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Keine Schlaflos-Qualen für Löw: „Wissen, was zu tun ist“

Köln. Bundestrainer Löw stuft die WM-Tests gegen Frankreich und England als gelungen ein. Auch ohne Sieg nimmt er wichtige Erkenntnisse mit. Die Offensiv-Palette ist größer, ein WM-Held zurück, ein Ersatz-Torhüter überzeugt. Der Grat auf dem Weg zum Doppeltitel aber bleibt schmal.

Keine Schlaflos-Qualen für Löw: „Wissen, was zu tun ist“

Toni Kroos (r) nimmt dem Franzosen Kylian Mbappe den Ball ab. Foto: Roland Weihrauch

Schlaflose Nächte werden Joachim Löw in der langen Winterpause nicht quälen. Auch die WM-Testspiele „auf Augenhöhe“ gegen die jungen Wilden aus Frankreich und England hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ohne Crash überstanden.

„Wir sind fußballerisch mit Frankreich und einigen anderen Nationen auf höchstem Niveau“, urteilte der Bundestrainer, den auch fehlende Offensiv-Effizienz beim 0:0 in London und einige Defensiv-Lücken beim 2:2 zum Jahresabschluss in Köln nicht aus der Ruhe bringen können. „Warum soll ich mir Sorgen machen? Ich mache mir Gedanken. Ich weiß, dass wir uns in einigen Dingen einspielen müssen“, sagte Löw.

Einige „wichtige Erkenntnisse“ für das ambitionierte Unternehmen Titelverteidigung im kommenden Sommer in Russland nimmt der Weltmeistercoach mit ins WM-Jahr. Die Konkurrenz ist erstarkt, wie die neue französische Spielergeneration um den Doppeltorschützen Alexandre Lacazette und Jungstar Kylian Mbappé beim unterhaltsamen Kölner Abend vor nur 36.948 Zuschauern bewies. Aber auch das eigene Team wähnt Löw auf einem guten Weg. Das Ausgleichstor von Lars Stindl in der Nachspielzeit konservierte das Gefühl, dass man schwer zu schlagen ist. „Es ist schön, wenn man in der 90. Minute den Ausgleich erzielt und das Jahr so beendet“, betonte Löw und lächelte.

„Wir wissen ganz genau, was wir zu tun haben“, sagte der DFB-Chefcoach zum WM-Feinschliff im kommenden Jahr mit weiteren Tests gegen die Big Player Spanien und Brasilien im März sowie dem für Löw entscheidenden Trainingscamp in Südtirol. „Mich macht nichts mehr nervös – nicht wenn Unruhe aufkommt, wenn wieder von irgendwelchen Baustellen gesprochen wird, wenn wir Verletzte haben oder die Testergebnisse nicht stimmen“, bemerkte der Bundestrainer.

Auch seine Spieler nehmen ein gutes Gefühl mit ins WM-Jahr, das von nun 21 Spielen ohne Niederlage gespeist wird. „Ich finde, mit so einem Gefühl herauszugehen, noch ein Tor zu machen, ist wichtig“, sagte Real-Madrid-Profi Toni Kroos. Torwart Kevin Trapp bewies trotz fehlender Spielpraxis bei seinem Club Paris Saint-Germain, dass er eine exzellente Leistung bieten kann, wenn es darauf ankommen sollte. Noch bleibt unklar, ob der schon lange verletzte Kapitän Manuel Neuer in den verbleibenden sieben Monaten bis zur WM wieder fit wird. Marc-André ter Stegen wäre der erster Stellvertreter vor Trapp.

Ebenfalls eine positive Erkenntnis aus dem Jahr 2017: Die Offensiv-Palette ist wieder größer geworden für Löw. Der Leipziger Timo Werner markierte gegen Frankreich im zehnten Länderspiel schon sein siebtes Tor. „Er ist mit seinen Wegen immer gefährlich, hat ein super Jahr hier gehabt“, lobte Löw. Als anderer Stürmertyp steht Sandro Wagner bereit. Und WM-Siegtorschütze Mario Götze trug nach 364 Tagen in Köln erstmals wieder das Adler-Trikot.

„Er ist auf einem guten Weg. Er hat keine einfachen Jahre hinter sich. Er wird besser und besser, aber er braucht noch ein bisschen“, sagte der Bundestrainer. Der 25 Jahre alte Götze fühlt sich nach halbjähriger Zwangspause wegen einer Stoffwechselerkrankung inzwischen wieder „sehr gut“. Generell habe er „ein sehr gutes Gefühl, gerade nach so einer langen Zeit. Dass ich nochmal ein Assist geben konnte, war umso besser“, bemerkte der Dortmunder.

Dennoch bleibt der Weg zum zweiten WM-Titel nacheinander - das schaffte bisher nur Brasilien 1958 und 1962 - ein schmaler Grat. WM-Kandidaten wie Niklas Süle, Emre Can, Antonio Rüdiger, Marvin Plattenhardt, Marcel Halstenberg oder Julian Brandt fehlt noch ein ganzes Stück zur internationalen Spitzenklasse. Götze, Ilkay Gündogan und der im Moment erneut angeschlagene Jérôme Boateng müssen nach ihren Comebacks erst ihr Spiel stabilisieren.

„Wenn du jetzt alle Spiele gewinnst, spielt es bei der WM nicht so eine Rolle“, weiß auch Löw. „Was man bei einem Turnier braucht, ist mentale Stärke und körperliche Robustheit. Die Spiele in der K.o.-Runde stehen alle auf der Kippe. Ein 7:1 wie gegen Brasilien in einem Halbfinale wird es nicht mehr geben. Da entscheiden kleine Dinge.“ Im März kann das gegen die Ex-Weltmeister Spanien und Brasilien noch einmal geprobt werden. „Für uns sind das gute Tests auf hohem Niveau. Aber mit einem WM-Viertelfinale hat das nichts zu tun“, betonte Mittelfeld-Lenker Kroos.

Für den Bundestrainer geht das WM-Tuning schon in zwei Wochen mit der Reise nach Moskau weiter. Das erste Länderspiel-Jahr ohne Niederlage seiner Ära spielt dann schon keine Rolle mehr. In berühmten Kreml werden die WM-Gruppen ausgelost. Für Löw ein „immer spannender“ Termin: „Dann wissen wir, wer die Gegner sind und auf wen wir uns einstellen müssen.“

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