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Klarheit in Moskau: Quartierfrage für Löw wichtiger als Lose

Berlin. Wenn am Freitag in Moskau die WM-Gruppengegner gezogen werden, entscheidet sich auch die Wahl des WM-Quartiers für das deutsche Fußball-Nationalteam. Für Bundestrainer Joachim Löw eine zentrale Frage und wichtiger als die WM-Lose: Sotschi oder Moskau?

Klarheit in Moskau: Quartierfrage für Löw wichtiger als Lose

Das Weltmeisterteam von Bundestrainer Joachim Löw ist bei der WM-Auslosung natürlich gesetzt. Foto: Christian Charisius

Ohne größere Aufregung startet Joachim Löw zu seiner letzten Auslands-Dienstreise des Jahres.

Während die Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor allem darauf warten, mit welchen Gegnern es der Weltmeister im Sommer 2018 beim Unternehmen Titelverteidigung zu tun bekommt, denkt der Bundestrainer schon einen Schritt weiter als bis zur Gruppenauslosung am Freitag (16.00 Uhr) im Moskauer Kreml. „Man kann sich nicht nur gezielt auf die ersten Gegner vorbereiten. Man weiß dann auch, welchen Weg man beim Turnier geht“, sagte Löw. Denn die Vorrunde soll nur der Beginn von möglichst sieben Spielen bis zum Finale in Russland sein.

Ein ganz wesentlicher Punkt für Löw: „Wir können uns entscheiden, welches Camp wir nehmen.“ Zwei Optionen hat der Deutsche Fußball-Bund vorbereitet: Entweder das Basiscamp wird im warmen Sotschi am Schwarzen Meer aufgeschlagen. Oder der DFB-Tross bezieht ein Hotel am Rande Moskaus. In der russischen Hauptstadt finden mit Abstand die meisten Spiele statt. Die Wahl des Teamhotels hat für die Sportliche Leitung eine zentrale Bedeutung, denn die Logistik kann im großen Russland auch sportliche Entscheidungen beeinflussen.

„Es gibt eklatante Unterschiede in den Reisezeiten zwischen Moskau und Sotschi. Es gibt Gruppen, da sind die Flugzeiten doppelt so lang wie in anderen“, bemerkte Oliver Bierhoff, der wie Löw bei der Auslosung in Moskau dabei sein wird. Der Teammanager hat bereits sechs große Turniere organisiert. Russland wird ihn nochmals vor eine besondere Herausforderung stellen. Zwischen Sotschi als südlichstem Spielort und St. Petersburg im Norden liegen knapp 2000 Kilometer. Zwischen Kaliningrad an der Ostsee und Jekaterinburg an der Grenze zu Asien sind es sogar 2500 Flugkilometer.

Löws Favorit ist wohl Sotschi, da er dort im Sommer beim Confed-Cup-Sieg mit seinem Perspektivteam gute Erfahrung gesammelt hat. „Jogi mag das gute Wetter. Für die Stimmung bei einem Turnier ist das sehr wichtig“, sagte Bierhoff. Und nicht erst seit dem legendären Campo Bahia in Brasilien wisse man: „Natürlich ist es hilfreich, wenn du auf der Terrasse sitzen kannst.“ Allerdings ergänzte Bierhoff auch: „Sotschi ist der Ort der langen Wege. Es ist ein Aspekt, wenn du von sieben Spielen mindestens zwei in Moskau hast. Es ist aber auch die Frage, wie weit sind die Wege in Moskau, zum Trainingsplatz, zum Flughafen und zum Stadion.“

Lange Reisen gehörten immer zum Turnierprogramm für Löw und sein Team. Nicht immer war die Quartierwahl optimal. Bei der EM 2008 wählte der Verband ein Quartier im schweizerischen Ascona, musste dann schon in der Gruppenphase gleich zweimal ins österreichische Klagenfurt reisen. Bei der WM 2010 in Südafrika sorgte ein Hotel 50 Kilometer abgelegen vom kalten Johannesburg für einige Diskussionen.

Bei der EM 2012 ging es vom polnischen Danzig zu allen drei Gruppenspielen in die Ukraine. Vier Jahre später waren die langen Busfahrten von Évian-les-Bains am Genfer See zum Flughafen unbeliebt beim Team. Aber der WM-Triumph 2014 zeigte auch, dass lange Reisen den Erfolg nicht behindern müssen. „Campo Bahia war reisetechnisch auch nicht immer so einfach“, erinnerte Bierhoff.

„Dass wir gewisse Maßstäbe haben, ist klar“, sagte der Teammanager, der sich durch Auflagen des Weltverbandes FIFA in einigen Entscheidungen eingeschränkt sieht. „Wir haben während des Turniers keine Gestaltungsmöglichkeiten. Man hat viele Verpflichtungen. Das macht es ein bisschen komplexer.“ Es gebe mehrere Aspekte, die zudem zu berücksichtigen seien, sagte Bierhoff: „Medienzentrum, Trainingsplatz, Hotel für die Delegation und die mitreisenden Angehörigen.“ Eine Entscheidung gibt es so erst nach den WM-Losen.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist bei der Auslosung der WM-Gruppen am Freitag (16.00 Uhr) in Moskau als Spitzenreiter der FIFA-Weltrangliste im Topf der besten Teams gesetzt.

Ausgeschlossen sind damit Vorrunden-Duelle mit den Teams aus Brasilien, Portugal, Argentinien, Belgien, Polen und Frankreich sowie Gastgeber Russland. Möglich ist hingegen ein frühes Aufeinandertreffen mit Spanien oder England, die beide mit sechs weiteren Teams in Topf 2 eingeordnet wurden. Die WM-Regeln besagen, dass in jede der acht Gruppen mindestens eine und höchstens zwei Teams aus Europa gelost werden können. Gruppenspiele von zwei Teams aus einer der anderen fünf Konföderationen - wie zum Beispiel Brasilien (Topf 1) und Uruguay (Topf 2) - sind ausgeschlossen.

Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland in der Gruppenphase auf Uruguay, Kolumbien oder Peru trifft, da diese Teams aus Topf 2 nicht in die Gruppe von Brasilien oder Argentinien gelost werden können. Eine mögliche schwere Konstellation wäre für die DFB-Elf Spanien, Senegal und Japan, eine denkbar leichte hingegen Peru, Iran und Panama.

Ein schlechtes Omen ist eine harte Auslosung aber nicht. Seit 2006 wurde immer ein Team Weltmeister, das die laut Weltranglistenposition aller vier Teams schwerste Gruppe erwischte, berichtete die FIFA auf ihrer Homepage. 2006 hatte es Italien mit den USA, Ghana und Tschechien zu tun, 2010 setzte sich Spanien gegen Chile, die Schweiz und Honduras durch, und 2014 spielte Deutschland zunächst gegen Portugal, Ghana und die USA.

Die Lostöpfe bei der WM-Auslosung: 

Topf 1: Russland (Gastgeber), Deutschland (Weltranglistenplatz 1*), Brasilien (2), Portugal (3), Argentinien (4), Belgien (5), Polen (6), Frankreich (7)

Topf 2: Spanien (8), Peru (10), Schweiz (11), England (12), Kolumbien (13), Mexiko (16), Uruguay (17), Kroatien (18)

Topf 3: Dänemark (19), Island (21), Costa Rica (22), Schweden (25), Tunesien (28), Ägypten (30), Senegal (32), Iran (34)

Topf 4: Serbien (38), Nigeria (41), Australien (43), Japan (44), Marokko (48), Panama (49), Südkorea (62), Saudi-Arabien (63)

*Die Weltranglistenplätze beziehen sich auf die maßgebliche FIFA-Rangliste vom Oktober

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