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Eine Braut kommt selten allein

Berlin. Was passiert, wenn auf einen antriebslosen Dauerkiffer eine temperamentvolle Roma-Familie trifft? Es wird turbulent - und ein klein bisschen romantisch.

Eine Braut kommt selten allein

Johnny (Sido) muss eine schnelle Entscheidung treffen. Die Braut (Michelle Barthel) spricht kein Deutsch, ist scheinbar von ihrer Hochzeit geflüchtet und bitte ihn um Asyl. Foto: rbb/Christiane Pausch

Er versucht sich nicht zum ersten Mal vor der Kamera. Nach „Blutsbrüdaz“ und „Halbe Brüder“ ist der Berliner Rapper Paul Sido Würdig schauspielerfahren.

Mit seiner Rolle in der Tragikomödie „Eine Braut kommt selten allein“, die das Erste an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) ausstrahlt, wagt sich der 36-Jährige aber auf neues Terrain.

Der Rapper, der früher nur mit goldener Maske über das harte Leben im Märkischen Viertel sang, spielt in dem Film den antriebslosen, von der Liebe enttäuschten Hartz-IV-Empfänger Johnny, der schlecht Nein sagen kann. 

Johnnys Leben ändert sich schlagartig, als er auf die temperamentvolle Romni Sophia (Michelle Barthel, 24) trifft. Die sitzt eines morgens in rotem Brautkleid und abgelaufenen Turnschuhen an den Füßen in seinem Hausflur. Sophia ist gerade von ihrer Hochzeit in Serbien davongelaufen.

Die beiden verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Doch die romantische Zweisamkeit währt nicht lang. Als Sophia starkes Heimweh nach ihrer Familie in Serbien plagt, zögert Johnny nicht lang - und lädt die Verwandtschaft spontan in seine Drei-Zimmer-Wohnung nach Berlin ein. Die folgen seiner Einladung gern - und bringen zu Johnnys böser Überraschung auch noch Sophias Onkel, Tanten, Neffen, Nichten, Geschwister und Cousinen mit.

Schnell hat es sich die 16-köpfige Roma-Familie bei dem gutmütigen Johnny gemütlich gemacht. Noch dazu haben sie ihn als ihren Beschützer auserkoren. Er soll ihnen dabei helfen, in Deutschland Fuß zu fassen. In Johnnys Leben wird es schlagartig turbulent.  

Die charmant-unverstellte Tragikomödie nach einem Drehbuch von Laila Stieler („Die Opfer - Vergesst mich nicht“, 2. Teil der NSU-Trilogie im Ersten) hat Regisseurin Buket Alakus („Einmal Hans mit scharfer Soße“, „Anam“) gedreht. Und wie auch schon in ihren vorherigen Filmen schafft sie es, Themen wie Flucht und Integration, Ausgrenzung und Ankommen, mit der nötigen Prise Humor zu versüßen.  

Erstmals übernimmt der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) für den Mittwochsendeplatz im Ersten die Federführung für einen Film und macht darin die Lebenswirklichkeit der Roma zum Thema. Da ist Sophias Vater Ramadan (Nedjo Osman), der in Serbien als Straßenfeger arbeitet. Oder Sophias Schwägerin Adelina, die jeden Morgen mit ihrem Kind auf die Straße zum Betteln geht. Sie alle eint der Wunsch, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. 

Doch wer denkt, in dem TV-Film geht es nur um die Einwanderungsprobleme einer Roma-Familie, irrt. Die Macher wollten sich weniger an einer politischen Debatte über Flüchtlinge aus Osteuropa beteiligen. Vielmehr wird eine Geschichte über zwei kulturell völlig unterschiedliche Menschen erzählt, die sich alltäglichen Fragen stellen müssen: Liebst du mich? Liebe ich dich?  Vertraust du mir? Kann ich dir vertrauen?

Dabei begeben sich Alakus und Co. auf kein leichtes Gebiet. Ähnlich wie in „Eine Braut kommt selten allein“ geht es in der politisch-inkorrekten Filmkomödie „Hereinspaziert!“ des französischen Filmemachers Philippe de Chauveron („Monsieur Claude und seine Töchter“) um eine Roma-Familie, die sich in der Villa eines steinreichen Bestsellerautors einnistet - allerdings deftig bestückt mit Vorurteilen und Klischees.

Der Film erntete harsche Kritik. Er transportiert laut dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma „rassistische und antiziganistische Stereotype“. Die Deutsch-Türkin Alakus sagt über ihren Film: „Wir erzählen eine Liebesgeschichte.“ Und ergänzt: „Man kann über alle Kulturen auch mal lachen, gerade in schweren Zeiten. Das gilt für Deutsche oder Türken, Sinti und Roma.“

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