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Impressionisten im Londoner Exil

London. Sie flohen vor Krieg, Zerstörung und Rebellion - und malten London in einem völlig neuen Licht. Französische Impressionisten in London zur Zeit des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 werden in einer neuen Ausstellung vorgestellt.

Persönliche Schicksale, der Tod von Freunden, Wehrpflicht und drohende Armut durch den Verlust von Wohnung, Ateliers und Bildern trieb zur Zeit des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 viele Pariser Künstler ins Exil nach London. 

Namen wie Claude Monet, Camille Pissarro, James Tissot und Alfred Sisley stehen für diese Bewegung. Ihnen ist die Ausstellung „Impressionisten in London: Französische Künstler im Exil 1870-1904“ in der Galerie Tate Britain gewidmet, die am 2. November eröffnet und bis zum 7. Mai 2018 gezeigt wird.

Mit ihren wachen Künstleraugen nahmen die europäischen Migranten, die damals noch völlig ohne Papiere einreisen konnten, das wahr, was örtlichen Künstlern keinen Pinselstrich wert war: Den dichten Nebel über der Themse und dem gerade wieder aufgebauten Parlament, die „soziale Interaktion“ in den großen Parks, wo das Betreten des Rasens nicht verboten war, sowie die sportlichen Traditionen von Kricket oder Segelregatten und das Leben der High Society.

„Sie malten ein radikal neues Bild von London - damals mit über drei Millionen Einwohnern die größte Stadt der Welt“, erläuterte Kuratorin Caroline Corbeau-Parsons. Für Tate Britain-Direktor Alex Farquharson ist die Schau ein Anstoß, über anglo-europäische Beziehungen nachzudenken. „Sie zeigt, dass Kunst immer einen internationalen Bezug hat und von Weltgeschehen und sozialen Umwälzungen beeinflusst wird.“

Anhand von mehr als 100 Bildern, Plastiken, Fotos und Dokumenten wird gezeigt, welche Faszination die neue Umwelt auf die Künstler ausübte. Die Tatsache, dass sich im Hyde Park und in Kew Gardens Bürger aller Schichten vergnügten - und statt auf den Wegen auf dem Rasen spazierten - entzückte Monet und Pissarro gleichermaßen. Sisley begeisterte sich für die Faszination mit Schiffen und Flaggen, und Tissot konzentrierte sich auf - und mokierte sich über - die Gewohnheiten der High Society.

Die Ausstellung zeigt außerdem Werke von Alphonse Legros sowie Plastiken von Rodin, Jean-Baptiste Carpeaux und Jules Dalou, die sich zu der Zeit alle in London aufhielten. Anhand bewegender Darstellungen von Tissot - Zeitzeuge der dreimonatigen preußischen Belagerung von Paris und dem Aufstand der Pariser Kommune und ihren Folgen - werden die Beweggründe für den Weggang der Künstler aus ihrem Heimatland geschildert. „Die Menschen aßen Haustiere, Ratten und Zootiere, um zu überleben“, schrieb er in einem Brief. „Wie Stoffpuppen“ stürzten die Körper exekutierter Kommune-Mitglieder von den Mauern herab.

Als krönender Höhepunkt werden in der Ausstellung sechs der berühmten Monet-Gemälde vom Londoner Parlament im Nebel zusammengeführt. Laut Tate Britain ist dies die größte Anzahl der noch 19 existierenden Gemälde, die seit 1973 unter einem Dach gezeigt werden. Die Leihgaben aus den USA, Frankreich und Deutschland tauchen das Motiv Monets in Farbtöne von blau, violett, orange und rot. Darunter sticht das Gemälde „Sonnenuntergang“ aus der Kunstgalerie Krefeld als Schlusslicht besonders hervor.

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