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Konflikt bei Hannover 96: „Nächste Eskalationsstufe“

Hannover. Sportlicher Erfolg ist kein Garant für Ruhe im Verein. Bei Hannover 96 wird der Konflikt immer schärfer und offen ausgetragen. Von der Zerrissenheit des Clubs zeugen Klagen, Rücktritts-Forderungen und Gutachten.

Konflikt bei Hannover 96: „Nächste Eskalationsstufe“

Vereinspräsident Martin Kind (l) steht nicht nur bei den Fans in der Kritik. Foto: Peter Steffen

Ohne Rechtsanwalt geht gar nichts mehr. Der Streit bei Hannover 96 hat sich weiter zugespitzt und wird erbittert ausgetragen. Auf juristischen Beistand setzt der Vereinsvorsitzende und Mehrfach-Geschäftsführer Martin Kind ebenso wie die Opposition.

„Die nächste Eskalationsstufe“, kommentierte die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ zuletzt den Konflikt um den Übernahme-Versuch des Bundesligisten durch Kind. „96-Vorstand schlägt zurück“, titelte die „Neue Presse“.

Das wirkt für Außenstehende paradox. Denn sportlich läuft es in Hannover viel besser als gedacht. Der von vielen Beobachtern als erster Abstiegskandidat gehandelte Aufsteiger liegt auf Platz sechs der Tabelle. Bei 50+1 könnte es also um Punkte gehen und nicht um die Macht im Club. Doch die Freude der Fans über die Erfolge auf dem Platz und 18 Zähler in der Tabelle ist kaum zu spüren - im Gegenteil.

Die Ultras ziehen einen Stimmungsboykott durch. Die Gästefans sind bei Hannover-Heimspielen fast immer lauter und schreien gerne mal: „Kind muss weg!“ Die 96-Ultras rufen das derzeit nicht mehr. Die Pfiffe anderer Hannover-Anhänger, die es bei dieser lautstarken Forderung immer wieder gab, zeugen von der Zerrissenheit in der Anhängerschaft.

Der Widerstand gegen Kinds Plan, die Mehrheit an der Management GmbH vom Stammverein zu kaufen, hat sich vom Stadion mehr und mehr in Anwaltsstuben und Gerichtssäle verlagert. Dabei liegt Kind - um in der Fußballersprache zu bleiben - derzeit klar in Führung. Zuletzt gab es einen Erfolg vor dem Landgericht Hannover.

Das Gericht wies einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung zurück. Damit sollte Kind verpflichtet werden, einen bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) gestellten Antrag für eine Ausnahmeregelung von der 50+1-Regel zurückzunehmen.

Gestellt hatte den Antrag Ralf Nestler, der gewissermaßen der juristische Kopf des Widerstandes gegen Kinds Übernahmepläne ist. Er arbeitet als Rechtsanwalt, ist aktiv in der oppositionellen Interessengemeinschaft „Pro Verein 1896“, hat ein Gutachten bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeholt - und ist zugleich Aufsichtsrat beim Stammverein.

Wie tief der Club gespalten ist, zeigte zuletzt auch die Wortwahl der Kind-Anhänger. Das stellvertretende 96-Vorstandsmitglied Uwe Krause warf den Oppositionellen um Nestler via Zeitungen vor, „geistige Brandstifter“ zu sein, „die Beleidigungen des Präsidenten initiieren“. Zu der erbitterten Auseinandersetzung gehören auch gegenseitige Rücktritts-Forderungen.

Krause ist auch Jurist. Und entzündet hatte sich der Streit mit dem Anwaltskollegen Nestler kurioserweise an der Tätigkeit von Christoph Schickhardt, der verschiedentlich als Anwalt für Kind und den Verein tätig ist. Zwei Juristen stritten also über die Rolle eines dritten Juristen.

Aber auch innerhalb des wichtigsten Wirtschaftsunternehmens des Erstligisten gibt es Streit. Einer der vier Gesellschafter der Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG will sich die Rendite künftig auszahlen lassen. Auch das muss juristisch geklärt werden. In der kommenden Woche ist ein Termin vor dem Landgericht Hannover angesetzt.

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