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Ist „No-Poo“ wirklich gut fürs Haar?

Hamburg. Naturkosmetik war lange Zeit ein Nischenprodukt. Mittlerweile stapeln sich die Tuben und Tiegel in den Drogerien. Der neueste Naturtrend fordert allerdings den kompletten Verzicht - etwa auf Haarshampoo. Experten sehen durchaus Vorteile darin.

Ist „No-Poo“ wirklich gut fürs Haar?

Vor allem wer langes Haar hat, braucht die richtige Pflege. Meist besteht sie aus Shampoo und einer Spülung. Doch es geht auch ohne. „No-Poo“ heißt dieser Trend. Foto: Carlos Hernandez/Westend61/dpa-tmn

Erstmal klingt es ganz schön eklig: Anhänger des „No-Poo“-Trends benutzen kein Shampoo mehr. Auch Pflegespülung und Kuren kommen ihnen nicht ins Haar. Auf den ersten Blick mag das gewöhnungsbedürftig sein - bei näherem Hinsehen findet man aber durchaus gute Gründe für den Verzicht.

Haare machen heute eine Menge mit. Sie werden gefärbt oder getönt, bekommen Strähnchen, werden geglättet oder gelockt und bekommen Festiger, damit die Pracht auch hält. Darüber hinaus werden sie fast täglich gewaschen.

Die Kölner Dermatologin Uta Schlossberger kennt die Probleme, die durch moderne Pflegerituale entstehen können:  „Konventionelle Shampoos enthalten viele künstliche Inhaltsstoffe, die unsere Kopfhaut irritieren oder sogar nachhaltig schädigen können.“ Synthetische Parfümstoffe etwa können Allergien auslösen. Tenside beeinflussen manchmal den pH-Wert der Kopfhaut. Der absurde Effekt: Die Haare fetten umso schneller nach, je öfter man sie wäscht.

Der „No-Poo“-Trend setzt genau da an. Durch den bewussten Verzicht auf gängige Pflegemittel soll das Haar wieder in seinen natürlichen Zustand versetzt werden. Das kann ganz unerwartete Effekte haben, erklärt Naturfriseurin Anja Geisler, die in Münster den Salon „Lockvogel“ betreibt: „Die Haarqualität, aber auch der Zustand der Kopfhaut verbessern sich, feines Haar bekommt mehr Volumen und dickes Haar wird weicher.“

Allerdings bedeutet „No-Poo“ nicht den kompletten Verzicht auf Pflege. Anja Geisler rät, die Haare mit einer Bürste zu pflegen, die aus Naturhaaren wie etwa Wildschweinborsten gefertigt ist. „Das reinigt Haar und Kopfhaut von Schmutz und Staub.“

Auch abseits des Bürstens muss auf Pflege nicht komplett verzichten, wer kein Shampoo mehr benutzen möchte. Schlossberger schlägt einen kleinen Fahrplan für „No-Poo“-Neulinge vor: „Nach ein paar Tagen mit Wäsche nur mit Wasser benutzt man Backpulver, das die Kopfhaut durch das enthaltene Natron ganz natürlich reinigen soll.“ Wer mag, kann die Haarspülung durch Apfelessig ersetzen, der die Haare weich und geschmeidig macht. Dafür wird verdünnter Apfelessig über die Haare gegeben. Aber Achtung: Vor allem bei der Wäsche, aber auch danach, riecht Essig sehr stark. Also unbedingt auf ausreichende Verdünnung achten.

Umzusetzen ist der Verzicht auf Shampoo also ganz einfach - nur leicht ist das ganz und gar nicht. Vor allem die ersten Wochen sind eine echte Belastungsprobe. Nicht nur, weil man das gewohnte Pflegeritual vermisst, sondern auch, weil sich das Haar erst einmal umstellen muss. Die Kopfhaut produziert häufig deutlich mehr Talg, was die Haare fettig aussehen lässt. Hinzu kommt eine unschöne Schüppchenbildung. Diese Umgewöhnungsphase kann von einem Monat bis zu einem halben Jahr dauern, sagt Geisler.

„No-Poo“ ist zudem nicht für jeden geeignet, gibt der Hamburger Dermatologe Frank-Matthias Schaart zu bedenken. Manche Menschen neigen zu Kopfschuppen und gereizter Kopfhaut. „Liegt eine Veranlagung zu diesem sogenannten seborrhoischen Ekzem vor, ist die Anwendung eines medizinischen Shampoos mit einer Anti-Pilz-Substanz unbedingt erforderlich“, betont der Spezialist für Haarprobleme. Wer diese wichtige Behandlung weglässt, riskiert eine massiv juckende Schuppenkruste auf der Kopfhaut, die nach und nach zu Haarausfall führt.

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