Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

Preise vorerst stabil

Eier werden nach Fipronil-Skandal knapp

OSNABRÜCK In Deutschland kommen weniger Eier auf den Markt - eine Folge des Fipronil-Skandals. Obwohl vor allem niederländische Eiererzeuger mit Hofsperrungen betroffen sind, zahlen auch deutsche Legehennenhalter derzeit kräftig drauf. Das kommt den Verbrauchern zugute - vorerst.

Eier werden nach Fipronil-Skandal knapp

Für das kommende Jahr werden steigende Eierpreise erwartet.

Das Geschäft mit Frühstückseiern macht vielen Legehennenhaltern derzeit keinen Spaß, und das, obwohl die Ware knapp und damit teuer ist. Denn um die Lieferverträge mit dem Lebensmitteleinzelhandel erfüllen zu können, müssen die Eierlieferanten teure Ware aus dem Ausland hinzukaufen. Und da die Preise mit den Einzelhandelsriesen wie Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka vertraglich festgelegt sind, müssen sie den Preisunterschied aus eigener Tasche zahlen.

Preissteigerungen bis zu 80 Prozent

„Die Eierpreise auf Großhandelsebene sind schon deutlich gestiegen“, sagt die Expertin Margit Beck von der Marktinfo Eier und Geflügel in Bonn. Sie hat jüngst Preissteigerungen von um die 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr beobachtet. Aber diese Preise gelten nur für den freien Markt. „Wenn Sie als Lieferant eine Vereinbarung mit dem abnehmenden Handel geschlossen haben, Eier zu festen Preisen zu liefern, dann gelten die auch weiterhin.“ Die Erzeuger, die ein paar Eier übrig haben und am freien Markt verkaufen können, verdienen am Markt Geld. „Diejenigen, die im Moment zukaufen und zu den alten Preisen an den Handel verkaufen müssen, die haben ein Problem“, sagt Beck.

Freuen dürfen sich im Moment die Verbraucher, denn wegen der Lieferverträge werde der Einzelhandel bevorzugt beliefert. Die Verbraucherpreise sind im Moment relativ stabil, die Regale gefüllt. Die Preise könnten sich aber ändern, denn jetzt laufen die Verhandlungen über Kontrakte fürs nächste Jahr. „Da haben die Anbieter die Chance, einen etwas höheren Preis zu generieren“, sagt die Marktexpertin. Der Handel dürfte das erfahrungsgemäß an die Verbraucher weitergeben. Die Folge: Nächstes Jahr werden die Eier vermutlich etwas teuerer.

Legehennenbetriebe gesperrt

Grund für den Eier-Engpass sind Nachwirkungen des Fipronil-Skandals. In der Folge wurden bis zu 180 Legehennenbetriebe in den Niederlanden gesperrt. Experten rechnen damit, da

s bis weit in das Jahr 2018 hinein etwa 30 Prozent der Eierproduktion in dem Nachbarland ausfallen werden. Nun sind aber die Niederlande auch der größte Eierimporteur nach Deutschland. Deutsche Betriebe können nur knapp 70 Prozent der Nachfrage im Inland befriedigen. Das macht die Eier im Moment sehr knapp, zumal auch Polen, Belgien und Italien mit den Nachwirkungen der Fipronil-Krise zu kämpfen haben.

Ausland liefert große Mengen 

Den Wettbewerb um die knappe Ware Ei dürfte im Moment auch die eierverarbeitende Nahrungsmittelindustrie spüren. Die Branche habe gerade große Mengen Eier aus Bodenhaltung aus dem Ausland bekommen, sagt Aline Veauthier, Geschäftsführerin des Wissenschafts- und Informationszentrums Nachhaltige Geflügelwirtschaft an der Uni Vechta.

Direktvermarktung stärker gefragt 

Aus ihrer Sicht hat der Fipronil-Skandal bislang für die Verbraucher so gut wie keine Auswirkungen gehabt. Das Kaufverhalten habe sich wieder schnell stabilisiert, nachdem klar war, dass mit den Fipronil-Eiern nach Expertenansicht keine gesundheitlichen Gefahren verbunden waren. Vielleicht seien die Verbraucher inzwischen ein wenig achtsamer und sensibler geworden und achteten mehr darauf, wo die Eier herkommen. Auffallend sei, dass die Direktvermarktung zugenommen habe: „Einige Leute sind direkt zum Hof gefahren, haben geguckt, wie werden die Tiere gehalten und kaufen dort ihre Eier.“

Für die Eierbranche in Deutschland ist die Situation derzeit alles andere als rosig. In Deutschland verliert der Eierhandel mit den bestehenden Kontrakten gerade 30 bis 40 Millionen Euro, meint Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft. „Wir hoffen auf die Solidarität des Lebensmitteleinzelhandels und die Öffnung beziehungsweise Anpassung von Kontrakten“, sagt er.

Das sind alles Probleme, die die Akteure hinter den Kulissen bewältigen müssen. Aber: Die Märkte im Lebensmittelbereich seien im Grunde gut versorgt, sagt Marktexpertin Beck. „Ich erwarte keine leeren Regale, auch nicht bei den verarbeiteten Produkten“, sagt sie. 

 

von dpa

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Wirtschaft

Primark expandiert in weitere deutsche Städte

Münster (dpa) Mit T-Shirts für 2,50 Euro und Jeans für 8 Euro bringt Primark die Konkurrenz in Schwierigkeiten. Kritiker werfen dem Handelsriesen vor, er fördere Wegwerfmentalität gerade bei jungen Kunden. Doch der Deutschland-Chef weist dies zurück.mehr...

Wirtschaft

Mitarbeiter von Air Berlin protestieren für Zukunft

Berlin (dpa) Bei der insolventen Air Berlin bangen Tausende um ihren Arbeitsplatz, der Ärger richtet sich auch gegen Konzernchef Winkelmann. Wird Fliegen nun für viele Menschen auch teurer? Reisekonzerne erwarten keine steigenden Preise - vorerst zumindest.mehr...

Wirtschaft

Rewe will 2018 mehr als zwei Milliarden Euro investieren

Köln (dpa) Amazon im Internet, Aldi und Lidl auf den Straßen: Der Handelsriese Rewe sieht sich vor großen Herausforderungen und antwortet darauf mit Milliardeninvestitionen. Das dürfte Spuren in der Bilanz hinterlassen.mehr...

Turbulente Übergangszeit

Kauftag: Lufthansa sichert sich Air-Berlin-Teile

BERLIN Es ist keine Überraschung: Vor allem der deutsche Marktführer Lufthansa kommt bei Air Berlin zum Zug. Konzernchef Spohr spricht von einem großen Tag - auch wenn die Übergangsfrist sechs bis neun Monate betragen werde und man in dieser Zeit improvisieren müsse. Fraglich ist, ob Easyjet den Rest bekommt.mehr...

Wirtschaft

Glanz für das Depot - So kaufen Anleger Gold

Berlin (dpa/tmn) Wer eine sichere Geldanlage möchte, entscheidet sich häufig für Gold. Doch das Edelmetall unterliegt Preisschwankungen. Daher sollten Anleger den Goldanteil im Depot eher gering halten. Darüber informiert der Bundesverband deutscher Banken.mehr...