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«Kozmic Blues» - Tänzerische Zeitreise in die 60er Jahre

Trier (dpa) - Marty will aufbrechen und sein Leben in die eigene Hand nehmen, aber er weiß nicht wie. Sein Vater ist ihm kein Vorbild, hat er doch seine Träume nie wahr gemacht. Und sein großer Bruder, längst in die Welt gezogen, ist für Marty unerreichbar.

Im Tanzstück «Kozmic Blues», das mit großem Erfolg am Theater Trier uraufgeführt wurde, schickt Ballettdirektor Sven Grützmacher Marty auf die Suche nach seinem Lebensweg. An die bewegten späten 60er Jahre anknüpfend, lässt er ihn gelungen in einer Zeit des Auf- und Umbruchs den inneren Kampf zwischen Anpassung und Aufbruch tänzerisch nachempfinden. Die Aufführung - musikalisch mit Liedern von Pink Floyd, den Rolling Stones und The Who untermalt - wurde vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus belohnt.

«Kozmic Blues», dessen Titel sich an die Musik von Hippie-Kult-Sängerin Janis Joplin anlehnt, verbindet das Lebensgefühl einer vergangenen Generation mit existenzialistischen Ideen und ist trotzdem aktuell. «Es war mir ein Anliegen, den inneren Konflikt zu zeigen, der entsteht, wenn ich keinen Lebensentwurf mehr habe und im Niemandsland bin», sagte der Berliner Choreograf Grützmacher. Als Marty im Laufe des knapp anderthalbstündiges Stückes erkannt, dass er seinen Weg nur findet, wenn er die Verantwortung für sich alleine übernimmt, gewinnt er. Bis zu dieser Erkenntnis hat er eine schmerzhafte Suche, Rauschzustände und eine zerbrochene Liebe hinter sich.

Originell sind in Grützmachers Stück auch die Kostüme gestaltet. Während die drei Protagonisten in grau und schwarz tanzen, hellen Tänzer der Hippie-Generation mit grell-bunten Perücken und farbigen Papierkleidern die dunkle Atmosphäre auf. Auf der Bühne wird mit einer Schiebewand und drei Türen im Hintergrund sowie Licht- und Videoinstallationen gearbeitet.

Die Idee zu dem Stück kam Grützmacher beim Hören der Musik von Joplin. «Ich bin bei dem Begriff "Kozmic Blues" hängen geblieben und war fasziniert von der darin zum Ausdruck kommenden unfassbaren Unendlichkeit und dem dazu passenden Seelenzustand des Blues», sagte der Tanzdirektor. Schon mehrfach hat der 40-Jährige seine Vorliebe für psychologisch schwierigere Themen erfolgreich unter Beweis gestellt, zuletzt in einem Stück über die biblische Verräterfigur «Judas - bin ich's?». «Der Tanz bietet die Chance, konkrete Situationen darzustellen und gleichzeitig emotionale Zustände zu zeigen, die sich eben nicht über die Sprache ausdrücken und fassen lassen», sagte Grützmacher.

So spricht der Körper eine eindeutige Sprache, etwa als Marty seinen Vater zurückstößt, ihn emotionslos hinter sich her schleift. Sein Vater, der «weise Narr», steht für ihn nach dessen freudlosem Leben für Selbstaufgabe und Resignation. Oder aber beim ersten Treffen der Brüder, die die Überlegenheit des Älteren (Stojan Kissiov) sofort an Kopf- und Körperhaltung deutlich macht. Dann schließlich der beeindruckende Befreiungstanz des kleinen Bruders (David Scherzer) zu «The End» von The Doors, in dem die Sprünge immer höher und kräftiger, die Wege immer weiter werden und die Bühne ihm ganz allein gehört.

«Kozmic Blues» die dritte Uraufführung von Grützmacher am Theater Trier. Er hat zuvor unter anderem als Mitglied des Ballettensembles der Komischen Oper Berlin getanzt und am Staatstheater Saarbrücken als stellvertretender Ballettdirektor gearbeitet.

www.theater-trier.de

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