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Jemens Ex-Langzeitherrscher Saleh getötet

Sanaa. Drei Jahrzehnte lang bestimmte Ali Abdullah Saleh die Politik des Jemens. Auch nach seinem Sturz blieb er einflussreich. Jetzt töteten ihn Kämpfer, mit denen er bis vor kurzem verbündet war.

Jemens Ex-Langzeitherrscher Saleh getötet

Jemens ehemaliger Präsident Ali Abdullah Saleh während einer Massenkundgebung zum 35. Jahrestag des Bestehens seiner Partei "Allgemeiner Volkskongress" im August 2017 in Sanaa. Foto: Hani Al-Ansi

Nur wenige Tage nach seinem überraschenden Kurswechsel in Jemens Bürgerkrieg ist Ex-Langzeitherrscher Ali Abdullah Saleh von seinen früheren Verbündeten getötet worden.

Kreise aus Salehs Partei erklärten am Montag, nahe der Hauptstadt Sanaa habe eine Kugel der schiitischen Huthi-Rebellen den Kopf des früheren Präsidenten getroffen, wie der TV-Sender Al-Arabija meldete.

Aus Huthi-Kreisen hieß es, Saleh sei bei Zusammenstößen mit den Rebellen ums Leben gekommen. Der Anführer der Rebellen, Abdel Malik al-Huthi, erklärte in einer TV-Ansprache, es sei eine „große Verschwörung“ zwischen Saleh und dem von Saudi-Arabien geführten Militärbündnis zum Scheitern gebracht worden.

Im Internet kursierte ein Video, das den Leichnam des Ex-Staatschefs zeigen soll. Beobachter gingen davon aus, dass es sich dabei tatsächlich um die sterblichen Überreste Salehs handelte.

Die Vorgänge im Jemen seien „zutiefst verstörend“, ließ UN-Generalsekretär António Guterres am Montag in New York über seinen Sprecher ausrichten. Der Tod von Saleh „fügt eine neue Ebene der Komplexität zu einer jetzt schon schwierigen Situation hinzu“ und „eine neue Ebene des Leidens, besonders für die Menschen in Sanaa“.

Der 75-jährige Saleh hatte als Präsident über mehr als drei Jahrzehnte die Politik des bettelarmen Landes bestimmt. 2012 wurde er im Zuge der Aufstände in der arabischen Welt nach Massenprotesten und monatelangen Machtkämpfen gestürzt. Trotzdem blieb Saleh einer der einflussreichsten Politiker des Landes. Große Teile der Armee leisteten ihm weiter Gefolgschaft.

In den vergangenen Jahren gingen Saleh und seine Anhänger an der Seite der schiitischen Huthi-Rebellen gegen die international anerkannte Regierung vor. Die Koalition war bemerkenswert, weil Saleh einst als Präsident gegen die Huthis gekämpft hatte. Doch das Zweckbündnis konnte seit 2014 große Teile des Landes unter Kontrolle bringen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Der international anerkannte Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi floh ins Exil nach Saudi-Arabien.

Mehrfach aber gab es Berichte über Spannungen zwischen den Huthis und Saleh. Vor einigen Tagen brachen dann Kämpfe zwischen den bisherigen Verbündeten aus. Saleh zeigte sich am Wochenende schließlich sogar offen für Gespräche mit der Regierung. Er wolle „eine neue Seite“ in dem Konflikt aufschlagen, erklärte er. Darin sahen Beobachter eine mögliche Wende in dem rund dreijährigen Bürgerkrieg.

Dieser hat Auswirkungen auf die gesamte Region, weil er sich vor langem in einen Stellvertreterkonflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und seinem schiitischen Erzrivalen Iran verwandelt hat. Ein von den Saudis angeführtes Bündnis bombardiert seit bald mehr als zwei Jahren Huthi-Stellungen aus der Luft. Riad geht es darum, den Einfluss des Irans zurückzudrängen, der die Rebellen unterstützt.

Nicht zuletzt die Militärintervention hat im Jemen eine der weltweit schlimmsten humanitären Katastrophen verursacht. Mehr als 20 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, weil Wasser und Nahrung fehlen. Im Land grassiert eine Cholera-Epidemie. Wegen einer Blockade des saudischen Bündnisses kommt jedoch zu wenig Hilfe ins Land. UN-Chef Guterres forderte ein Ende aller Luft- und Bodenangriffe. Die schweren Kämpfe verhinderten die Versorgung von Verletzten und Kranken, außerdem fesselten sie die Bevölkerung ohne Lebensmittel und Treibstoff an ihr Zuhause.

Das von den Huthi-Rebellen kontrollierte Innenministerium in Sanaa teilte am Montag mit, die „Krise der Verräter-Milizen“ sei jetzt beendet und ihr Anführer getötet worden. In der Nacht zuvor hatte es schwere Kämpfe in der Hauptstadt gegeben, das saudische Bündnis flog zahlreiche Luftangriffe, wie Augenzeugen berichteten.

Der politische Machtkampf im Jemen trete nun in eine neue Phase, schrieb die Golfexpertin der Londoner Denkfabrik Chatham House, Jane Kinninmont, auf Twitter. „Der Verlust von Salehs Führerschaft und Finanzen könnte die Huthis abhängiger vom Iran machen.“

Jemens Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman twitterte, Saleh habe ein „tragisches Ende“ genommen, das „wir ihm bei der friedlichen Revolution so niemals gewünscht hatten, aber 'Du erntest, was du säst'“.

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