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„Ich bin nicht euer Boris“: Ein 17-jähriger Leimener wird 50

Berlin. Er war Wimbledonsieger, die Nummer eins der Tennis-Welt, ist eine der größten deutschen Sportlegenden. In den Schlagzeilen steht er aber auch wegen seines Privatlebens und zuletzt seiner finanziellen Situation. In bewegenden Zeiten feiert Boris Becker Geburtstag.

„Ich bin nicht euer Boris“: Ein 17-jähriger Leimener wird 50

Feiert seinen 50. Geburtstag: Deutschlands Tennis-Idol Boris Becker Foto: Peter Kneffel

Die Frage, wie er seinen 50. Geburtstag feiern wolle und ob diese Zahl eine besondere Bedeutung habe, geht Boris Becker zu weit.

„Bis jetzt war die Fragerunde sympathisch, jetzt erinnern Sie mich daran, dass ich älter werde. Das ist ein privates Thema, das ich nicht öffentlich besprechen möchte“, sagt Becker und schmunzelt.

Im beigefarbenen Fischgrät-Sakko sitzt er auf einem improvisierten Podium im Vereinslokal des TC Ismaning vor den Toren Münchens. Mit leichter Verspätung direkt aus London gekommen, referiert Boris Becker über die Situation im deutschen Herrentennis, lobt Jungstar Alexander Zverev und betont wieder einmal, dass sein neuer Job im Verband „eine Herzensangelegenheit“ für ihn sei. Fragen nach seinem Privatleben oder seiner finanziellen Situation sind nicht gestattet.

Einen Sommer lang gibt einer der größten Sportler, die es in Deutschland je gegeben hat, der Öffentlichkeit Rätsel auf. Was ist dran an den Berichten, dass er pleite sei? Erwägt er ernsthaft, an der britischen Version des Dschungelcamps teilzunehmen? Pokert er beim Wohltätigkeitsturnier im „King's Casino“ im tschechischen Rozvadov Poker tatsächlich (nur) für einen guten Zweck?

An diesem Mittwoch wird Boris Becker 50 Jahre alt - und zu seinem Geburtstag tritt all das Widersprüchliche, Nicht-Greifbare, im wahrsten Sinne des Wortes Un-Fassbare in seiner Biografie wieder zutage. Becker fasziniert mit seinem mitreißenden Spiel, seinen Hechtrollen am Netz, seinen blutigen Knien und seiner Rivalität mit John McEnroe & Co. Er irritiert aber auch mit der Besenkammer-Affäre, aus der ein uneheliches Kind hervorgeht, oder peinlichen TV-Auftritten mit einer Fliegenklatsche am Kopf.

„Seit über 30 Jahren lebe ich öffentlich. Dafür zahlt man einen Preis“, sagt Becker in der 90-minütigen Dokumentation „Boris Becker - Der Spieler“, die die ARD am Montagabend ausstrahlte. Doch selbst das klappt nicht wie geplant. Nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche über eine mögliche Jamaika-Koalition ändert das Erste sein Programm. Der ursprünglich zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr vorgesehene Becker-Film rutscht wegen „Brennpunkt“ und „Hart aber fair“ auf 22.20 Uhr und erreicht nur noch 2,31 Millionen Zuschauer (12,4 Prozent).

Die Autoren Hans-Bruno Kammertöns und Michael Welch begleiten seit Ende 2016 die öffentlichen Auftritte Beckers. Sie filmen in seinem Haus im Londoner Stadtteil Wimbledon und beobachten Beckers Frau Lilly beim Kochen, sie sind in den Ferien in Ibiza dabei oder bei einem Auftritt in der englischen Eliteuniversität Cambridge. Sie dürfen auch bleiben, wenn Becker auf dem OP-Tisch liegt.

„Wenn ich zurückblicke auf mein Leben, das macht man, glaube ich, zum ersten Mal mit 50 als Mann, dann habe ich mehr richtig gemacht als falsch“, sagt Becker. Am 7. Juli 1985 verzaubert er im Alter von 17 Jahren die Tenniswelt mit seinem ersten Wimbledon-Titel. Viele Jahre wird Becker einfach nur „der 17-jährige Leimener“ bleiben. Doch die grenzenlose Vereinnahmung ufert aus, so dass Becker in dem Film den Satz sagen wird: „Ich bin nicht euer Boris.“ Nicht mehr zumindest.

Becker trifft den Papst in Rom, schüttelt Lady Diana die Hand, spricht mit Bundeskanzler Helmut Kohl und wird ins Weiße Haus eingeladen. Er wird zu einer der wenigen deutschen Sportlegenden.

1986 und 1989 siegt er erneut auf dem Heiligen Rasen. Während seiner Karriere feiert er 49 Turniersiege, sechs Grand-Slam-Titel und klettert am 28. Januar 1991 auf Platz eins der Weltrangliste. 1988 und 1989 gewinnt Becker den Davis Cup für Deutschland. Doch nach dem Ende seiner Karriere folgen von der Öffentlichkeit ausgeschlachtete Affären im Privatleben. „Jeden Fehler, den ich gemacht habe, bereue ich. Aber wer ist fehlerlos?“, sagt Becker der Zeitschrift „Gala“.

Seit dem Sommer 2017 sorgen Meldungen über Beckers finanzielle Situation für Schlagzeilen. Nach seinem öffentlichen Auftritt in Ismaning Mitte Oktober gibt er noch zwei lange Interviews. In der Illustrierten „Gala“ plaudert er über seine Ehe, seine Kinder, seine Gesundheit und die Beziehung zu Deutschland. In der „Neuen Zürcher Zeitung“ spricht er erstmals detailliert über seine Schulden. Er räumt ein, dass gegen ihn privat ein Insolvenzverfahren laufe, sagt aber auch: „Es ist irrsinnig, zu glauben, ich sei pleite.“

Das Verhältnis der Deutschen zu ihrem „Bobbele“, wie er damals so gern genannt wurde, ist ambivalent bis angespannt. (Wie) kann das sein?, fragen sich viele Menschen. Erst als der Deutsche Tennis Bund ihn Ende September mit reichlich Tamtam und einer Erwähnung in der 20-Uhr-Tagesschau als Head of Men's Tennis im DTB vorstellt, steigen die Sympathiewerte in der öffentlichen Wahrnehmung an.

Becker trainiert nun tatsächlich wieder deutsche Tennisspieler. Er ist sich nicht zu schade, beim Davis Cup in Portugal den Platz abzuziehen. „Ihm macht das Spaß, er tut das wirklich gerne“, sagt einer, der Becker schon lange kennt und eine wichtige Funktion im DTB innehat. „Aber glauben Sie mir eins: Mit uns redet er auch nie über seine finanzielle Situation.“ In dem Film sagt Becker einmal: „Ich muss durchhalten. Ich wäre töricht, wenn ich meine Strategie erzählen würde. Aber das Ziel ist das gleiche: das Spiel zu gewinnen.“

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