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„Kinky Boots“ erobert Hamburger Reeperbahn

Hamburg. Es geht um Freundschaft, Toleranz und High Heels: Das schrille Musical „Kinky Boots“ begeistert bereits seit Jahren in New York und London. Jetzt fragt Hamburg: „Are You Ready To Get Kinky?“

„Kinky Boots“ erobert Hamburger Reeperbahn

Das bunte Ensemble des Musicals „Kinky Boots“ in Hamburg. Foto: Johan Persson/Stage Entertainment

Nach zwei Stunden und 20 Minuten hält es niemanden mehr auf seinem Sitz: „Komm, steh auf, sei Du und steh' dazu“ singen die Darsteller auf der Bühne - teils in schrillen Kostümen und hochhackigen Stiefeln - und der Saal tobt und tanzt mit.

Nach Stationen am New Yorker Broadway und am Londoner West End feierte das Dragqueen-Musical „Kinky Boots“ am Sonntagabend Deutschland-Premiere im Operettenhaus auf der Hamburger Reeperbahn. Auch Poplegende Cyndi Lauper (64, „Girls Just Want to Have Fun“) wollte sich die Vorstellung ihres Musicals nicht entgehen lassen: „Es geht darum, die Menschen für Toleranz zu begeistern“, meinte die Sängerin.

In dem Musical nach dem gleichnamigen Film von 2005 erbt Charlie Price von seinem Vater eine heruntergekommene Schuhfabrik in der englischen Provinz. Als er durch Zufall die Dragqueen Lola kennenlernt, finden die beiden die Nische, die die Firma retten soll: schrille, modische und zugleich stabile Schuhe und Stiefel für Dragqueens - Kinky Boots. Doch bevor die beiden zusammen mit den Arbeitern der Fabrik und Lolas Dragqueen-Freundinnen ihren Siegeszug auf einer Mailänder Modenschau feiern können, müssen sie noch gegen etliche Vorurteile und ihre eigenen Ängste kämpfen.

Der US-Autor Harvey Fierstein hat aus dem englischen Film, der auf einer wahren Begebenheit beruht, eine heitere, aber auch nachdenkliche Geschichte über das oft schwierige Verhältnis von Vätern zu ihren Söhnen geschrieben. Sowohl Charlie (Dominik Hees) als auch Lola (Gino Emnes) müssen lernen, ihren eigenen Weg zu gehen und sich von den Erwartungen ihrer Väter und ihrer Mitmenschen zu befreien. Höhepunkt dieser Erkenntnis ist die einfühlsame Ballade „Nie dieser Sohn“, die beide in einem bewegenden Duett vortragen. „Wir alle laufen herum mit diesen Wunden, und Du musst sie heilen, wenn Du weiterkommen willst“, sagte Fierstein dazu.

Das mit sechs Tony Awards ausgezeichnete Musical lebt von dem Gegensatz zweier unterschiedlicher Welten: Auf der einen Seite die frustrierten Fabrikarbeiter in der englischen Provinz, die sich nur langsam mit dem Gedanken anfreunden können, schrille Schuhe für Dragqueens zu produzieren und auf der anderen Seite die extravagante Lola mit ihren „Angels“, die die biedere Provinz so richtig aufmischen. In eindrucksvollen Bühnenbildern - mal triste Fabrik, mal tosender Boxring, mal glamouröser Laufsteg - und einer rasanten Regie lässt der Regisseur Jerry Mitchell diese beiden Welten aufeinanderprallen - bis sie sich im Finale wunderbar ergänzen.

Passend dazu hat die Popikone Cyndi Lauper mitreißende Tanzhits und soulige Balladen geschaffen. Ob der hinreißende Gino Emnes im roten Glitzerfummel als Lola „Das Land von Lola“ anpreist oder der ebenso überzeugende Dominik Hees als Charlie verzweifelt „Einen wahren Mann“ sucht, beide gehen in ihren so unterschiedlichen Rollen auf. Auch Jeannine Wacker als Fabrikarbeiterin Lauren, die heimlich in Charlie verliebt ist, hat ihren großen Auftritt mit dem Song „Die Liste falscher Kerle“. Benjamin Eberling gibt herrlich authentisch den Fabrikarbeiter Don, der seine Vorurteile erst noch ablegen muss.

Für Stimmung nicht nur auf der Bühne sorgen die eingängigen Hit-Nummern „Everybody Say Yeah“ und die Schluss-Nummer „Komm steh auf, sei Du“, wenn das komplette Ensemble singt und tanzt. Könnte sein, dass Hamburgs berühmteste Dragqueen Olivia Jones recht behält: „Wenn ein Musical nach St. Pauli passt, dann ist es "Kinky Boots"! Es geht darum, das Leben zu feiern. Toleranz, Respekt, das ist ja das, was auf St. Pauli gelebt wird.“

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