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Jubel in Harare: „Ich dachte, er wäre unsterblich“

Harare. Es ist vorbei. Robert Mugabe hat sich bis zuletzt an die Macht geklammert. Ein Militärputsch leitete seinen Niedergang ein. Für Simbabwe bricht eine neue Ära an.

Jubel in Harare: „Ich dachte, er wäre unsterblich“

Menschen feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare den Rücktritt Mugabes. Foto: Ben Curtis

Der Jubel markiert den Beginn einer neuen Ära: In den Straßen von Simbabwes Hauptstadt herrscht scheinbar grenzenlose Freude. Tausende Menschen tanzen, singen, umarmen sich - und viele haben Freudentränen in den Augen.

„Der Diktator ist weg“, skandierten viele im Zentrum von Harare. „Wir sind einfach so froh“, sagte Sheila Chairs, scheinbar überwältigt. „Ich kann es gar nicht erklären; dieser Mann hat unsere Leben ruiniert“, sagte die 26-Jährige. Ein Software-Ingenieur jubelte: „Jetzt werden sich die Dinge in Simbabwe ändern, Arbeitslose werden wieder Jobs finden.“

Die meisten Menschen in Simbabwe haben nie einen anderen Präsidenten als Robert Mugabe gekannt: Er hielt sich 37 Jahre lang an der Macht, wirtschaftete das Land herunter und regierte mit zunehmend harter Hand. Auch mit 93 Jahren plante er schon für seine nächste Amtszeit, um die er sich nächstes Jahr bewerben wollte. Er klammerte sich an die Macht. Doch der Militärputsch vom vergangenen Mittwoch machte ihm einen Strich durch die Rechnung: Sobald klar war, dass die Armee Mugabes skrupellosen Sicherheitsapparat im Zaum hielt, sagten sich seine Anhänger in Windeseile von ihm los.

Nach Anbruch der Dunkelheit sind die Straßen Harares normalerweise ganz schnell leer. Doch an diesem geschichtsträchtigen Tag schienen sie in der Innenstadt von Harare mit jeder Minute voller zu werden. Freudenschreie hallen durch die Nacht, Musik dröhnt aus Lautsprechern und Handys, überall schwenken Menschen die farbenfrohe Flagge Simbabwes. Die Menschen setzen auf eine Wiedergeburt ihres einst stolzen Landes. „Wir stecken seit Jahren in Schwierigkeiten. Ich kann gar nicht darauf warten, morgen dass erste Mal Tageslicht zu sehen, ohne Mugabe als Präsident“, sagte Benjamin Serena, der vor dem Parlament in Harare feierte. Der Tag von Mugabes Rücktritt solle der neue Nationalfeiertag werden, scherzte er.

„Die Ekstase und Freude in den Straßen von Harare ... vermittelt einen Eindruck davon, was es heißt, unter einem Diktator zu leben“, erklärte Analyst Charles Laurie von der Risikoberatung Verisk Maplecroft. „Als ich es gehört habe, habe ich geweint. Ich kann es immer noch nicht glauben“, sagte Lyle Peters. „Ich dachte, ich würde es nicht mehr erleben“, sagte der 38-Jährige. „Ich dachte, er wäre unsterblich.“

Viele der Jubelnden machten auch Selfies mit den Soldaten, die seit dem Militärputsch im Zentrum von Harare stationiert sind. Die Soldaten hoen sogar Kinder auf ihre gepanzerten Fahrzeuge und feierten mit. „Wir sind so froh, dass das Militär eingeschritten ist“, sagte auch Peters. Mugabe habe so viele Leben zerstört und unzählige Simbabwer aus Mangel an Perspektiven in der Heimat in die Flucht getrieben. „Ich bin mir sicher, dass die Leute die ganze Nacht feiern werden.“

In der Euphorie des Abends blieb zunächst noch unklar, wie es nun in Simbabwe weitergehen würde. Die Regierungspartei Zanu-PF und die Putschisten wollen wahrscheinlich den vor Kurzem von Mugabe geschassten Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa (75) zum Nachfolger küren. Der unter dem Spitznamen „das Krokodil“ bekannte Mnangagwa gilt als Hardliner und ist seit Jahrzehnten führendes Mitglied der politischen Elite. Seine Beziehung zu Mugabe bezeichnete er noch diesen Monat als eine wie von „Vater und Sohn“. Ob er die Hofffnung für einen kompletten Neuanfang erfüllen kann, ist daher zweifelhaft. Die meisten Menschen hoffen jedoch, dass er nur übergangsweise die Macht halten wird, bis die für 2018 ohnehin geplanten Wahlen abgehalten werden können. Das fordert auch Simbabwes Opposition.

Die Militärführung wollte Mugabe nicht mit Gewalt aus dem Amt drängen: Die Generäle verehren ihn immer noch als Freiheitskämpfer, der dabei geholfen hat, das weiße Minderheitsregime zu überwinden und Simbabwe 1980 in die Unabhängigkeit zu führen. Anzunehmen ist daher, dass Mugabe vor seiner Rücktrittserklärung Garantien des Militärs für seine Sicherheit und die seiner Familie bekommen hat.

Dass es kein Zurück mehr gab, muss Mugabe geahnt haben, als am Samstag Zehntausende Simbabwer ausgelassen seinen Rücktritt forderten. Der spontane Massenprotest ist aber auch ein Signal an die Generäle und Mugabes Nachfolger: Die Menschen sind aufgewacht, sie fordern jetzt ihre Rechte. Gloria Teya, ein 25-jährige Universitätsabsolventin, die bislang arbeitslos war, kann es kaum glauben: „Nachdem ich mein ganzes Leben unter Mugabes schlechter Führung gelebt haben, kann ich jetzt sagen: Ich bin frei!“

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