position das Wasser reichen. Das mag Bescheidenheit suggerieren oder Koketterie sein, steht aber im Gegenteil dafür, Spieler anderer Mannschaftsteile nicht aus der (großen) Verantwortung für den Ausgang des Spiels zu entlassen. Nein, Cruyff sah keinen Sinn darin, in Schönheit zu sterben. Dass „König Johan“ allerdings über allen thronte, lesen wir zwischen den Zeilen dann doch mit.

Von allen das Maximale fordern

Sein ungeplantes Ende bei Ajax und den Wechsel nach Barcelona 1973 begründet Cruyff mit seinem unbedingten Willen, von allen das Maximale zu fordern. Als Mannschaftskapitän habe er es als Pflicht empfunden, den Finger intern in die Wunde zu legen. Das Team allerdings beantwortete Cruyffs unbequeme Art mit dessen Abwahl als Kapitän. Eine schallende Ohrfeige. Keine 24 Stunden später bereitete Cruyff mit seinem Schwiegervater, der so etwas wie sein Manager war, den Abgang vor. 40 Jahre später kontert er die Geschehnisse mit einer detaillierten Abrechnung.

In Barcelona war er nicht nur als Spieler ein Star, sondern später auch als Trainerlegende und graue Eminenz, die großen Einfluss auf Spieler wie Iniesta, Guardiola und auch Messi ausübte. Schöner, leichter und technisch anspruchsvoller als bei Cruyff, der alle Spieler auf dem Platz für sein System benötigt, wird der Fußball wohl nie wieder werden.

Die Bücher zum Bestellen
Johan Cruyff: Mein Spiel


Peter Schultz: Ansgar Brinkmann – Wenn ich du wäre, wäre ich lieber ich


Jochen Schmidt & Jochen Raiß: Ballverliebt

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