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Klimakonferenz einigt sich nach langem Ringen in Geldfragen

Bonn. Die Klimakonferenz in Bonn hat eine riesige Zettelwirtschaft erzeugt. Ein Jahr haben die Verhandler nun Zeit, daraus ein Regelwerk für das Pariser Klimaabkommen zu machen. Das soll dann ausgerechnet im Kohleland Polen vereinbart werden.

Klimakonferenz einigt sich nach langem Ringen in Geldfragen

Blickfang: Vertreter der Fidschi-Inseln machen bei der Weltklimakonferenz in traditioneller Kleidung auf ihre Probleme mit dem steigenden Meeresspiegel aufmerksam. Foto: Oliver Berg

Verheerende Tropenstürme, die angekündigte Abkehr der USA aus dem Klimaschutzabkommen von Paris und der Kampf beim Thema Kohle: Die Sorgen der armen und reichen Länder sind bei der Weltklimakonferenz in Bonn so heftig wie kaum zuvor aufeinandergeprallt.

„Unsere Existenz ist bedroht“, sagte Tafue Lusama, Präsident des Roten Kreuzes im Inselstaat Tuvalu. Ein schon oft gehörter Satz. Doch Lusama bezog sich diesmal nicht nur auf den steigenden Meeresspiegel, sondern auch auf die stärker werdenden Zyklone. Außerdem sei Regen sehr unvorhersehbar geworden - mit Auswirkungen auf die Landwirtschaft, wie sie auch viele andere Länder spüren.

„Die Extremwetter betreffen das ganze Land und die Nahrungssicherheit“, sagte auch ein Mitglied der Konferenzpräsidentschaft von Fidschi, Deo Saran. Das sei derzeit auf Fidschi schlimmer als der Anstieg des Meeresspiegels - obwohl auf einer Insel schon Menschen in höhere Regionen ziehen mussten.

Die Kanzlerin eines der reichsten Länder der Erde, Angela Merkel, erklärte im Konferenzplenum den Vertretern von 195 Staaten, wie schwierig es für Deutschland sei, klimaschädliche Kohlekraftwerke zu schließen. Da gehe es „auch um soziale Fragen und Arbeitsplätze“, sagte sie. Und es klang fast entschuldigend: „Ich will Ihnen nur sagen, dass auch in einem reichen Land wie wir es sind, darüber natürlich erhebliche Konflikte in der Gesellschaft sind. Und die müssen wir lösen.“

Ein Hauptstreitpunkt der Konferenz aber war bis zuletzt das Geld, das reiche Staaten den ärmeren zum Klimaschutz und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels geben sollen. Erst nach einer langen Nachtsitzung gelang eine Einigung über diverse Punkte. So machten die Länder einen Weg frei, um den bislang im Kyoto-Protokoll von 1997 verankerten Anpassungsfonds in das Pariser Abkommen hinüberzunehmen. Dieser Fonds hat für Entwicklungsländer eine hohe Bedeutung.

Generell ging es auf der Konferenz im Kern oft darum, inwieweit die Industrieländer anerkennen, dass durch den Klimawandel Schäden in ärmeren Staaten entstehen. Eine Verantwortung für die Folgen des Klimawandels wollen die reichen Staaten in keinem Fall übernehmen, aber sie haben ein kleines Trostpflaster außerhalb der Verhandlungen ausgebaut.

Am Rande der Konferenz startete ein breites Bündnis für eine Art Versicherung gegen Klimaschäden. Die globale Partnerschaft unter anderem aus der Weltbank, Deutschland und besonders vom Klimawandel betroffenen Staaten soll ärmeren Menschen bei Unwetterkatastrophen schnell helfen. Damit sollen bis 2020 zusätzlich 400 Millionen Menschen gegen Klimarisiken versichert werden. Sie baut auf der 2015 auf dem G7-Gipfel gegründeten „InsuResilience Initiative“ auf. „Es ist begrüßenswert, dass es überhaupt mal Hilfe gibt in der Bewältigung von klimabedingten Schäden. Aber diese müsste verpflichtend sein und nicht nur freiwillig“, sagte Sabine Minninger von Brot für die Welt. „Zudem deckt sie nur Wetterextreme ab und nicht langfristige Veränderungen wie Meerspiegelanstieg und Verwüstung.“

Hauptaufgabe dieser Weltklimakonferenz aber waren wichtige Vorarbeiten zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens. In Bonn entstand eine lose Sammlung von Megapapieren, in der alle Sichtweisen der Staaten festgehalten sind. Aus diesem Texthaufen soll im kommenden Jahr das Regelwerk zum Paris-Abkommen extrahiert werden. Dies ist etwa nötig, damit auf der ganzen Welt der Treibhausgas-Ausstoß nach gleichem Maßstab gemessen wird.

Aber neben dem Zettelwerk hat die Klimakonferenz noch einen vielleicht ebenso bedeutenden Fortschritt gemacht. „Wir haben den Talanoa-Dialog strukturiert“, sagte die scheidende deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Freitagnachmittag. Das Wort stammt aus Fidschi und meint eine Versammlung, in der Wissen ausgetauscht und Vertrauen aufgebaut wird, um weise Entscheidungen zu treffen. Dieser Dialog soll helfen, die noch zu geringen Klimaschutzaktivitäten der Länder zu erhöhen. Die erste weise Entscheidung: Er steht unter der Präsidentschaft zweier Länder mit ganz unterschiedlichen Positionen - des Inselstaats Fidschi und des Kohlelands Polen.

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