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ING-Diba will mehr Kunden mit Hauptbankverbindung

Frankfurt/Main. Verlockende Sparzinsen haben die ING-Diba über Jahre groß gemacht. Nun will die Direktbank mehr Geschäfte mit einzelnen Kunden machen. Um das Ziel zu erreichen, baut der neue Vorstandschef kräftig um. Was bedeutet das für die Mitarbeiter?

ING-Diba will mehr Kunden mit Hauptbankverbindung

Nick Jue ist seit Mitte 2017 Vorsitzender des Vorstands der ING-DiBa. Foto: Andreas Arnold

Die Direktbank ING-Diba soll nach dem Willen ihres neuen Chefs Nick Jue zunehmend zum Hauptinstitut für Kunden werden.

„Wir wollen die Hausbank für unsere Kunden sein. Nur mit Sparkunden verdienen Sie als Bank kein Geld - erst recht nicht im aktuellen Niedrigzinsumfeld“, sagte Jue der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt.

Zwar wächst die Zahl der Girokonten bei Europas größter Direktbank seit Jahren stetig, erst kürzlich wurde die Marke von zwei Millionen geknackt. Doch nur 1,2 Millionen der inzwischen über 9 Millionen Kunden zählen zur Kategorie derer, mit denen die Bank über mehrere Produkte Geschäfte macht. „Wenn ich Hausbank sein will, muss ich die Basisprodukte alle haben“, sagte Jue. „Hier müssen wir noch besser werden, etwa beim Thema Kreditkarte.“

Der Niederländer, der die ING-Diba seit dem 1. Juni führt, bekräftigte das Ziel, die Kundenzahl auf mehr als zehn Millionen zu steigern: „Bei der Kundenzahl haben wir die Neun-Millionen-Marke geknackt. Ich werde nicht zufrieden sein, wenn wir nicht in zwei Jahren die zehn Millionen erreicht haben.“ Ende 2016 zählte die Tochter der niederländischen Großbank ING noch 8,8 Millionen Privatkunden in Deutschland und Österreich.

Vor Gebühren will Jue die Privatkunden seines Instituts nach Möglichkeit weiterhin verschonen. „Ich kann nie „nie“ sagen. Aber was ich doch hoffe ist, dass wir so weiter wachsen und so effizient sind, dass wir keine Gebühren einführen müssen und es auch so lange wie möglich nicht tun müssen. Ich erwarte sie sicher nicht 2018.“

Das kommende Jahr will Jue vor allem dazu nutzen, die internen Prozesse agiler zu machen. „2018 wird ein Übergangsjahr - nicht im Sinne, dass wir kein Geschäft mehr machen und uns nur um unsere internen Prozesse kümmern, aber für die interne Organisation wird es ein Übergangsjahr“, sagte der Vorstandschef.

Jue setzt unter anderem auf mehr Teamarbeit und weniger Silodenken: „Bis zum Ende dieses Jahres haben alle Vorstände kein eigenes Büro mehr, sondern sitzen alle an einem Tisch.“ Trotz mancher Vorbehalte in der Belegschaft habe er „doch den Eindruck, dass es Aufbruchstimmung in der Bank gibt“, schilderte Jue.

„Wir müssen schneller dran sein an den Kunden, schneller mit neuen Produkten, schneller in unseren Prozessen. Die Geschwindigkeit muss höher sein“, sagte er. Die ING-Diba sei in Sachen Digitalisierung schon weit, dürfe sich aber auf Erfolgen nicht ausruhen. „Wir müssen jetzt Tempo machen, um unseren Vorsprung zu halten und die Wettbewerber auf Abstand zu halten.“

Für einen Euro Ertrag muss die ING-Diba derzeit rund 45 Cent aufwenden. „Wir sind schon sehr effizient, aber wir müssen in die Nähe von 40, wir müssen noch weiter nach unten“, sagte Jue. Letztlich sichere das auch die Jobs der derzeit 4200 Mitarbeiter.

„Ich verstehe die Sorge von Mitarbeitern gut, dass der Umbau Arbeitsplätze kosten könnte. Da wird auf die Niederlande geschaut, wo ich das gleiche gemacht habe, und da hat es viele Arbeitsplätze gekostet“, sagte Jue, der vor seinem Wechsel nach Frankfurt das Privat- und Firmenkundengeschäft der ING-Gruppe in den Niederlanden führte.

„Dann wiederhole ich immer meine Botschaft: Wenn wir nicht mehr wachsen, dann vielleicht auch hier. Ich hoffe, dass wir auch in ein paar Jahren noch 4200 Mitarbeiter haben werden. Aber wir müssen wachsen, wir müssen mehr Geschäft machen. Und wenn wir das schaffen, werden wir effizienter, ohne dass Leute ihren Job verlieren.“

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