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Aprilwetter

Frostige Nacht: Mehrere Kälterekorde aufgestellt

ESSEN Der Wintereinbruch mitten im April hat den Menschen auch in NRW eine frostige Nacht beschert. Bochum knackte beim Vergleich der Tagestemperaturen vom 20. April gar einen Rekord von 1991. Die Winzer greifen zum Teil zu kuriosen Methoden um Schäden an ihren Pflanzen zu vermeiden.

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Erdbeerpflanzen blühen am 20.04.2017 auf einem Feld bei Hofheim am Taunus (Hessen), das mit einem Vlies abgedeckt ist. Wegen der ungewöhnlich kalten Nächte müssen die Obst- und Gemüsebauern Frostschutzmaßnahmen ergreifen, um Ernteausfälle zu vermeiden.

Der Nachtfrost hat in Mülheim die Blüte einer Tulpe mit Eiskristallen überzogen. Die Blumen lassen nach der Eiseskälte die Köpfe hängen.

Prinzipiell sind Schnee und eisige Temperaturen im April nichts Außergewöhnliches. Es kommt einem in diesem Jahr einfach nur so vor. "Das liegt einerseits daran, dass der April in den letzten Jahren sehr mild war", sagt Franz Molé Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Essen. "Andererseits hatten wir es am 9. April schon fast 25 Grad warm. Da fällt einem dieser Temperatursturz dann noch stärker auf".

In der Messstelle in Bochum sanken die Temperaturen in der Nacht zum Donnerstag auf 3,5 Grad Minus. Im Vergleich mit den Tagestemperaturen, die hier seit 1940 registriert werden, ein neuer Rekord. "1991 hatten wir an einem 20. April schon einmal 2,4 Grad Minus", so Molé. Die nächsten Nächte werden wieder etwas wärmer werden. "In der Nacht zur Freitag erwarten wir fünf bis ein Grad plus", so Molé.

April-Kälterekord in der Schweiz

Fast überall in Deutschland sackten die Temperaturen in der Nacht zum Donnerstag teilweise deutlich unter den Gefrierpunkt, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mitteilte. Im Durchschnitt lagen die Temperaturen demnach zwischen minus fünf und minus zehn Grad. Am kältesten war es auf der Zugspitze, wo minus 18 Grad gemessen wurden.

In Berlin lagen die Temperaturen in der Nacht bei minus drei Grad im moderaten Bereich; in Norddeutschland und an der Küste gab es nach Informationen der Meteorologen vier Stationen, die Temperaturen im niedrigen Plusbereich meldeten.

In der Schweiz fielen in der Nacht zum Donnerstag zahlreiche Temperaturrekorde. An mindestens sechs Orten war es nach Angaben des Wetterdienstes Metenews in der zweiten Aprilhälfte noch nie so kalt, zumindest seit Beginn der Messungen. Darunter sind Visp im Kanton Wallis, wo seit 1959 gemessen wird, und Arosa im Kanton Graubünden, wo seit 1931 gemessen wird. Die Temperaturen lagen deutlich unter dem Gefrierpunkt, in Visp etwa bei minus 5,5 Grad und in Arosa bei minus 12,8 Grad.

Obstbauern in der Region sind gut vorbereitet

An den Blüten der Erdbeerpflanze und Obstbäume sollte durch die frostigen Temperaturen kein größerer Schaden entstanden sein. "Obstbäume werden mit einer Frostschutzberegnung vor Schäden geschützt", sagt Stefan Stockmann Betriebsleiter der Firma Kraege Beerenpflanzen, östlich von Münster. Dabei werden die Blüten in einen Wassernebel gehüllt, der Frostschäden verhindert. "Erdbeerpflanzen decken wir nachts mit einem Vlies ab. Temperaturen von bis zu 4 Grad Minus sind dann kein Problem", so Stockmann weiter. Man wisse ja auch das die Temperaturen im April noch einmal kräftig fallen könnten und sei entsprechen vorbeireitet. "Es ist mehr Aufwand, aber kein großes Problem."

Winzer entfachen Feuer und setzen sogar Hubschrauber ein

Um die Knospen der Weinreben gegen Frost zu schützen, zünden Winzer des Sächischen Staatsweinguts Schloss Wackerbarth in mehreren Nächten Feuer in den Weinbergen an. „Viel Rauch, wenig Flammen, das ist das Beste“, erklärte Teamleiter Roy Paul am Donnerstag. Der Rauch, der durch die Weinberge ziehe, könne die Temperatur über dem Boden um ein bis zwei Grad steigen lassen. „Die können entscheidend sein, wenn die Knospe schon aufgegangen ist“, so Paul. 

Angesichts größerer Verluste bei der Weinlese im vergangenen Jahr hat das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium am Donnerstag Hubschrauber zum Schutz junger Reben vor Frost eingesetzt. Wie Agrarminister Peter Hauk (CDU) in Obersulm sagte, sollen so kalte und warme Luft ausgetauscht werden. Sogenannte Inversionswetterlagen, bei denen die oberen Luftschichten wärmer sind als die unteren, können im Weinbau erhebliche Frostschäden verursachen. „Wir können die Temperatur um bis zu vier Grad erhöhen“, sagte Hauk.

Die zweistündigen Flüge in 15 Metern Höhe seien aber nur bei leichtem Bodenfrost sinnvoll. Zunächst sind demnach zwei Tage für den Test auf rund 100 Hektar Land geplant. Die Einsätze am Donnerstag und Freitag kosten insgesamt rund 40 000 Euro, das Land beteiligt sich zur Hälfte daran. Für den Rest kommen die Winzer auf, über deren Weinbaugebiete geflogen wird.

Obstblüten in Rheinland-Pfalz haben Schäden davon getragen

In Rheinland-Pfalz hat der Nachtfrost mit Werten von bis zu minus zehn Grad den blühenden Kulturen stellenweise schwer zugesetzt. „Dass es Schäden gegeben hat, ist sicher“, sagte der Sprecher des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Andreas Köhr, in Mainz. Das Ausmaß lasse sich aber erst in ein bis zwei Tagen abschätzen - „erst dann erkennt man alle Triebe, die geschädigt sind“. Erste Meldungen zu braunen Obstblüten und Austrieben an Reben gebe es bereits. 

mit Material von dpa

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