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Traumtermin im Zoo

In der Zoom - mit Hans im Glück

GELSENKIRCHEN Ein Leben ohne Tiere kann sich unsere Redakteurin Fenja Volkmann längst nicht mehr vorstellen: Während Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel und Katzen sie durch die Kindheit begleiteten, spielt ihr Pferd seit Jugendjahren die Hauptrolle. Kein Wunder also, dass der Gedanke an den Tierpfleger-Beruf nie ganz verschwunden ist. In diesem durfte sie sich nun zumindest ausprobieren – und hat dabei eine ganz besondere Begegnung gemacht.

In der Zoom - mit Hans im Glück

Charmant und zutraulich: Hans ist eine ganz besondere Giraffe. Foto: digital

Lange, schwarze Wimpern umranden die großen, dunklen Augen, die erwartungsvoll von oben auf mich hinabblicken. Sanft stupst Hans gegen meine Schulter – er fordert das Stückchen Knäckebrot, das ich in meiner Hand halte.

Bereitwillig reiche ich ihm die Köstlichkeit, die er so sehr liebt. Vorsichtig greift er mit seiner blau-schwarzen Zunge nach dem Leckerli – binnen Sekunden hat mich der stattliche Giraffenbulle mit seinem Charme in den Bann gezogen. „Er ist etwas ganz Besonderes“, sagt Nadine Wolff über ihren Schützling. Denn dass sich das Tier so gut entwickelt hat, grenzt an ein kleines Wunder. Nach der Geburt vor sechs Jahren hatte Mutter Jadranka ihr Kind verstoßen und beinahe zu Tode getreten. Nur das beherzte Eingreifen der Tierpfleger rettete dem kleinen Giraffenkalb damals das Leben und verhalf ihm zu seinem Namen „Hans im Glück“.

Auch wenn er in der Gruppe aufgewachsen ist, so hat er, anders als seine Artgenossen in der Herde, als Flaschenaufzucht keine Scheu vor Menschen. Ganz im Gegenteil: Hans fordert die Zuneigung seiner Pfleger regelrecht ein – an diesem Tag also auch ein wenig von mir. Beinahe wehmütig schaut er uns hinterher, als wir die Anlage verlassen. „Am liebsten möchte er hinter uns her“, sagt Nadine Wolff.

Stall fegen, Tränken säubern

Damit das nicht aus Versehen passiert, müssen wir immer genau darauf achten, dass alle Türen und Tore fest verschlossen und abgeriegelt sind – wäre ich alleine, wäre sicherlich schon mehr als ein Malheur passiert, denke ich.

Einige Stunden darf ich an der Seite der erfahrenen Pflegerin sein, bei der jeder Handgriff sitzt. Nachdem wir die Tiere in das großzügige Außengehege gelassen haben, wartet die Arbeit im Giraffenhaus: Gemeinsam fegen wir den Stall, säubern Tränken und steigen auf Leitern, um die Tröge zu schrubben. Mit Kurbeln lassen wir die Raufen aus luftiger Höhe hinab, um sie mit Luzerne, einem Kleegewächs, aufzufüllen. Die Giraffen, die eine Gesamthöhe von fünf Metern überschreiten können, sind nämlich typische Blattfresser, wie mich Nadine Wolff aufklärt. Damit sie etwas zum Knabbern haben, tragen wir zusätzlich große, schwere Äste herein und befestigen sie mit einem robusten Spanngurt an einer Säule. „So viel Mühe wir uns auch geben: In nur fünf Minuten haben sie das hier wieder auseinander gepflückt“, sagt die Tierpflegerin.

In der Zoom - mit Hans im Glück

Nadine Wolff (r.) ist seit 17 Jahren Tierpflegerin. Unserer Redakteurin zeigt sie, wie sie ihre Arbeit erledigen muss. Foto: digital

Kaum sind wir fertig, wartet bereits die nächste Aufgabe: Futter schnippeln. Kiloweise Obst und Gemüse müssen zerkleinert und portioniert werden. Mit einer Art Messer am Stiel werden Fenchel, Sellerie, Möhren und rote Beete in kleine Stückchen gehackt – was aber nicht allen Langhälsen zu schmecken scheint. Giraffenbulle Kijome bevorzugt etwas Feineres und bekommt seine Portion deshalb sorgfältig geschnitten. „Achte darauf, dass du die Kerne aus der Paprika entfernst“, ermahnt mich meine Chefin für einen Tag. „Die enthalten Blausäure, die sich bereits in geringen Mengen im Körper ablagert.“

Afrika-Erlebniswelt

Vergiften will ich natürlich keinen der Zoo-Bewohner, daher versuche ich, meinen Job ordentlicher zu erledigen. Aber weil mir die Routine fehlt, bin ich zu langsam. Das wiederum kostet wertvolle Zeit, die wir nicht haben. Schließlich warten auch noch die anderen Tiere darauf, von uns versorgt zu werden. Die insgesamt 14 Hektar große Afrika-Erlebniswelt ist gleich in mehrere Reviere aufgeteilt. Vom Erdmännchen bis zum Löwen können hier viele unterschiedliche Arten entdeckt werden. Sichtbare Barrieren gibt es im Zoom übrigens nicht, die Gehege werden von Wassergräben oder Felsen voneinander getrennt.

Die Pfleger arbeiten größtenteils im Hintergrund und versuchen, unauffällig zu bleiben. Trotzdem habe sich das Berufsbild über die Jahre mit Hinblick auf die Kundenorientierung verändert, erzählt Nadine Wolff. Früher habe sie sich ausschließlich um die Tiere gekümmert, heute sei sie auch Ansprechpartner für die Besucher und beantworte ihre Fragen – oder sie kümmert sich um Neugierige wie mich, die schon immer mal in ihren Beruf reinschnuppern wollten. Mit einer Handvoll Heuschrecken machen wir uns nun auf den Weg zu noch recht jungen Zoo-Bewohnern, den Zwergmangusten.

Schnell flitzen die kleinen Raubtiere umher, die den niedlichen Erdmännchen ähnlich sehen. Aus der Hand zu fressen trauen sie sich allerdings nicht. „Sie haben vor geraumer Zeit Jungtiere bekommen, weshalb wir noch nicht so großen Kontakt mit ihnen aufgenommen haben. Auch wir lernen sie gerade erst so richtig kennen“, so Nadine Wolff, die bereits seit 17 Jahren im Gelsenkirchener Zoo tätig ist. Dass in ihrem Job Langeweile aufkommt, lässt sich wohl nicht behaupten. Immer wieder wartet Neues auf sie und ihr Team.

Noch einmal bei Hans

Und dann scheinen wir doch interessant zu werden, oder zumindest unsere Füße. Flink werden die Schuhe markiert und sich ausgiebig an ihnen gerieben. Dann aber reicht es den Zwergen, und husch sind sie wieder in ihren Ecken verschwunden.

Bevor ich mich verabschieden muss, geht es zurück zu den Giraffen. Noch einmal darf ich zu Hans, in den ich mich ein wenig verliebt habe. Noch einmal nascht der Herzbube ein wenig Knäcke aus meiner Hand, bevor es für ihn und die anderen Fünf zurück ins Warme geht und die Antilopen nach draußen dürfen.

Es ist ein anstrengender, aber auch spannender und verantwortungsvoller Beruf, den ich im Zoom kennenlernen durfte. Vor allem aber ist es eine Erfahrung, die mich von Herzen glücklich gemacht hat. Sicherlich werde ich bei meinem nächsten Besuch etwas wehmütig an diesen Tag zurückdenken, wenn ich Hans und seine Gruppe nur aus der Distanz beobachten darf.

Schnupperkurs als Tierpfleger

Die Zoom-Erlebniswelt in Gelsenkirchen bietet samstags und sonntags einen vierstündigen Schnupperkurs als Tierpfleger an. Die drei Erlebniswelten Afrika, Asien und Alaska sind in insgesamt fünf Reviere unterteilt, in denen die Kurse stattfinden. Terminvereinbarung: mindestens zwei Wochen im Voraus unter Tel. (0209) 95450.

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