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Lebensversicherung unter Druck: Wie geht es 2018 weiter?

Frankfurt/Main. Die Zinsschmelze trifft Kunden von Lebensversicherungen. Branchenprimus Allianz Leben steuert jetzt gegen. Ist das die Trendwende?

Lebensversicherung unter Druck: Wie geht es 2018 weiter?

Steht im Bereich der Lebensversicherung eine Trendwende bevor? Foto: Jens Büttner/Symbolbild

Zinsflaute und der Aufbau eines milliardenschweren Kapitalpuffers nagen seit Jahren an der Rendite von Lebensversicherungen. Der beliebte Altersvorsorgeklassiker wirft immer weniger ab. Jetzt setzt Branchenprimus Allianz Leben ein Signal: Die laufende Verzinsung bleibt 2018 stabil.

„Wir möchten die Menschen überzeugen und sie dafür gewinnen, fürs Alter vorzusorgen“, sagt Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber. Experten bezweifeln jedoch, dass die Entscheidung der Stuttgarter eine branchenweite Trendwende signalisiert. So tritt beispielsweise die Alte Leipziger auf die Zinsbremse.

„Im Schnitt dürfte die laufende Verzinsung für Neuverträge im kommenden Jahr bei klassischen Lebens- und Rentenversicherungen bei rund 2,40 Prozent liegen“, sagt Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata voraus. In diesem Jahr waren es nach seinen Angaben noch 2,61 Prozent - bezogen auf den Sparanteil, nach Abzug von Abschluss- und Verwaltungskosten.

Die laufende Verzinsung setzt sich aus dem vom Bundesfinanzministerium festgelegten Garantiezins und der Überschussbeteiligung zusammen, über die Versicherer je nach Wirtschaftslage und Erfolg ihrer Anlagestrategie jedes Jahr neu entscheiden. Der Garantiezins für Neuverträge liegt bei nur noch 0,9 Prozent. In der Vergangenheit waren es bis zu vier Prozent.

Besitzer von Alt-Policen mit einer hohen Garantie stehen also vergleichsweise gut da. Allerdings sind auch sie von der sinkenden Überschussbeteiligung betroffen. Das Zusatzplus im Alter fällt daher oft geringer aus als erhofft.

Wegen der Zinsflaute fällt es den Assekuranzen immer schwerer, die hohen Versprechen von einst an den Kapitalmärkten zu erwirtschaften. Viele Assekuranzen setzen inzwischen daher im Neugeschäft auf Policen ohne Garantiezins. Diese sagen lediglich den Erhalt der eingezahlten Beiträge zu und sollen eine etwas höhere Rendite abwerfen.

Doch auch diese Produkte bleiben vom Zinsrückgang nicht verschont. Im laufenden Jahr kommen Neuverträge Assekurata zufolge im Schnitt auf 2,44 Prozent - 0,4 Prozentpunkte weniger als 2016. Der Grund: „Da die Unternehmen die eingezahlten Beiträge zu 100 oder 80 Prozent garantieren, sind sie an konservative Anlagestrategien gebunden. Die neuen Produkte schneiden in Zinsflaute daher nicht viel besser ab“, erläutert Heermann.

Auf eine Laufzeit von 25 Jahren hochgerechnet, bieten die neuartigen Policen Assekurata zufolge eine bessere Verzinsung als die Klassiker. Die Werte einzelner Versicherer liegen allerdings teils weit auseinander.

Im vergangenen Jahr entschieden sich nach Angaben des Branchenverbandes GDV 46 Prozent der Neukunden für Verträge mit abgespeckten Garantien oder fondsgebundene Produkte.

Um die hohen Zusagen für Altverträge in der Zinsflaute abzusichern, müssen die Lebensversicherer seit 2011 einen Kapitalpuffer aufbauen. Das setzt sie zusätzlich unter Druck.

Nach Einschätzung der Finanzaufsicht Bafin wird die Branche bis Ende des Jahres rund 64 Milliarden Euro in den Kapitalpuffer eingezahlt haben. Das sei ein wahrer Kraftakt, sagte Bafin-Chef Felix Hufeld unlängst und mahnte: „Den Aufbau der Zinszusatzreserve sollte man daher fortan etwas weniger kraftvoll gestalten.“ Heermann geht davon aus, dass im kommenden Jahr weitere 25 Milliarden hinzukommen dürften. „Das Tempo des Aufbaus funktioniert so nicht.“

Die Gefahr wächst, dass auch Kunden mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder Risikolebensversicherungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei 30 der 84 Lebensversicherer reichten laut einer Studie des Lebensversicherungs-Aufkäufers Policen Direkt die Erträge aus Kapitalanlagen im vergangenen Jahr nicht aus, um die Garantiezinsen und den Kapitalpuffer zu decken.

Die Versicherer müssten sich daher aus anderen Ertragsquellen bedienen, zum Beispiel dem Risikoergebnis. Dieses entsteht, wenn das Unternehmen für versicherte Kunden weniger Geld aufwenden musste als ursprünglich gedacht. Schrumpft das Risikoergebnis wegen der Querverrechnung, wird der Topf für Kunden von Risikolebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen kleiner. Die Folge: Die Nettobeiträge könnten steigen, erläutert Heermann.

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