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Bottroper Apotheker

Gepanschte Krebsmittel: Verteidigung im Angriffsmodus

BOTTROP/ESSEN Kein Wort des angeklagten Apothekers, dafür harsche Kritik der Verteidiger an der Staatsanwaltschaft. In Essen ist am Dienstag der Prozess um gestreckte Krebsmedikamente fortgesetzt worden. Die Anwälte des Angeklagten Peter S. wollen die Unschuld des Apothekers beweisen - oder zumindest Zweifel an dessen Schuld schüren. Und das sind ihre Argumente.

Gepanschte Krebsmittel: Verteidigung im Angriffsmodus

Der Angeklagte (M.) steht am 13.11.2017 im Landgericht in Essen zwischen seinen Anwälten. Insgesamt bringt der Apotheker vier Verteidiger mit zum Prozess. Foto: dpa

Der zweite Verhandlungstag hatte kaum begonnen, da holte Verteidiger Peter Strüwe zum ersten Gegenschlag aus. Der Tenor: Der Angeklagte werde vorverurteilt, die Anklageschrift sei unbrauchbar. Studien hätten schließlich gezeigt, dass die Patienten der Ärzte, die von Peter S. mit Krebsmedikamenten beliefert worden seien, „eine deutlich höhere, mittlere Überlebensrate“ hätten. Wörtlich fragte Strüwe im Prozess: „Lassen sich durch unterdosierte Medikamente erhebliche Behandlungserfolge erzielen?“ Die Antwort lieferte der Verteidiger natürlich gleich mit: „Wohl kaum.“

Bei der Ermittlung der Einkaufsquoten des Angeklagten sei überhaupt nicht berücksichtigt worden, dass es auch einen Bestand an Medikamenten gegeben haben muss. „Und zwar einen erheblichen“, so Strüwe. Die Quoten, die in der Anklageschrift stünden, seien deshalb „unbrauchbar“.

Gepanschte Krebsmittel: Verteidigung im Angriffsmodus

Das Bild zeigt den Angeklagten neben einem seiner Verteidiger am Dienstag.

Auch die Proben, bei denen angeblich nur wenig oder kein Wirkstoff nachgewiesen worden sei, könnten für eine Verurteilung nicht herangezogen worden. Schließlich werde bei der Analyse noch immer „Neuland“ betreten. Außerdem hätten sich die Sachverständigen nicht die Mühe gemacht, den Erkenntnisweg zu dokumentieren. Selbst die Ermittlung der Blutalkoholwerte sei jahrelang immer wieder korrigiert und verbessert worden. Die Analyse von Krebsmedikamenten sei im Vergleich viel komplexer.

Peter S. will weiter schweigen

„Wir haben Verständnis für die Sorgen und Ängste der Patienten“, sagte Verteidiger Peter Strüwe. Man müsse sich jedoch von der reflexartigen Bewertung freimachen, dass alles, was bis jetzt bekannt ist, schon stimmen werde.

Der angeklagte Apotheker, Peter S. aus Bottrop, will sich selbst nicht zu den Vorwürfen äußern. Das hat er den Richtern am Dienstag erklärt.

BOTTROP/ESSEN Ein Apotheker soll sich auf Kosten von Krebspatienten und Krankenkassen systematisch bereichert haben. Vor Gericht bleibt er äußerlich gelassen und schweigt am ersten Prozesstag. Die Betroffenen dagegen haben durch die Machenschaften von Peter S. nicht nur das Vertrauen in medizinische Hilfe verloren.mehr...

Zum zweiten Verhandlungstag waren auch wieder zahlreiche Betroffene im Essener Landgericht erschienen. Eine Frau aus Bottrop sagte vor Prozessbeginn: „Ich würde ihn (den angeklagten Apotheker) gerne fragen, warum er Menschenleben so einfach aufs Spiel gesetzt hat.“ Doch selbst, wenn sie die Frage im Verlaufe des Prozesses stellen könnte: Eine Antwort wird sie wohl nicht erhalten. In die Augen sehen kann sie dem 47-Jährigen währen des Prozesses nicht. „Das geht einfach nicht“, sagte sie auf dem Gerichtsflur.

Gepanschte Krebsmittel: Verteidigung im Angriffsmodus

Die „Alte Apotheke“ in Bottrop hat Peter S. geleitet. Inzwischen wird sie nicht mehr vom Angeklagten geführt. Foto: dpa

Das gemeinnützige Recherchezentrum CORRECTIV hat zusammen mit dem ARD-Magazin Panorama ein halbstündige Dokumentation zu dem Fall erstellt.

DÜSSELDORF In mehr als 60.000 Fällen soll ein Bottroper Apotheker Krebsmedikamente gepanscht haben. In der kommenden Woche beginnt der Prozess gegen ihn. NRW-Gesundheitsminister Laumann spricht vom „Verdacht eines ungeheuerlichen Verbrechens“ und kündigt Konsequenzen an.mehr...

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