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Gescheiterte Jamaika-Verhandlungen beeindrucken Märkte kaum

Frankfurt/Main. Neuwahlen, Minderheitsregierung - oder doch noch ein weiterer Anlauf zu einer Koalition? Die Verwirrung nach den gescheiterten Gesprächen über ein Jamaika-Bündnis ist auch in der Wirtschaft groß. Zumindest an den Börsen ist die erste Lähmung aber schnell verflogen.

Gescheiterte Jamaika-Verhandlungen beeindrucken Märkte kaum

Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Foto: Daniel Naupold

Das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen hat die Finanzmärkte an diesem Montag nur begrenzt beeindruckt. In ersten Reaktionen sahen Volkswirte in dem Aus für ein schwarz-gelb-grünes Regierungsbündnis auch keine ernste Gefahr für den Aufschwung.

Der Rückzug der FDP von den Verhandlungen mit CDU, CSU und Grünen hatte zum Börsenstart zwar zunächst verunsichert. Doch „politische Börsen haben kurze Beine“, zitierte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research eine alte Börsenregel.

So hat der Dax ungeachtet der gescheiterten Sondierungsgespräche einen neuen Erholungsversuch gestartet. Mit einem Plus von 0,50 Prozent auf 13 058,66 Punkten beendete der deutsche Leitindex den Handel. Der Euro war zwar unmittelbar nach dem Ausstieg der FDP aus den Gesprächen etwas abgerutscht. Die Gemeinschaftswährung erholte sich dann aber schnell und wurde am Vormittag an der Marke von 1,18 Dollar gehandelt.

Die Auswirkungen einer Hängepartie in Berlin blieben begrenzt, da das Wachstum hierzulande stark sei und der über der Eurozone gespannte Rettungsschirm auch Deutschland schütze, argumentierte Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets. „Damit verlieren zumindest für den Moment mögliche Neuwahlen im Frühjahr etwas ihren Schrecken.“

„Die Wirtschaft ist mit 2,5 Prozent Wachstum, starkem Unternehmensvertrauen, Vollbeschäftigung und einem Haushaltsüberschuss in so guter Verfassung, dass vorerst nur wenige wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen“, kommentierte Chefvolkswirt Holger Schmieding von der Berenberg-Bank.

Auch der Chefvolkswirt der ING-Diba, Carsten Brzeski, sah nach dem Abbruch der Jamaika-Gespräche kurzfristig keine Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft. Allerdings hätten die jüngsten Ereignisse gezeigt, dass Europa um eine Illusion ärmer ist: „Deutschland ist nicht länger das Vorbild politischer Stabilität.“ Europaweit zeigten sich die Börsen ebenfalls freundlich.

Verschiedene Wirtschaftsverbände appellierten an die Parteien, sich nun rasch um eine Lösung der festgefahrenen Lage zu bemühen. Auch die Energie-Gewerkschaft IG BCE mahnte eine stabile Regierung an. „Deutschland hat einen größeren Modernisierungsbedarf, als so mancher wahrhaben will“, sagte Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), der Deutschen Presse-Agentur: „Er muss endlich entschlossen in Angriff genommen werden.“

Der Präsident des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI, Christoph Schmidt, geht von keinen grundlegenden Änderungen aus: „Die konjunkturelle Lage ist sehr gut, die deutsche Volkswirtschaft erlebt einen langen und robusten Aufschwung.“

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