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Harte Arbeit: Der Abschied von Kaiser's Tengelmann

Düsseldorf. Vor einem Jahr verständigten sich Edeka und Rewe über die Aufteilung von Kaiser's Tengelmann. Heute ist die Lichtreklame der Kette aus den deutschen Straßen fast verschwunden. Doch läuft noch längst nicht alles rund in den übernommenen Filialen.

Harte Arbeit: Der Abschied von Kaiser's Tengelmann

Werbetechniker montiert an einem Supermarkt das „Kaiser's“ Schild ab. Foto: Britta Pedersen/Archiv

Es war ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für die rund 15 000 Mitarbeiter der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann: Nach erbittertem Streit verständigten sich Edeka und Rewe vor einem Jahr doch noch über eine Aufteilung der verbliebenen gut 400 Geschäfte der tiefrote Zahlen schreibende Handelskette. Tausende von Arbeitsplätzen wurden durch den am 2. Dezember 2016 verkündeten Kompromiss gerettet. Ein Jahr später sind viele, aber längst nicht alle Hoffnungen der Beteiligten in Erfüllung gegangen.

Zum Jahrestag der Einigung der Supermarkt-Rivalen ist die Lichtreklame der traditionsreichen Kaiser's und Tengelmann-Supermärkte praktisch bundesweit aus den Straßen verschwunden. Wo früher Kaiser's oder Tengelmann ihre Ware verkauften, prangen nun die Schilder von Edeka, Rewe, Netto oder Penny. Nur in Nordrhein-Westfalen gibt es noch 27 Geschäfte mit dem roten Kaiser's-Logo. Edeka will sie erst gründlich renovieren, bevor das eigene Logo an die Fassade kommt.

Deutschlands größte Supermarktketten hatten den deutlich kleineren Konkurrenten Kaiser's Tengelmann am Ende unter sich aufgeteilt: Der Löwenanteil - insgesamt 338 Märkte in Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen - ging an Edeka. Rewe bekam 64 Geschäfte überwiegend in Berlin. Doch mit der Übernahme begann für die Handelsriesen erst die eigentliche Arbeit.

Rewe-Chef Lionel Souque meint im Rückblick: „Wir wussten, dass es sehr hart wird und sehr viel Aufwand bedeutet und so war es auch.“ In den Märkten habe es einen beträchtlichen Investitionsstau gegeben. Vor allem die Umstellung der 60 Berliner Märkte sei „anfangs etwas holprig“ gelaufen. „Es gab Umsatzeinbußen, weil die Kunden plötzlich viele gewohnte Artikel aus dem Kaiser’s Sortiment nicht mehr in den Regalen fanden“, berichtete er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Doch inzwischen sei das Geschichte. „Seit dem Sommer bauen wir alle Märkte der Reihe nach richtig um. Zum Teil schließen wir sie dazu für mehrere Wochen“, berichtete er. In den bereits umgebauten Läden lägen die Umsätze inzwischen im Durchschnitt um 15 Prozent über dem Niveau vor der Übernahme. In den noch nicht umgebauten Märkten gebe es immerhin einstellige Zuwächse. Auch Edeka berichtet von einem zweistelligen Plus in einem großen Teil der umgestellten Filialen.

Befürchtungen des Bundeskartellamts, durch die Aufteilung der Kaiser's Tengelmann-Filialen unter den Marktführern Edeka und Rewe könne der Wettbewerb leiden und der Verbraucher müsse am Ende bei seinen Einkäufen tiefer in die Tasche greifen, widersprechen beide Unternehmen. „Wir haben die Preise im Durchschnitt um 10 Prozent gesenkt. Auch das hat zu den anfänglichen Umsatzverlusten beigetragen“, berichtet Souque.

Auch Edeka hat nach eigenen Angaben die Preise in den übernommenen Supermärkten deutlich reduziert: um rund 10 Prozent in den neuen Edeka-Supermärkten und sogar um rund 20 Prozent, wenn aus dem der Kaiser's Tengelmann-Filialen ein Netto-Discounter wurde. Eine unabhängige Bestätigung für die Rotstrichaktionen beider Ketten gab es allerdings zunächst nicht. Das Bundeskartellamt hat nach eigenen Angaben keine Daten zur Preisentwicklung nach der Übernahme.

Ist ein Jahr nach dem Durchbruch bei den Verhandlungen also alles in Butter in den übernommenen Filialen? Das wäre wohl doch zuviel gesagt. Die Gewerkschaft Verdi jedenfalls übt deutliche Kritik am Umgang von Edeka mit den Arbeitnehmervertretungen in den übernommenen Läden. „Edeka tut sich sehr schwer mit der Umsetzung der Ministererlaubnis und der Akzeptanz der betrieblichen Mitbestimmung“, sagte das für den Handel zuständige Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger der Deutschen Presse-Agentur.

Die Gewerkschafterin klagte über „Angriffe auf Arbeitnehmerrechte und Betriebsräte in Bayern“. In Nordrhein-Westfalen habe die Gewerkschaft alle Hände voll zu tun, die gültigen Tarifverträge zu sichern. „Solch eine Umgangsweise macht die auch von Edeka unterschriebene Sicherung der Arbeitsplätze unnötig schwer.“

Edeka weist die Vorwürfe allerdings entschieden zurück. „Wir sind in konstruktiven Gesprächen mit den Betriebsräten und halten uns an die vereinbarten Tarifverträge“, sagte Edeka-Sprecher Rolf Lange. Die Bedingungen der Ministererlaubnis würden von Edeka nicht verletzt. Der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte 2016 nicht nur eine fünfjährige Arbeitsplatzgarantie für die Beschäftigten, sondern auch die Absicherung der Betriebsratsstrukturen für den gleichen Zeitraum festgeschrieben.

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